Gold, Bullen

Gold: Bullen ignorieren Zinserhöhungswetten

Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 11:59 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Gold gewinnt trotz festerem Dollar und Zinserhöhungserwartungen. Geopolitische Spannungen und Inflationsängste stützen den Goldpreis am Freitag.

Goldpreis steigt trotz Fed-Zinswetten und starkem Dollar
Ein glänzender Goldbarren auf einer dunklen Schieferplatte bei stimmungsvoller Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Wetten auf eine Fed-Zinserhöhung würden viele Anlageklassen belasten. Bei Gold zeigt sich am Freitag das Gegenteil: Das Edelmetall klettert trotz eines festen Dollar und trotz steigender Wahrscheinlichkeit für einen restriktiveren Kurs der US-Notenbank. Der Grund liegt in einer ungewöhnlichen Gemengelage aus geopolitischem Risiko und Inflationssorgen, die beide für Gold sprechen — selbst wenn die Fed an der Zinsschraube dreht.

Am Freitagmorgen kletterte der meistgehandelte Dezember-Future auf Gold um 24,80 Dollar auf 4.324,40 Dollar je Feinunze. Support kam von den zuvor gesunkenen Ölpreisen, die Inflationssorgen etwas dämpften. Am Vortag hatte Gold noch leicht nachgegeben, belastet von anziehenden Rohölnotierungen und einem stärkeren Dollar im Zuge eines Anleihe-Ausverkaufs.

Fed tendiert zu höheren Zinsen

Ungewöhnlich für ein Gold-Umfeld: Mehrere Fed-Vertreter sprechen sich derzeit für eine Zinserhöhung aus. St.-Louis-Fed-Präsident Alberto Musalem plädierte für frühzeitige, schrittweise Anhebungen, um spätere, disruptivere Zinsschritte zu vermeiden. Minneapolis-Fed-Chef Neel Kashkari, einer von drei Dissentern beim Fed-Entscheid Ende Juli, forderte ebenfalls einen langsamen Anstieg der Zinsen.

Laut CME FedWatch Tool liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte Mitte September derzeit bei 55 Prozent — vor einer Woche waren es noch 63 Prozent, Ende Juli sogar rund 70 Prozent. Schwächere Arbeitsmarktdaten, darunter ein ADP-Beschäftigungszuwachs von nur 44.000 Stellen im Juli, haben die Erwartungen zuletzt gedämpft.

Straße von Hormus bleibt Unsicherheitsfaktor

Parallel zur Zinsdebatte sorgt die Lage am Persischen Golf für Nervosität. Iran und Oman haben laut iranischen Regierungsangaben ein Rahmenwerk zur Wiederöffnung der Straße von Hormus vereinbart — inklusive separater Korridore für Ein- und Ausfahrt und Gebühren zwischen drei und sieben Prozent des Ladungswerts. Ein Passierrecht für als feindlich eingestufte Schiffe, darunter US-Vessel, ist laut den Plänen zunächst ausgeschlossen, was in Washington kaum auf Zustimmung stoßen dürfte.

Hinzu kommen Angriffe der jemenitischen Huthi-Miliz auf saudische Öltanker im Roten Meer, die die Ölpreise zusätzlich stützen. Diese Gemengelage lässt Öl steigen und begrenzt damit indirekt das Aufwärtspotenzial von Gold, obwohl das Edelmetall gleichzeitig von der geopolitischen Risikoprämie profitiert.

Die Richtung dürfte sich am Nachmittag klären. Um 14.30 Uhr veröffentlicht das US-Arbeitsministerium den Juli-Bericht zum Arbeitsmarkt, Analysten erwarten eine Arbeitslosenrate von 4,2 Prozent und einen Anstieg der neu geschaffenen Stellen auf 80.000. Fällt der Bericht schwächer aus als erwartet, dürfte das die Zinserhöhungswetten weiter zurückfahren und Gold zusätzlichen Rückenwind verschaffen.

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