Flotek Industries Aktie: Attacke aus dem Hinterhalt
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 13:17 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Leerverkäufer-Bericht, ein Baustopp in Puerto Rico und ein Kurssturz von über 20 Prozent binnen eines Tages — bei Flotek Industries überschlagen sich die Ereignisse. Das Unternehmen wehrt sich nun mit einer Stellungnahme, die zwar Details liefert, die zentrale Frage aber offenlässt: Steht der 400-Millionen-Dollar-Vertrag noch?
Wolfpack greift an, Aktie bricht ein
Am Montag veröffentlichte der Leerverkäufer Wolfpack Research eine Short-Position gegen Flotek und behauptete, der zehnjährige Vertrag mit dem puerto-ricanischen Energieversorger PREPA sei bereits gekündigt worden.
Als Begründung nannte die Firma eine angeblich nicht autorisierte Unterschrift eines der ursprünglichen Vertragspartner, die inzwischen strafrechtlich untersucht werde. Nach Wolfpacks Einschätzung hängt daran rund 57 Prozent des kurzfristigen Auftragsbestands von Flotek.
Die Aktie reagierte prompt: Der Kurs brach um mehr als 20 Prozent ein und fiel zeitweise auf 27,86 Dollar — nachdem das Papier zuvor von einem Jahrestief bei 10,95 Dollar auf ein Hoch von 39,67 Dollar geklettert war. Der breite Markt lieferte keine Erklärung für die Bewegung, S&P 500 und Nasdaq bewegten sich an diesem Tag kaum. Der Ausverkauf war damit eindeutig unternehmensspezifisch.
Flotek widerspricht der Kündigungsthese
Am Dienstag reagierte das Unternehmen mit einer offiziellen Mitteilung. Demnach hat PREPA bislang keine formelle Kündigung zugestellt. Allerdings bestätigt Flotek selbst kritische Details: Das Financial Oversight and Management Board für Puerto Rico habe abgestimmt, PREPA zur Vertragsbeendigung anzuweisen, und PREPA habe am 17. August alle Konsortialpartner angewiesen, die Arbeiten vorerst einzustellen.
Flotek war dem Projekt erst nach der ursprünglichen Vergabe beigetreten und hatte seine Rolle am 31. Juli offiziell übernommen, nachdem Prüfstellen die Unterschriftsfragen laut eigener Darstellung bereits durchleuchtet hatten. Das Unternehmen bezeichnet den Wolfpack-Bericht explizit als Versuch, den Aktienkurs zu drücken.
Trotz der Turbulenzen hält Flotek an seiner im August angehobenen Jahresprognose fest — 340 bis 350 Millionen Dollar Umsatz und 47 bis 51 Millionen Dollar bereinigtes EBITDA, wobei mögliche Beiträge aus dem PREPA-Vertrag darin ohnehin nicht eingerechnet waren.
Diese Trennung dürfte kaum ausreichen, um die Wachstumsstory rund um das Puerto-Rico-Projekt aus den Köpfen der Anleger zu verbannen, schließlich hatte genau dieser Deal erst wenige Wochen zuvor für Kursfantasie gesorgt.
Für Anleger bleibt die Lage unübersichtlich: Weder liegt eine formelle Kündigung vor, noch eine Entwarnung. Der Baustopp ist real, die Vorwürfe zur Unterschrift bestätigt das Unternehmen indirekt selbst — die entscheidende Frage, ob und wie das Projekt fortgesetzt wird, bleibt laut eigener Aussage von behördlichen Genehmigungen, Finanzierungsfragen und der Aufhebung des Arbeitsstopps abhängig.
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