Hermes Aktie: Berenberg stuft auf Halten ab
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 03:28 Uhr | Redaktion boerse-global.deBerenberg stellt bei Hermès den bisherigen Bewertungsvorsprung infrage. Die Bank senkte ihre Empfehlung gestern von „Kaufen“ auf „Halten“. Ausschlaggebend ist nicht allein die schwache Nachfrage in China: Der Wachstumsvorsprung gegenüber Wettbewerbern schrumpft, während die Kosten weiter steigen. Damit wird die Frage wichtiger, welchen Bewertungsaufschlag Anleger noch bezahlen sollten.
Das Kursziel reduzierte Berenberg von 1.850 auf 1.230 Euro. Die neue Zielmarke basiert auf dem 23-Fachen des erwarteten Gewinns. Dahinter steht eine vorsichtigere Einschätzung der künftigen Geschäftsdynamik, nicht nur eine Reaktion auf den jüngsten Quartalsbericht.
Der Abstand zur Konkurrenz schrumpft
Besonders deutlich zeigt sich die Veränderung in Amerika. Dort lag der Wachstumsvorsprung gegenüber LVMH laut Berenberg zuletzt bei vier Prozentpunkten. Zwischen dem ersten Quartal 2024 und dem ersten Quartal 2026 hatte er im Durchschnitt 13 Prozentpunkte betragen.
Hermès wächst damit weiterhin schneller als der Wettbewerber. Für die Bewertung zählt allerdings auch, wie groß und wie verlässlich dieser Vorsprung ist. Berenbergs Herabstufung setzt genau hier an: Die Bank sieht weniger Abstand zur Konkurrenz und korrigiert ihre längerfristigen Erwartungen.
Für 2027 und 2028 rechnet Berenberg jeweils mit sechs Prozent währungsbereinigtem Umsatzwachstum. Damit senkt das Haus seine bisherigen Wachstumsannahmen für beide Jahre um ein bis zwei Prozentpunkte.
Die Anpassung betrifft auch die Ertragskraft. Weniger Wachstum lässt weniger Spielraum, um höhere Kosten aufzufangen. Nach Angaben von Finanzchef Eric du Halgouët benötigt Hermès fünf Prozent nominales Umsatzwachstum, um die Kosteninflation auszugleichen.
Berenberg reduzierte die Prognosen für den operativen Gewinn der beiden Folgejahre entsprechend um 1,9 beziehungsweise 4,1 Prozent. Die stärkere Korrektur für das spätere Jahr verdeutlicht, dass die vorsichtigere Einschätzung über eine kurzfristige Nachfragedelle hinausgeht.
Niedrigere Bewertung ist keine Entwarnung
Zusätzlichen Druck erzeugt die Entwicklung in China. Laut Bloomberg sanken die Verkäufe von Hermès auf dem chinesischen Festland im August und September gegenüber dem Vorjahr um bis zu zweistellige Prozentsätze. Branchenmanager befürchten, dass die Schwäche bis 2027 anhalten könnte.
Du Halgouët bezeichnete China als besonders schwierig. Hermès will dort dennoch weiter investieren. Für Anleger stehen damit eine belastete kurzfristige Nachfrage und das langfristige Engagement des Unternehmens nebeneinander.
Bloomberg zufolge wird Hermès inzwischen mit rund dem 27-Fachen der erwarteten Gewinne bewertet. Nach der Pandemie hatte der Höchstwert bei etwa dem 70-Fachen gelegen. Der Bewertungsrückgang ist erheblich, beantwortet aber nicht automatisch die Frage nach einem günstigen Einstieg.
Entscheidend bleibt, ob Hermès seinen Wachstumsvorsprung stabilisieren und zugleich die Kostensteigerungen auffangen kann. Berenbergs neue Einschätzung fällt vorsichtig aus: Das Unternehmen wächst weiter, doch die Bank traut ihm weniger Dynamik und damit weniger Rechtfertigung für einen hohen Bewertungsaufschlag zu.
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