Fujikura Aktie: Analyst warnt vor Überbewertung bei EV/ EBITDA 30
Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 04:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Selten klaffen Zahlen und Skepsis bei Fujikura so weit auseinander wie in diesen Tagen. Während der japanische Kabel- und Glasfaserhersteller seine Gewinnprognose massiv anhebt und die Aktie in den vergangenen Wochen kräftig zulegte, warnt ein Analyst vor einer überzogenen Bewertung des Papiers.
Explosion bei Gewinn und Umsatzausblick
Fujikura meldete für das erste Quartal des Geschäftsjahres bis März 2027 einen operativen Gewinn von 104,83 Milliarden Yen. Das entspricht einem Plus von 155 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und übertraf die Konsensschätzung von 73,4 Milliarden Yen deutlich. Das Unternehmen zog daraus Konsequenzen und hob die Jahresprognose für den operativen Gewinn von zuvor 310 Milliarden Yen auf nun 432 Milliarden Yen an.
Auch beim Umsatz und beim Nettogewinn schraubte das Management die Ziele nach oben. Die Prognose für den konsolidierten Nettoumsatz im Geschäftsjahr bis Ende März 2027 stieg von 1,46 Billionen Yen auf 1,76 Billionen Yen, die Nettogewinnprognose kletterte von 229 Milliarden Yen auf 326 Milliarden Yen.
Treiber ist laut Unternehmensangaben die robuste Nachfrage nach optischen Komponenten im Segment Telecommunication Systems. Dieser Bereich allein steuerte im ersten Quartal einen operativen Gewinn von 98,0 Milliarden Yen bei, ein Anstieg von 188 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und macht damit rund 93,4 Prozent des gesamten Konzerngewinns aus.
Das Management verwies zudem darauf, dass Engpässe bei wasserstoffbezogenen Vorprodukten im ersten Quartal begrenzt blieben. Vorhandene Lagerbestände, ein reduzierter Verbrauch und eine diversifizierte Beschaffung hätten die Auswirkungen abgefedert.
Ein Analyst zweifelt an der Bewertung
Dem Zahlenfeuerwerk steht eine kritische Stimme gegenüber. Der Analyst Michael Allen veröffentlichte am 7. August einen Bericht mit dem Titel "Fujikura (5803): Elephants Can't Fly", in dem er die Aktie bei einem EV/EBITDA-Verhältnis von 30 als möglicherweise überbewertet einstuft.
Sein zentraler Einwand: Der Markt betrachte Fujikura zunehmend als reinen Rechenzentrums-Profiteur, dabei mache dieses Segment nur etwa die Hälfte des Geschäfts aus. Die Wahrnehmung als Pure Play im Datacenter-Bereich könne demnach in die Irre führen und die aktuelle Bewertung überzeichnen.
Diese Einschätzung liefert einen Kontrapunkt zur Kursentwicklung der vergangenen Tage. Am Montag schloss die Aktie bei 29,05 Euro, ein Tagesplus von 2,65 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 6,41 Prozent zu Buche, was die anhaltend positive Marktreaktion auf die angehobene Prognose unterstreicht. Die Marktkapitalisierung beläuft sich umgerechnet auf 47,05 Milliarden Euro.
Governance-Maßnahme und strategische Nebenschauplätze
Parallel zu den Geschäftszahlen beschloss der Vorstand, bis zu 150.000 eigene Aktien als Restricted-Stock-Vergütung an die Mitarbeiterbeteiligungsgesellschaft von Fujikura auszugeben. Der Ausgabepreis liegt bei 4.596 Yen je Aktie, das Gesamtvolumen bei maximal 689,4 Millionen Yen.
Der Ausgabetermin ist für den 30. November 2026 vorgesehen. Bereits Ende Juli hatte das Unternehmen die Zahlungsabwicklung für die Ausgabe von 41.265 eigenen Aktien an Direktoren und Führungskräfte zu einem Kurs von 6.436 Yen je Aktie abgeschlossen.
Auf der strategischen Seite baut Fujikura sein Engagement in Zukunftstechnologien aus. Ende Juli unterzeichnete das Unternehmen eine Rahmenvereinbarung mit dem britischen Fusionsforschungsprogramm UK Industrial Fusion Solutions über die Lieferung hochtemperatursupraleitender Drähte für Fusionsreaktoren.
Zudem wurde Fujikura im August zum vierten Mal in Folge in den FTSE4Good Index Series und zum zehnten Mal in Folge in den FTSE JPX Blossom Japan Index von FTSE Russell aufgenommen.
Anleger richten den Blick nun auf den 11. November, wenn Fujikura die Quartalszahlen für das zweite Geschäftsquartal des laufenden Fiskaljahres vorlegen wird. Bis dahin dürfte die Debatte zwischen den robusten operativen Erfolgen im Telekommunikationssegment und der Frage nach einer angemessenen Bewertung die Kursentwicklung der Aktie prägen.
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