Graphite, One

Graphite One Aktie: 1,4 Milliarden Dollar EXIM-Zusage für Ohio

Veröffentlicht am: 15.08.2026 um 11:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Graphite One treibt die Anodenfertigung in Ohio voran, während das Alaska-Projekt noch auf Genehmigungen wartet. EXIM-Finanzierungszusagen stützen die Strategie.

Graphite One: Ohio-Standort überzeugt, Alaska-Projekt wartet noch
Industrielle Bergbauanlage bei Sonnenaufgang als Symbol für Rohstoffgewinnung und Investitionsprojekte. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Graphite One baut derzeit an zwei Fronten gleichzeitig – und ausgerechnet der kleinere, weniger bekannte Standort in Conneaut, Ohio, überzeugt mich zunehmend mehr als das prestigeträchtige Flaggschiffprojekt Graphite Creek in Alaska. Das mag überraschen, ergibt sich für mich aber aus der Faktenlage der vergangenen Wochen.

Ohio liefert, während Alaska wartet

Die Ohio Environmental Protection Agency hat Mitte Juli bestätigt, dass der Antrag von Graphite One auf eine Luftgenehmigung für die geplante Active-Anode-Materials-Anlage in Conneaut vollständig ist und die technische Prüfung begonnen hat.

Zeitgleich vermeldete das Unternehmen, die synthetische AAM-Produktion solle im vierten Quartal 2027 anlaufen, während die natürliche Graphitproduktion am Standort Graphite Creek erst für 2029 anvisiert ist. Diese zeitliche Verschiebung ist aus meiner Sicht der eigentliche Knackpunkt der Investmentstory: Ohio liefert absehbare Meilensteine, Alaska bleibt vorerst Zukunftsmusik.

Ende Juni hatte Graphite One zudem den Industriestandort in Conneaut mit direktem Bahnanschluss über CN, Zugang zu den Großen Seen und bereits vorhandener Hochleistungs-Stromversorgung gesichert.

Geotechnische Bohrungen sind abgeschlossen, die Umweltprüfung läuft mit Zielabschluss im ersten Quartal 2027. Parallel dazu unterzeichnete das Unternehmen einen Ingenieurvertrag mit einer führenden Engineering-Firma für Anodenfertigungsanlagen, um bis zum vierten Quartal 2028 eine heimische synthetische Graphitkapazität von 25.000 Tonnen pro Jahr aufzubauen. Für mich liest sich das wie ein Projekt mit klarem Fahrplan – etwas, das man von Graphite Creek in dieser Konkretheit bislang nicht sagen kann.

Die Finanzierungszusagen bleiben der Trumpf

Was die Investmentthese insgesamt trägt, ist die außergewöhnliche Unterstützung durch die US-Exportkreditbehörde EXIM. Sie hat ihre Absichtserklärung für Graphite Creek auf 670 Millionen Dollar aufgestockt und für die Ohio-Anlage sogar auf 1,4 Milliarden Dollar mit 15-jähriger Laufzeit im Rahmen der „Make More in America“-Initiative.

EXIM würde damit rund 70 Prozent des gesamten Kapitalbedarfs übernehmen. Der Ohio-Plan sieht eine gestufte Produktion von bis zu 100.000 Tonnen Anodenaktivmaterial jährlich vor.

Graphite One will die formellen EXIM-Anträge im laufenden Jahr einreichen. Wer mich fragt: Diese Größenordnung an staatlich flankierter Fremdfinanzierung relativiert für mich einen guten Teil des operativen Risikos – vorausgesetzt, die Anträge werden tatsächlich bewilligt.

Graphite Creek selbst läuft unterdessen im FAST-41-Bundesverfahren weiter, mit einem projizierten föderalen Entscheidungstermin am 29. September 2026. Der U.S. Army Corps of Engineers führt die Prüfungen, laut Dashboard des Bundesprogramms als „in Bearbeitung“ geführt. Das ist ein wichtiger Termin, aber eben auch nur ein Zwischenschritt in einem Verfahren, das sich naturgemäß hinziehen kann.

Kursbild spiegelt die Nervosität

An der Börse zeigt sich diese Gemengelage in erratischen Ausschlägen. Am Freitag legte die Aktie um 6,1 Prozent zu und schloss bei 0,5890 Euro, nach einem Kursgewinn von 17 Prozent auf Monatssicht.

Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 53 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, wie sehr das Papier zwischen Hoffnung auf Finanzierungszusagen und der Realität eines Projekts im Frühstadium pendelt. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 29 Prozent nach unten zeigt, dass das mittelfristige Bild trotz der jüngsten Erholung angeschlagen bleibt.

Unterm Strich überwiegen für mich derzeit die Chancen, sofern man den langen Atem mitbringt, den ein Projekt dieser Größenordnung erfordert. Ohio liefert konkrete, überprüfbare Fortschritte mit klaren Terminen bis 2027 und 2028. Die EXIM-Zusagen in Milliardenhöhe signalisieren strategisches Interesse auf höchster Ebene der US-Rohstoffpolitik.

Graphite Creek bleibt der größere Hebel, aber auch die größere Unsicherheit – der September-Termin im FAST-41-Verfahren wird zeigen, ob sich das Blatt dort ebenfalls konkretisiert. Bis dahin bleibt die Aktie ein Wette auf Genehmigungen, nicht auf Produktion.

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