Evonik, Aktie

Evonik Aktie: Gewerkschaften warnen vor Verkauf

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 16:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die RAG-Stiftung bleibt zur BASF-Offerte unentschieden, während Evonik Recycling- und Polymerprojekte vorantreibt.
Evonik Industries DE000EVNK013 als isometrisches 3D-Diagramm der Spezialchemie-Wertschöpfungskette von Rohstoff bis Vertrieb Illustration mit AI erstellt.

Die Aktie von Evonik notiert bei 21,12 Euro und verweilt damit rund 3,3 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Hinter dieser Kursstärke steht eine Phase anhaltender Bewegung: Seit Jahresbeginn hat das Papier um 58 Prozent zugelegt, befeuert durch das öffentlich gewordene Übernahmeinteresse des Ludwigshafener Chemiekonzerns BASF.

Doch während die Marktfantasie die Bewertung stützt, richtet sich der Blick zunehmend auf das Kräfteverhältnis der Anteilseigner und die fundamentale Verfassung des Spezialchemieherstellers.

Das Übernahmethema hat das Essener Unternehmen in das Zentrum des Brancheninteresses gerückt. Während BASF nach Möglichkeiten für eine Neuausrichtung im Chemiesektor sucht, stellt sich für den Kapitalmarkt vor allem die Frage nach der industriellen Logik und der Haltung der wesentlichen Miteigentümer.

Die Schlüsselrolle der RAG-Stiftung und der Widerstand

Der erste Vorstoß von BASF mit einer Offerte von 22,15 Euro je Aktie stieß bei Evonik auf Ablehnung und wurde als zu niedrig bewertet.

Wie das Handelsblatt berichtete, ließ sich das Kuratorium der Stiftung am 9. Oktober über das BASF-Interesse informieren, legte sich jedoch nicht fest und verwies auf direkte Gespräche zwischen den beiden Unternehmen.

Parallel formiert sich Gegenwind von Arbeitnehmerseite und aus der Landespolitik. Gewerkschaftschef Michael Vassiliadis und Alexander Bercht von der IG BCE stellten in einem Schreiben an die Betriebsräte beider Konzerne einen vollständigen Verkauf des Stiftungspakets infrage und warnten vor übereilten Schritten.

Zudem schlug die SPD-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen vor, dass das Land eine Beteiligung prüfen solle, um gemeinsam mit der RAG-Stiftung eine Mehrheit von über 50 Prozent zu sichern.

Operative Initiativen und anstehende Quartalszahlen

Ungeachtet der M&A-Spekulationen setzt Evonik eigene strategische Akzente. Am Dienstag startete der Konzern gemeinsam mit Toyotsu Chemiplas und Sanyo Chemical Industries eine Initiative in Japan. Die drei Partner beabsichtigen, ein Verwertungsmodell für Polyurethanschaum aufzubauen, um aus gebrauchten Materialien und Reststoffen wiederverwertbare Polyole und Amine für neue Produkte zu gewinnen.

Ergänzend dazu meldete das Unternehmen Fortschritte bei einer biologisch abbaubaren Polymerplattform für orale Hilfsstoffe zur Wirkstofffreisetzung sowie die Auszeichnung mit einem Branchenpreis für digitale Entwicklungsdienste bei pharmazeutischen Prozessen.

Für Marktteilnehmer rücken nun die konkreten Geschäftszahlen in den Fokus. Dieser Termin dürfte Aufschluss darüber geben, wie widerstandsfähig sich das operative Geschäft in einem anspruchsvollen Branchenumfeld behauptet.

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