DAX: Anleihen ziehen Kapital ab
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 23:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Rekordlauf ist erst einmal gestoppt. Nach dem Allzeithoch von knapp 26.574 Punkten in der vergangenen Woche rutschte der DAX am Dienstag um 0,8 Prozent auf 26.128 Punkte ab. Der MDAX traf es mit einem Minus von 1,6 Prozent auf 31.840 Punkte noch deutlicher — der tiefste Stand seit mehr als drei Wochen.
Der Auslöser liegt nicht allein an der Börse selbst, sondern an der Konkurrenz durch festverzinsliche Papiere. Fünfjährige Bundesanleihen rentieren mittlerweile bei knapp drei Prozent — eine Marke, die Anleihen gegenüber Aktien wieder attraktiv macht. Hinzu kommt Öl: Die Nordsee-Sorte Brent kletterte auf knapp 92 Dollar je Barrel, nachdem im Konflikt zwischen den USA und dem Iran keine diplomatischen Fortschritte in Sicht sind.
Ein US-Präsident Trump ließ öffentlich wissen, dass derzeit weder Gespräche stattfinden noch geplant sind. Teureres Öl nährt die Sorge vor neuer Inflation — und damit vor länger hohen Zinsen.
Chipwerte unter Druck, Einzelaktien zeigen Gegenbewegungen
Besonders hart traf es die zuletzt gut gelaufenen Technologie- und Energiewerte. Infineon verlor 7,6 Prozent und war damit größter DAX-Verlierer, Siemens Energy gab 5,2 Prozent ab. Im MDAX rauschten Aixtron, Süss Microtec und Elmos Semiconductor teils um bis zu 8,8 Prozent ab — nach Wochen der Erholung wurde hier offensichtlich Kasse gemacht.
Gegen den Trend liefen defensive Werte: Deutsche Telekom gewann 1,7 Prozent, Beiersdorf und Munich Re legten bis zu 1,3 Prozent zu. Bei den Einzelwerten sorgte 1&1 für den Ausreißer nach oben — die Aktie sprang um mehr als acht Prozent, nachdem Mutterkonzern United Internet einen Kaufauftrag für bis zu sechs Millionen Aktien platziert hatte. United Internet hält bereits gut 86 Prozent der Anteile, die 90-Prozent-Schwelle dürfte das erklärte Ziel sein.
Der ZEW-Index für Konjunkturerwartungen fiel deutlich besser aus als erwartet — setzte aber keinen positiven Impuls für die Kurse. Das zeigt: Aktuell dominieren Zins- und Ölpreis-Sorgen die fundamentale Wirtschaftslage.
Am Ende der Woche steht der August-Verfall an Terminbörsen an. Erfahrungsgemäß steigt danach die zuletzt ungewöhnlich niedrige Schwankungsbreite wieder — ein Faktor, der die Nervosität am Markt in den kommenden Tagen zusätzlich erhöhen könnte.
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