Evonik, Aktie

Evonik Aktie: Kamieth bekräftigt Übernahmeinteresse

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 09:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de

BASF bekräftigt sein Interesse an Evonik, doch Preisabstand und fehlende formelle Verhandlungen lassen den Ausgang offen.

Fotorealistisches Luftbild eines Spezialchemiewerks mit Destillationstürmen bei Sonnenuntergang
Evonik Industries DE000EVNK013 zeigt ein fotorealistisches Luftbild eines großen Spezialchemiewerks bei Abenddämmerung Illustration mit AI erstellt.

Neuer Druck im Übernahmepoker

Die Spekulationen um eine Übernahme des Spezialchemiekonzerns gewinnen neue Dynamik. BASF-Vorstandschef Markus Kamieth bekräftigte am gestrigen Mittwoch das prinzipielle Übernahmeinteresse seines Konzerns und erklärte, BASF wolle als Branchenführer die Chancen einer anstehenden Fusionswelle nutzen.

Für die Anteilseigner von Evonik verschärft dieses Signal die strategische Ausgangslage. Während die Aktie gestern bei 20,86 Euro schloss und sich damit nur knapp unter dem 52-Wochen-Hoch von 21,04 Euro bewegt, müssen Investoren abwägen, wie viel Fusionsprämie im aktuellen Bewertungsniveau bereits vorweggenommen ist.

Der Einstieg in eine mögliche Konsolidierungsphase kommt zu einem sensiblen Zeitpunkt. Vor gut einer Woche bestätigten die Beteiligten Sondierungsgespräche über eine Evonik-Übernahme, deren Ausgang weiterhin formell offen ist.

Gleichzeitig treibt das Essener Unternehmen die eigene Neuausrichtung voran. Die Frage für den Kapitalmarkt lautet nun, ob die Notierung primär durch ein potenzielles Bietergefecht getragen wird oder ob die operative Transformation aus eigener Kraft die Bewertung rechtfertigen kann.

Der Knackpunkt liegt im Übernahmepreis

Die Weichenstellung für die kommenden Wochen hängt an einem zentralen Faktor: der Zahlungsbereitschaft von BASF im Verhältnis zu den Preisvorstellungen der Evonik-Gremien. Medienberichten zufolge wies Evonik einen unverbindlichen Vorstoß über rund 22,15 Euro je Aktie als zu niedrig zurück. Dieser Schritt signalisiert zwar Verhandlungsbereitschaft, setzt die Hürde für eine Einigung jedoch spürbar nach oben.

Entscheidend wird sein, ob BASF bereit ist, die Offerte substanziell nachzubessern, um sowohl den Vorstand als auch Großaktionäre wie die RAG-Stiftung zu überzeugen.

Da Evonik bisher betont, dass aktuell keine formellen Verhandlungen stattfinden, preist der Markt derzeit eine Annäherung ein, die offiziell noch gar nicht begonnen hat. Die Bewertungsdifferenz zwischen dem kolportierten Erstangebot und den Erwartungen des Managements markiert damit die Bruchlinie der aktuellen Kursbildung.

Das Aufwärtspotenzial einer nachgebesserten Offerte

Im optimistischen Szenario erhöht BASF den finanziellen Druck durch ein verbindliches Angebot, das deutlich über der bisherigen Gesprächsbasis liegt. Sollte Ludwigshafen eine Offerte vorlegen, die den operativen Wert der Spezialchemiesparten angemessen honoriert, dürfte die Aktie das bisherige Jahreshoch zügig hinter sich lassen.

Analyst Sebastian Bray von Berenberg stufte das Papier am Montag auf „Hold“ herauf und setzte das Kursziel auf 20 Euro. Bray verwies darauf, dass das Übernahmeinteresse von BASF einen soliden Bewertungsboden einziehen könnte.

Zusätzlichen Rückhalt liefert in diesem Szenario das interne Effizienzprogramm. Vor gut einer Woche stellte das Management die Pläne zur Wachstumsstrategie vor, in deren Rahmen über das Programm Evonik Tailor Made weltweit 3.200 Stellen abgebaut werden sollen, davon rund 2.150 in Deutschland.

Gelingt es Evonik, Einsparungen und Übernahmefantasie zu verknüpfen, besäße das Management eine starke Verhandlungsposition für Nachverhandlungen oder einen Bieterwettbewerb.

Die Risiken eines abrupten Verhandlungsabbruchs

Das Abwärtsszenario droht, falls BASF die Sondierungen ohne formelles Angebot beendet oder die Differenzen unüberbrückbar bleiben. Scheitert eine Einigung an zu hohen Preisforderungen oder am Widerstand von Anteilseignern, könnte die Fusionsprämie rasch aus dem Kurs weichen.

In einer Sektorstudie vom Dienstag vergab das Analysehaus Parmantier & Cie. die Einstufung „Halten“ mit einem Kursziel von 20,50 Euro auf Sicht von sechs Monaten. Diese vorsichtige Haltung unterstreicht, dass die fundamentale Bewertung ohne Fusionsaufschlag begrenzt erscheint.

Fällt das Übernahmethema als Kurstreiber weg, rücken die operativen Herausforderungen wieder in den Vordergrund. Die Durchführung des Stellenabbaus birgt erhebliche Restrukturierungskosten, während die zweite Phase des Programms erst für die Jahre 2027 bis 2029 vorgesehen ist.

Ohne das Übernahmeangebot müsste der Titel beweisen, ob die Nachfrage in den Kernmärkten der Spezialchemie ausreicht, um das aktuelle Kursniveau ohne externe Stütze zu verteidigen.

Richtungsentscheid vor den Quartalszahlen

Für die weitere Entwicklung ist die Verteidigung des jüngst etablierten Kursniveaus ausschlaggebend. Solange die Aktie oberhalb der Marke von 20 Euro notiert, bleibt die Spekulation auf eine Einigung der dominierende Treiber des Handelsgeschehens.

Kippt die Übernahmefantasie durch eine definitive Absage aus Ludwigshafen oder durch ein Veto der Kernaktionäre, droht ein empfindlicher Rücksetzer in Richtung der fundamentalen Bewertungsmarken vor Bekanntwerden der Offerte.

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