EssilorLuxottica Aktie: Milleri besetzt Del Vecchios Posten nicht
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 06:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Machtkampf an der Spitze des weltweit führenden Brillenkonzerns EssilorLuxottica tritt in eine neue Phase. Während Teile der Gründerfamilie öffentlich eine strategische Neuausrichtung fordern, festigt die operative Führung unter CEO Francesco Milleri ihre Position. Die jüngsten Entwicklungen verdeutlichen die tiefen Gräben innerhalb der Governance des Unternehmens, das mit einem erheblichen Kursverfall kämpft.
Management verteidigt Kurs gegen Kritik
Am vergangenen Freitag hat sich der interne Konflikt bei EssilorLuxottica weiter zugespitzt. Wie Reuters und Bloomberg berichteten, verteidigten Top-Manager des Konzerns CEO Francesco Milleri gegen die eskalierende Kritik von Leonardo Maria Del Vecchio.
Der Sohn des verstorbenen Firmengründers hatte zuvor öffentlich einen „Reset“ der Unternehmensstrategie gefordert und dies mit der schwachen Kursentwicklung der vergangenen Monate begründet. Die Konzernführung reagierte darauf mit einer Demonstration der Geschlossenheit.
Bereits am vergangenen Mittwoch hatte das Board of Directors Milleri sowie dem stellvertretenden CEO Paul du Saillant und dem gesamten Führungsteam einstimmig das Vertrauen ausgesprochen. Die Financial Times berichtete zudem am Freitag, dass Milleri sich dazu entschieden habe, die Position von Leonardo Maria Del Vecchio nach dessen abruptem Rücktritt nicht neu zu besetzen.
Diese Personalentscheidung und die Umstrukturierung des Führungsteams werden am Markt als deutliches Signal für die Kontinuität der aktuellen Strategie gewertet, ungeachtet der Forderungen nach einem personellen und inhaltlichen Neuanfang.
Aktienrückkäufe inmitten des Kursverfalls
Um der negativen Dynamik an der Börse entgegenzuwirken, nutzt das Unternehmen verstärkt Aktienrückkäufe. Medienberichten zufolge hat EssilorLuxottica zwischen dem 31. August und dem 3. September insgesamt 424.681 eigene Anteilscheine erworben. Diese Transaktionen erfolgten auf Basis einer Ermächtigung der Hauptversammlung vom 28. April. Der durchschnittliche Erwerbspreis lag bei rund 159 Euro pro Aktie.
Trotz dieser Stützungsmaßnahmen bleibt die Lage für Anleger angespannt. Am Freitag schloss das Papier bei 148,10 € und notiert damit deutlich unter dem Niveau der jüngsten Rückkäufe. Seit Jahresbeginn hat die Aktie bereits 45 % an Wert verloren.
Besonders kritisch war die Situation am vergangenen Donnerstag, als der Titel ein neues 52-Wochen-Tief markierte. Zwar konnte sich der Kurs seither leicht erholen, doch der Abstand zum 52-Wochen-Tief beträgt derzeit lediglich 2,4 %.
Strategische Optionen und das Erbe Armanis
Inmitten der Führungskrise rücken auch potenzielle Expansionsschritte in den Fokus. Laut Berichten von Reuters wurde EssilorLuxottica im Testament von Giorgio Armani als einer der möglichen Partner oder Käufer für dessen Modeimperium genannt.
Das Unternehmen selbst lehnte eine Stellungnahme zu diesen Spekulationen ab, signalisierte jedoch ein generelles Interesse an kleineren Beteiligungen oder Partnerschaften, statt einer vollständigen Übernahme.
Die strategische Unsicherheit wird durch die Veröffentlichung der aktuellen Stimmrechtsanteile und des Grundkapitals zum Stand Ende August unterstrichen, die das Unternehmen im Rahmen seiner Berichtspflichten offenlegte.
Für Investoren bleibt die zentrale Frage, ob das aktuelle Management unter Milleri den Turnaround einleiten kann, während die internen Streitigkeiten über die künftige Ausrichtung des Optikriesen anhalten. Der Druck durch die Gründerfamilie, die eine Neuausrichtung verlangt, dürfte die kommenden Wochen weiterhin prägen.
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