Intel Aktie: 11-Milliarden-Dollar-Verlust bei Rekordumsatz
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 20:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Es ist eine Geschichte, die zeigt, wie widersprĂŒchlich der Chip-Boom sein kann: Ein Unternehmen meldet das schnellste Umsatzwachstum seit 15 Jahren â und rutscht trotzdem tief in die roten Zahlen. Intel hat genau das im Sommer erlebt, und die Aktie hat seither eine Achterbahnfahrt hinter sich, die auch erfahrene Anleger ins GrĂŒbeln bringt. Wie viel VolatilitĂ€t vertrĂ€gt ein Turnaround-Kandidat, der binnen eines Jahres vom Sanierungsfall zu einem der auffĂ€lligsten Kursgewinner des breiten Marktes wurde? Seit Jahresbeginn steht bei Intel ein Plus von 179,36 Prozent, dennoch notiert das Papier aktuell mit 87,72 Euro rund 29,6 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch.
Rekordumsatz, Rekordverlust
Der Auslöser der jĂŒngsten Kursturbulenzen liegt gut zwei Wochen zurĂŒck. Intel meldete fĂŒr das zweite Quartal einen Umsatz von mehr als 16 Milliarden Dollar, ein Plus von 25 Prozent zum Vorjahr und das krĂ€ftigste Wachstum seit 2011. Gleichzeitig wies der Konzern nach US-Bilanzstandard GAAP einen Nettoverlust von 11 Milliarden Dollar aus, umgerechnet 2,16 Dollar je Aktie. Der Grund war kein operativer Einbruch, sondern ein bilanzieller Effekt: Ein Bewertungsverlust von 12,5 Milliarden Dollar auf Aktien, die im Rahmen der CHIPS-Act-Vereinbarung mit der US-Regierung auf einem Treuhandkonto liegen, verzerrte das Ergebnis. Auf bereinigter Basis verdiente Intel dagegen 0,42 Dollar pro Aktie. FĂŒr das dritte Quartal stellte der Konzern einen Umsatz zwischen 15,8 und 16,8 Milliarden Dollar sowie einen bereinigten Gewinn von 0,38 Dollar je Aktie in Aussicht â erwartet flache PC-VerkĂ€ufe wegen eines Speicherengpasses inklusive.
KapazitÀtsengpass als Symbol des Booms
Spannender als die Bilanzkosmetik ist, was hinter den operativen Zahlen steckt. Das RechenzentrumsgeschĂ€ft wuchs um 59 Prozent auf 6,3 Milliarden Dollar, die Sparte fĂŒr PC-Chips um 13 Prozent auf 8,9 Milliarden Dollar. Intel berichtete zudem, im AuftragsfertigungsgeschĂ€ft zehn langfristige KundenvertrĂ€ge unterschrieben zu haben und im Rechenzentrumssegment inzwischen kapazitĂ€tsbeschrĂ€nkt zu sein â ein Problem, das der Konzern seit Jahren nicht mehr hatte. Zu den genannten Foundry- und Packaging-Partnern zĂ€hlen Google, Nvidia, Tesla und Apple. Im Fall von Apple bleibt die Kooperation freilich begrenzt: Der iPhone-Konzern setzt Intels 18A-P-Prozess bislang nur fĂŒr Chips im unteren Segment ein, wĂ€hrend TSMC weiterhin mehr als 90 Prozent der Fertigung ĂŒbernimmt. Der KapazitĂ€tsengpass ist damit auch ein Sinnbild fĂŒr den gröĂeren Trend: Die Nachfrage nach KI-Rechenleistung wĂ€chst schneller, als selbst gestandene Chiphersteller liefern können.
Kursachterbahn zwischen Samsung-Schock und SoftBank-Gewinn
Trotz starker operativer Zahlen ging es fĂŒr die Aktie danach abwĂ€rts. Ende Juli zog eine breite SchwĂ€che im Halbleitersektor auch Intel mit nach unten, Anfang August verstĂ€rkten enttĂ€uschende vorlĂ€ufige Zahlen von Samsung die Verkaufswelle bei Chip-Werten mit PC- und Serverbezug zusĂ€tzlich. Neue US-Zölle von 10 bis 12,5 Prozent auf Importe aus 60 LĂ€ndern verschĂ€rften die NervositĂ€t weiter, Medienberichten zufolge verlor die Aktie an einzelnen Handelstagen zeitweise rund 9 bis 10 Prozent. Auf der anderen Seite sorgte der japanische Investor SoftBank fĂŒr positive Schlagzeilen: Der Konzern wies zuletzt einen Buchgewinn von 1,3 Billionen Yen, umgerechnet 8,2 Milliarden Dollar, aus seiner Intel-Beteiligung aus â SoftBank war vor rund einem Jahr mit 2 Milliarden Dollar zu 23 Dollar je Aktie eingestiegen. Zusammen mit starken Berichten von Microsoft, Micron und Amazon trug das dazu bei, dass sich Intel im US-Handel zuletzt wieder in Richtung der 100-Dollar-Marke stabilisierte, auch wenn der kostspielige Konzernumbau und das schwĂ€chelnde Foundry-GeschĂ€ft die Euphorie dĂ€mpfen. Der jĂŒngste Erholungsversuch spiegelt sich auch in den europĂ€ischen Notierungen: Binnen sieben Handelstagen legte die Aktie um 12,19 Prozent zu.
Analysten uneins, Stellenabbau voraus
Die Analystenlager sind entsprechend gespalten. Ende Juli hob Rosenblatt sein Kursziel zwar von 65 auf 80 Dollar an, verwies dabei auf einen soliden Zahlenausweis angesichts der KI-getriebenen KapazitĂ€tsgrenzen â belieĂ die Einstufung aber bei Sell. BofA Securities bekrĂ€ftigte zur selben Zeit eine Buy-EinschĂ€tzung mit Kursziel 160 Dollar und lobte die Fortschritte im Foundry-GeschĂ€ft. Automatisierte Bewertungsmodelle wie jenes von Simply Wall St hoben ihre faire WertschĂ€tzung nach den Zahlen ebenfalls deutlich an. Operativ bleibt der Konzern derweil im Umbaumodus: Vergangene Woche bestĂ€tigte Intel eine neue Entlassungsrunde in der Data-Center- und KI-Sparte. Laut Medienberichten sollen 103 Stellen an vier Standorten in der Bay Area wegfallen, die gröĂte Reduktion mit 67 Positionen trifft die Anlage SC-12, weitere folgen am Hauptsitz im Robert-Noyce-GebĂ€ude. Die KĂŒndigungen sollen am 15. August wirksam werden â ein Termin, der zeigt, dass der Sparkurs parallel zum KapazitĂ€tsengpass weiterlĂ€uft.
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