Evonik, Aktie

Evonik Aktie: Werke Hamburg und Bitterfeld schließen 2027

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 08:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Evonik plant zwei Werksschließungen für 2027 und verlagert Aktivitäten. Zugleich stieg das bereinigte EBITDA im zweiten Quartal auf 630 Millionen Euro.

Fotorealistisches Luftbild eines Spezialchemiewerks mit Destillationstürmen bei Sonnenuntergang
Evonik Industries DE000EVNK013 zeigt ein fotorealistisches Luftbild eines großen Spezialchemiewerks bei Abenddämmerung Illustration mit AI erstellt.

Der Spezialchemiekonzern Evonik forciert seinen Sparkurs und hat die Schließung von zwei deutschen Produktionsstandorten im kommenden Jahr angekündigt. Die Maßnahmen betreffen die Werke in Hamburg und Bitterfeld und sind Teil einer umfassenden Strategie zur Kostenoptimierung und Effizienzsteigerung.

Im vorbörslichen Handel am heutigen Dienstag reagiert die Aktie mit deutlichen Abschlägen auf die jüngsten Nachrichten und das allgemeine Marktumfeld. Das Papier notiert aktuell bei 17,36 € und verzeichnet damit ein Minus von 3,5 %.

Standortschließungen und Verlagerungen nach Essen

Wie das Unternehmen mitteilte, soll der Standort in Hamburg Mitte 2027 aufgegeben werden. Dort sind derzeit etwa 50 Mitarbeiter in der Produktion von Kosmetik- und Pflegeprodukten beschäftigt.

Parallel dazu ist die Schließung des Werks in Bitterfeld für Ende April 2027 geplant, wo rund 40 Beschäftigte in der Chlorsilan-Herstellung tätig sind. Evonik beabsichtigt, die betroffenen Geschäftsaktivitäten an die größeren Standorte in Essen und Rheinfelden zu verlagern, um Synergien besser zu nutzen und die Fixkostenbasis zu senken.

Diese Schritte reihen sich in eine Serie von Restrukturierungsmaßnahmen ein. Bereits im Juni hatte der Konzern bekannt gegeben, bis zum Jahr 2029 zusätzlich 3.200 Stellen streichen zu wollen. Dies folgt auf ein bereits laufendes Programm, das den Abbau von 2.800 Positionen bis Ende des laufenden Jahres vorsieht.

Zudem plant Evonik, sich bis 2027 vollständig von seinen weltweiten Polyester-Aktivitäten zu trennen, was auch die Schließung des Standorts Witten mit seinen 266 Beschäftigten zur Folge haben wird.

Operative Stärke trifft auf schwieriges Sektorumfeld

Die drastischen Sparmaßnahmen stehen im Kontrast zu einer operativ zuletzt starken Entwicklung. Vor rund einem Monat hatte Evonik die Prognose für das Gesamtjahr angehoben und erwartet nun ein bereinigtes EBITDA zwischen 2,0 und 2,2 Milliarden Euro.

Im zweiten Quartal erzielte das Unternehmen mit einem bereinigten EBITDA von 630 Millionen Euro das beste Vierteljahresergebnis seit vier Jahren. Medienberichten zufolge profitierte der Konzern dabei auch von Lieferengpässen asiatischer Wettbewerber, bedingt durch geopolitische Spannungen an der Straße von Hormus.

Trotz der guten Halbjahresperformance bleibt das Umfeld für die deutsche Chemiebranche herausfordernd. Die Branchenproduktion lag im ersten Halbjahr rund 3 % unter dem Vorjahresniveau, während die Investitionen das dritte Jahr in Folge rückläufig waren. Angesichts einer erwarteten Normalisierung der globalen Lieferketten in der zweiten Jahreshälfte warnte das Management bereits vor zunehmenden Unsicherheiten.

Management im Übergang und Messepräsenz

In der Konzernführung gab es zum 1. September eine personelle Veränderung: Dr. Claus Rettig wurde in den Vorstand berufen und zum stellvertretenden Vorsitzenden bestellt. Er übernimmt interimistisch die Leitung des Unternehmens während der Abwesenheit von CEO Christian Kullmann.

Gemeinsam mit Finanzvorstand Michael Rauch, der sein Amt am 1. Mai angetreten hatte, muss Rettig nun den Spagat zwischen den notwendigen Kosteneinsparungen und der Aufrechterhaltung der Wachstumsdynamik bewältigen.

Trotz der aktuellen Kursverluste weist die Evonik-Aktie seit Jahresbeginn weiterhin eine positive Bilanz mit einem Plus von 30 % auf. Anleger blicken am heutigen Dienstag zudem nach Düsseldorf, wo der Konzern ab heute bis zum 17. September auf der Lubricant Expo vertreten ist, um seine Produkte im Bereich der Schmierstoffadditive zu präsentieren. Das Marktumfeld bleibt jedoch vorerst von den strukturellen Anpassungen und der konjunkturellen Skepsis geprägt.

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