GoPro Aktie: Verkäufe brechen ein
Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 00:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
GoPro hat für das zweite Quartal 2026 eine Zahl vorgelegt, die selbst pessimistische Schätzungen unterboten hat. Der Umsatz fiel um 31 Prozent auf 105 Millionen Dollar und blieb damit rund 46 Millionen Dollar unter der Konsensschätzung. Der Kurs reagierte prompt: Die Aktie verlor im regulären Handel 3,53 Prozent auf 0,70 Dollar und rutschte nachbörslich weiter auf 0,685 Dollar ab.
Damit notiert das Papier nahe der unteren Grenze seiner 52-Wochen-Spanne zwischen 0,59 und 3,05 Dollar. Auf Jahressicht steht ein Kursverlust von rund 46,6 Prozent, auf Sicht von drei Monaten von knapp 37 Prozent.
Verkaufszahlen brechen deutlich ein
Der eigentliche Kern des Problems liegt im Absatz. GoPro verkaufte im Quartal rund 291.000 Kameras — ein Rückgang von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Non-GAAP-Verlust je Aktie lag bei 0,21 Dollar, nach einem erwarteten kleinen Gewinn von 0,02 Dollar. Der GAAP-Nettoverlust summierte sich auf 51 Millionen Dollar, mehr als das Dreifache des Vorjahreswerts.
Die Bruttomarge sank von 35,8 auf 30,2 Prozent, obwohl Zollrückerstattungen von 19 Millionen Dollar das Ergebnis stützten — dem stand allerdings eine Sonderbelastung von 15 Millionen Dollar aus Komponentenverpflichtungen gegenüber. Unter dem Strich blieb ein deutlich schwächeres operatives Bild als im Vorjahresquartal.
Ein Lichtblick bleibt das Abo-Geschäft. Die Attach-Rate der GoPro-Subscription kletterte auf einen Rekordwert von 69 Prozent, verglichen mit 54 Prozent vor einem Jahr. Die Service-Umsätze wuchsen um 11 Prozent auf 29 Millionen Dollar und machten damit bereits 28 Prozent des Gesamtumsatzes aus.
Strategische Prüfung ohne Ausblick
GoPro hat seine Prognose für das laufende Jahr zurückgezogen — der Grund liegt in einem laufenden Überprüfungsprozess. Der Vorstand hatte im Mai einen möglichen Verkauf des Unternehmens sowie weitere strategische Alternativen zur Maximierung des Aktionärswerts eingeleitet. CEO Nicholas Woodman sprach von Interessenten aus dem Verteidigungs-, Konsum- und Finanzsektor und bezeichnete den Prozess als in einer späteren Phase befindlich. CFO Brian McGee wollte auf Nachfrage keine zusätzlichen Details zu Margen oder Absatzentwicklung für das zweite Halbjahr liefern.
Parallel zur Unsicherheit über die Unternehmenszukunft treibt GoPro sein Produktportfolio voran. Die MISSION-1-Serie kam im Mai auf den Markt und wird von Fachmedien positiv aufgenommen. Für September ist die MISSION 1 PRO ILS mit Wechselobjektiv-System angekündigt, dazu die zugehörige Mission-Monitor-App für iPhone und iPad. Woodman zeigte sich überzeugt, dass das Interesse professioneller Kreativer an dem neuen Kamerasystem GoPro neue Kundengruppen erschließen könnte — belastbare Verkaufszahlen dafür liegen bislang nicht vor.
Die Kombination aus einbrechenden Verkäufen, zurückgezogener Prognose und einem offenen Übernahmeprozess lässt die Aktie ohne klare Orientierungsmarke zurück. Bis der strategische Prüfungsprozess ein Ergebnis liefert, bleibt für Anleger vor allem die Frage im Raum, ob das starke Abo-Wachstum den schwachen Hardware-Absatz auf Dauer kompensieren kann.
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