Evonik Aktie: 3.200 Stellen bis 2029 geplant
Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 03:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Spezialchemiekonzern Evonik blickt auf ein erfolgreiches zweites Quartal zurück und hat seine im Juni angehobene Jahresprognose für das laufende Geschäftsjahr bestätigt.
Das Unternehmen rechnet weiterhin mit einem bereinigten EBITDA zwischen 2,0 und 2,2 Milliarden Euro, nachdem im Vorjahr 1,9 Milliarden Euro erzielt wurden. Gestern schloss die Aktie bei 17,90 Euro und setzte damit den positiven Trend fort, der das Papier seit Jahresanfang bereits um 33,98 Prozent steigen ließ.
Hinter dem Optimismus des Vorstands steht eine starke operative Entwicklung im Frühjahr. Der Konzernumsatz kletterte im zweiten Quartal um 11 Prozent auf 3,89 Milliarden Euro. Noch deutlicher fiel das Plus beim bereinigten EBITDA aus, das um 24 Prozent auf 630 Millionen Euro sprang.
Evonik profitierte dabei nach eigenen Angaben von einer „Sonderkonjunktur“, die durch Lieferkettenengpässe außerhalb Europas begünstigt wurde. Zudem drehte der Free Cashflow mit 49 Millionen Euro ins Positive, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Minus von 211 Millionen Euro zu Buche gestanden hatte.
Kostendisziplin und strategischer Stellenabbau
Um die Profitabilität langfristig zu sichern, forciert die Konzernführung das Effizienzprogramm „Evonik Tailor Made“. Die bereits eingeleiteten Maßnahmen sehen den Abbau von 2.800 Stellen bis zum Ende des Jahres 2026 vor.
Doch das Unternehmen geht nun einen Schritt weiter: Für den Zeitraum von 2027 bis 2029 kündigte der Vorstand eine zusätzliche Reduktion um rund 3.200 Arbeitsplätze an. Diese strukturellen Anpassungen sollen helfen, die Verwaltungskosten massiv zu senken und die Entscheidungswege im Konzern zu verkürzen.
Parallel zum Sparkurs treibt Evonik den Umbau der Infrastruktur voran, insbesondere im Bereich der nachhaltigen Energieversorgung. In der vergangenen Woche startete die offizielle Wasserstoffbelieferung für den Chemiepark Marl.
Über ein 120 Kilometer langes Leitungsnetz, das gemeinsam mit den Partnern Nowega, OGE und der Tochtergesellschaft SYNEQT betrieben wird, fließt nun grüner Wasserstoff zur industriellen Nutzung. Dieses Projekt ist Teil des Vorhabens „GET H2 Nukleus“ und markiert einen Meilenstein bei der Dekarbonisierung der Produktionsprozesse.
Herausforderungen am Standort Deutschland
Trotz der guten Zahlen und technologischen Fortschritte bleiben die Rahmenbedingungen am Heimatstandort schwierig. Am gestrigen Dienstag thematisierte die Werksleitung bei einem Standortbesuch in Hanau die anhaltenden Belastungen durch hohe Energiepreise und eine zunehmende Bürokratie.
Hanau ist für Evonik ein zentraler Drehpunkt: Von den rund 3.000 dort Beschäftigten arbeiten allein 800 in der Forschung und Entwicklung. Die Konzernführung mahnt hier verlässliche politische Bedingungen an, um die Innovationskraft am Standort Deutschland nicht zu gefährden.
Anleger reagieren derweil positiv auf die operative Dynamik der vergangenen Wochen. Mit dem aktuellen Kursniveau notiert der Wert etwa 8,58 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt, was die kurzfristige Stärke des Titels unterstreicht. Dennoch mahnen Beobachter zur Differenzierung, da die Sonderfaktoren bei den Lieferketten nicht dauerhaft als Ergebnistreiber fungieren dürften.
Analysten bewerten operative Dynamik unterschiedlich
Nach Auswertung der detaillierten Quartalszahlen haben mehrere Analysehäuser ihre Einschätzungen aktualisiert. Am Montag hob die Analystin Virginie Boucher-Ferte von Deutsche Bank Research das Kursziel für Evonik von 17,00 Euro auf 18,00 Euro an. Sie belässt die Einstufung jedoch auf „Hold“ und verweist damit auf ein begrenztes weiteres Aufwärtspotenzial nach der jüngsten Rallye.
Deutlich skeptischer zeigt sich Sebastian Bray vom Bankhaus Berenberg. Er erhöhte zwar sein Kursziel leicht von 15,00 Euro auf 15,50 Euro, behält aber seine Verkaufsempfehlung bei.
Bray begründet dies zwar mit höheren Volumina im Industriesegment, warnt jedoch bereits vor einem potenziell schwächeren Geschäftsjahr 2027. Während die US-Bank JPMorgan das Papier weiterhin mit „Underweight“ einstuft, blicken Investoren nun gespannt auf den morgigen Donnerstag, wenn Evonik den vollständigen Zwischenbericht zum ersten Halbjahr vorlegen wird.
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