Museumszentrum, Vapriikki

Museumszentrum Vapriikki: Historische DNA offenbart 800 Jahre alte Familienbande im mittelalterlichen Finnland

07.08.2025 - 21:42:40

Im Rahmen von Forschungsarbeiten an historischer DNA, die das Museumszentrum Vapriikki in Tampere, Finnland, in Zusammenarbeit mit den UniversitĂ€ten von Turku und Helsinki durchfĂŒhrte, konnten neue Erkenntnisse in Bezug auf Verwandtschaftsbeziehungen, Gesundheit und Fortbestand der Bevölkerung im Finnland des Mittelalters und der frĂŒhen Neuzeit gewonnen werden. Die in der Fachzeitschrift mit Peer-Review iScience veröffentlichten Forschungsergebnisse basieren auf 25 menschlichen Individuen in Finnland, was fĂŒr ein Land, in dem saure Böden oft zu einer schlechten Konservierung von Knochen und genetischem Material fĂŒhren, von enormer Bedeutung ist.

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The woman’s grave in Vilusenharju, Tampere was discovered in 1962, and the man’s grave in RistiĂ€nmĂ€ki, PĂ€lkĂ€ne in 1982. Ancient DNA research has now revealed that the deceased were siblings. Illustrations by Veronika Paschenko. Photo by Vapriikki.

Den Forschern gelang es, die DNA von zwischen dem 12. und 19. Jahrhundert auf drei Friedhöfen in der Region Tampere bestatteten Personen zu sichern. Die Studie ist Teil des Forschungsprojekts des Vapriikki, das wissenschaftliche Methoden anwendet, um die Geschichte der Region zu erforschen.

Familienbande und genetische KontinuitÀt

Eines der Studienergebnisse war die Entdeckung von Vollgeschwistern, die 30 Kilometer voneinander entfernt bestattet wurden. Eine in Tampere begrabene Frau und ein in PÀlkÀne begrabener Mann, die beide im 12. Jahrhundert lebten, konnten als Schwester und Bruder bestÀtigt werden.

„Dies ist ein konkreter Beleg fĂŒr familiĂ€re Verbindungen zwischen verschiedenen Gemeinschaften“, so Dr. Ulla Nordfors, Forscherin am Vapriikki.

Vergleiche mit ĂŒber 4.000 neuzeitlichen finnischen Genomen aus der Biobank des Finnischen Instituts fĂŒr Gesundheit und Wohlfahrt ergaben, dass die historischen Individuen aus der Region Tampere die engste genetische Verwandtschaft mit heute in derselben Region lebenden Menschen aufweisen.

„Diese Ergebnisse weisen auf ein erstaunliches Maß an genetischer KontinuitĂ€t in der Region seit mindestens dem frĂŒhen Mittelalter hin“, so Sanni Peltola, Doktorandin an der UniversitĂ€t Helsinki.

Außerdem wurden weitere genetische Verbindungen zwischen finnischen Individuen und bereits veröffentlichten historischen Genomen aus Skandinavien und der Ladogasee-Region entdeckt, was Hinweise auf MobilitĂ€t und kulturelle Kontakte zur Wikingerzeit und darĂŒber hinaus liefert.

„Auch wenn es sich um einen relativ kleinen Datensatz handelt, belegen die Ergebnisse eindeutig, dass das mittelalterliche Finnland keineswegs isoliert war“, stellt Peltola fest. „Es war Teil eines grĂ¶ĂŸeren Netzwerks von Interaktionen, die Nordeuropa geprĂ€gt haben.“

Informationen zu Gesundheit und Merkmalen

Bei der Analyse konnte auch mikrobielle DNA sichergestellt werden, die RĂŒckschlĂŒsse auf die Gesundheit der Bevölkerung in der Vergangenheit zulĂ€sst. Die im Zahnstein aus dem 13. Jahrhundert gefundenen Bakterien umfassten Arten, die sowohl auf die orale als auch auf die systemische Gesundheit Einfluss haben. Die DNA eines Mannes aus dem Postmittelalter wies Treponema auf, eine Bakteriengattung, die den Syphiliserreger enthĂ€lt.

Zudem wurden Erbmerkmale entdeckt. Die meisten Individuen hatten, wie die heute lebenden Finnen, eine Laktosetoleranz, und ein Mann aus dem 12. Jahrhundert litt wahrscheinlich an Hornhautdystrophie, einer degenerativen Augenkrankheit, die sein Sehvermögen beeintrÀchtigt haben könnte.

„Anhand von Genen lĂ€sst sich nicht die gesamte KomplexitĂ€t einer Person und ihres Lebens erfassen, aber Informationen ĂŒber den Gesundheitszustand, bestimmte Merkmale und Familienbande können uns helfen, Menschen aus frĂŒheren Epochen als Individuen zu sehen, die einmal gelebt, gefĂŒhlt und die Welt erlebt haben“, so Nordfors. „In einem archĂ€ologischen und historischen Kontext interpretiert, erlauben uns diese Details, uns der Vergangenheit auf einer menschlicheren Ebene zu nĂ€hern.“

ArchÀogenetik offenbart prÀzise genetische KontinuitÀt sowie Verwandtschafts- und Gesundheitsmuster im mittelalterlichen Finnland: iScience

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