Gold: Ölkrise lässt Edelmetall fallen
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 21:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Goldpreis steht am Dienstag unter Beschuss – diesmal ist nicht die Fed-Rhetorik der Haupttreiber, sondern die eskalierende Lage am Golf. US-Angriffe auf eine Insel nahe der Straße von Hormuz und iranische Vergeltungsschläge gegen Ziele in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Jordanien haben die Ölpreise auf über 92 Dollar je Barrel (Brent) getrieben.
Nur noch fünf Frachtschiffe passierten zuletzt die Meerenge, üblich sind rund vierzehn im Zehn-Tage-Schnitt. Paradoxerweise profitiert davon nicht Gold als Krisenwährung, sondern der Dollar.
Aktuell notiert Gold bei 4.358,17 Dollar je Feinunze, nach einem Rückgang von 2,1 Prozent allein am heutigen Tag. Bereits gestern hatte der Preis mit 4.452,18 Dollar spürbar tiefer geschlossen als noch vor einer Woche – binnen sieben Tagen beläuft sich das Minus auf 6,5 Prozent.
Der Grund liegt in der ungewöhnlichen Konstellation: Steigende Ölpreise schüren Inflationssorgen, treiben aber zugleich die Anleiherenditen und den Dollar nach oben, weil Investoren eine noch härtere Fed-Reaktion einpreisen.
Renditen und Dollar drücken das Edelmetall
Die zehnjährige US-Rendite kletterte auf 4,79 Prozent, den höchsten Stand seit Januar 2025. Am Bondmarkt herrscht Nervosität: Auch die japanische Zehnjahresrendite erreichte erstmals seit 1996 die Marke von drei Prozent, während deutsche Bundesanleihen ein mehrjähriges Renditehoch markierten.
Ein starker Dollar und hohe Realzinsen sind traditionell Gift für den zinslosen Rohstoff Gold, unabhängig davon, wie stark geopolitische Risiken eigentlich für Sicherheit sprechen würden.
Analystin Dhwani Mehta von FXStreet sieht die Marke von 4.400 Dollar als entscheidendes Level für die weitere Richtung. Aus charttechnischer Sicht warnt eine Analyse von IG vor einem Fehlausbruch: Die Unterstützung bei 4.382 Dollar sei gebrochen, die 50-Tage-Linie verlaufe bei 4.342 Dollar, als nächstes Ziel werde eine Marke von 4.203 Dollar genannt.
Mit einem Abstand von 3,1 Prozent zum eigenen 50-Tage-Durchschnitt bewegt sich der aktuelle Kurs bereits in der Nähe dieser charttechnischen Schwelle.
US-Arbeitsmarktdaten als nächster Prüfstein
Die Marktteilnehmer richten den Blick nun auf eine Serie von US-Konjunkturdaten: JOLTS-Zahlen zu offenen Stellen, ADP-Beschäftigungsdaten und am Freitag der offizielle Arbeitsmarktbericht für August, für den Ökonomen zwischen 25.000 und 58.000 neue Stellen erwarten.
Die Wahrscheinlichkeit für eine Fed-Zinserhöhung im September wird von Marktteilnehmern aktuell zwischen 57 und 68 Prozent taxiert – schwächer als erwartete Jobdaten könnten diese Erwartung dämpfen und Gold Entlastung verschaffen, stärkere Daten dürften den Abwärtsdruck dagegen verschärfen.
Trotz der jüngsten Schwäche bleibt die mittelfristige Einordnung für Gold gemischt bis konstruktiv. Barclays rechnet mit zwei weiteren Zinsschritten der Fed im September und Dezember, was kurzfristig belastend wirken würde.
Auf der anderen Seite bekräftigt Goldman Sachs sein Kursziel von 4.900 Dollar bis Jahresende, gestützt auf anhaltend hohe Notenbank-Käufe, die zuletzt im Schnitt bei rund 50 Tonnen pro Monat gelegen haben sollen – deutlich über dem Niveau von vor 2022. Für Anleger bedeutet das: Der aktuelle Rücksetzer ist in erster Linie eine Reaktion auf Zinsen, Dollar und Öl – nicht zwingend eine Abkehr der langfristig treibenden Kräfte hinter dem Goldpreis.
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