Evotec Aktie: Beide KerngeschÀfte schrumpfen gleichzeitig
Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 10:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Evotec-Aktie hat am Dienstag vergangener Woche mit 3,31 Euro ihren niedrigsten Stand seit zehn Jahren erreicht. Der Kurs bewegt sich damit tief im roten Bereich unterhalb aller gĂ€ngigen gleitenden Durchschnitte â ein Zustand, der sich seit der Gewinnwarnung vor ĂŒber einem Monat verfestigt hat und die Frage aufwirft, wie belastbar das operative GeschĂ€ft des Hamburger Wirkstoffentwicklers derzeit tatsĂ€chlich ist.
Die Antwort liefert der Blick in die Zahlen zum ersten Halbjahr, die das Unternehmen am vergangenen Samstag endgĂŒltig bestĂ€tigt hat. Der Umsatz sank im zweiten Quartal auf 300,1 Millionen Euro, ein RĂŒckgang von 19,2 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahreszeitraum. Das bereinigte EBITDA rutschte auf minus 42,7 Millionen Euro ab, nach minus 1,9 Millionen Euro im Vorjahr.
FĂŒr das Gesamtjahr 2026 bestĂ€tigte Evotec die bereits vor ĂŒber einem Monat gesenkte Prognose: Umsatzerlöse zwischen 570 und 610 Millionen Euro sowie ein bereinigtes EBITDA von minus 70 bis minus 105 Millionen Euro.
Beide KerngeschÀfte schrumpfen
Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die einzelnen Segmente. Der Bereich Discovery & Preclinical Development, traditionell das RĂŒckgrat des Konzerns, verzeichnete im zweiten Quartal einen UmsatzrĂŒckgang von 15,8 Prozent auf 108,1 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA des Segments fiel auf minus 14,6 Millionen Euro, verglichen mit minus 2,5 Millionen Euro im Vorjahresquartal.
Noch deutlicher zeigt sich die SchwĂ€che im Biologics-GeschĂ€ft: Just-Evotec Biologics kam auf einen Umsatz von 35,4 Millionen Euro, ein Minus von 17,4 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr.
Auch hier weitete sich der operative Verlust aus, das bereinigte EBITDA sackte auf minus 6,2 Millionen Euro ab. Beide tragenden SĂ€ulen des GeschĂ€ftsmodells schrumpfen also gleichzeitig â ein Umstand, der die Skepsis der Anleger erklĂ€rt und der Aktie zusĂ€tzlichen Druck verleiht.
Kein Gegengewicht in Sicht
Die vor rund einem Monat verkĂŒndete KI-gestĂŒtzte Forschungskooperation mit Odyssey Therapeutics im Bereich Autoimmun- und EntzĂŒndungserkrankungen konnte bislang keine spĂŒrbare Stabilisierung bewirken â der Kurs gab seither weiter nach. Das unterstreicht, wie stark der Fokus der Anleger derzeit auf den harten operativen Kennzahlen liegt und wie wenig strategische AnkĂŒndigungen allein bewegen können, solange Umsatz und Marge weiter sinken.
Mit einem Schlusskurs von 3,37 Euro am Freitag notiert die Aktie nur noch knapp ĂŒber ihrem 52-Wochen-Tief von 3,19 Euro, der Abstand betrĂ€gt gerade einmal 5,5 Prozent.
Zum 52-Wochen-Hoch von 7,75 Euro, erreicht im November vergangenen Jahres, klafft dagegen eine LĂŒcke von 57 Prozent. Der Relative-StĂ€rke-Index von 38,9 signalisiert zwar keine extreme Ăberverkauftheit, doch die Handelsspanne der vergangenen Wochen bleibt eng an der Tiefstmarke.
Vertrauen muss neu erarbeitet werden
FĂŒr Anleger bleibt die Lage unverĂ€ndert fragil. Solange beide operativen Segmente gleichzeitig schrumpfende UmsĂ€tze und wachsende Verluste ausweisen, dĂŒrfte sich das Vertrauen in eine baldige Trendwende kaum erholen.
Die im Juli deutlich gesenkte Jahresprognose wurde mit den Halbjahreszahlen zwar bestĂ€tigt, nicht aber ĂŒbertroffen â ein Signal, dass die Talsohle aus Unternehmenssicht noch nicht durchschritten ist. Erst konkrete operative Fortschritte in den kommenden Quartalen dĂŒrften zeigen, ob sich das aktuelle Kursniveau als Ăbertreibung oder als angemessene Neubewertung erweist.
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