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Kohl's Aktie: Der Zoll-Bonus trügt

Veröffentlicht am: 27.08.2026 um 01:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kohl's verfehlt Umsatzerwartungen trotz Gewinnsprung. Zollrückerstattungen von 150 Mio. Dollar täuschen über schwaches operatives Geschäft hinweg.

Kohl's Aktie: Zollrückerstattungen verzerren starken Gewinnsprung
Moderne Ladenfassade in kühlem Morgenlicht als Symbol für den Einzelhandel und wirtschaftliche Unsicherheit. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ein Gewinnsprung von 124,6 Prozent gegenüber der Analystenschätzung klingt nach einem klaren Erfolg. Die Aktie reagierte trotzdem mit einem Kursrückgang von rund 7 Prozent im vorbörslichen Handel. Der Grund: Ein Großteil des Gewinns stammt nicht aus dem operativen Geschäft, sondern aus Zollrückerstattungen.

Woher der Gewinn wirklich kommt

Kohl's meldete für das zweite Quartal einen adjustierten Gewinn pro Aktie von 1,28 Dollar, deutlich über der Konsensschätzung von 0,57 Dollar. Der Umsatz verfehlte mit 3,32 Milliarden Dollar jedoch die Erwartungen von 3,4 Milliarden Dollar und sank im Jahresvergleich um 0,9 Prozent. Die vergleichbaren Verkäufe gaben ebenfalls um 0,9 Prozent nach.

Die Bruttomarge kletterte von 39,9 auf 43,0 Prozent — ein Sprung von 305 Basispunkten. Rund 100 Millionen Dollar dieser Verbesserung stammen jedoch aus IEEPA-Zollrückerstattungen, die direkt in die Kostenrechnung einflossen. Insgesamt erhielt das Unternehmen im Quartal etwa 150 Millionen Dollar an solchen Rückerstattungen. Rechnet man diesen Effekt heraus, bleibt von der viel gefeierten Margenexpansion deutlich weniger übrig.

Das Management hob die Jahresprognose für den adjustierten Gewinn pro Aktie auf eine Spanne von 1,80 bis 2,40 Dollar an, von zuvor 1,00 bis 1,60 Dollar. Davon entfallen jedoch 0,65 Dollar je Aktie auf die Zollrückerstattungen — die organische Ertragskraft liegt also spürbar niedriger, als die Schlagzeile suggeriert.

Lichtblicke im operativen Geschäft

Nicht alles an den Zahlen ist Kosmetik. Das Marketplace-Geschäft mit Drittanbietern wuchs im Quartal um 88 Prozent und trug 65 Basispunkte zu den vergleichbaren Verkäufen bei — ein margenstarkes Modell ohne eigenes Lagerrisiko. Auch die Eigenmarken entwickelten sich mit einem Plus von 3 Prozent solide, angetrieben von Jugendmode und Spielwaren mit zweistelligen Zuwachsraten.

Die Kohl's-Kreditkarte zeigt nach anhaltenden Rückgängen erstmals wieder ein Plus von 1,0 Prozent bei den Kartenumsätzen — ein Signal, da diese Kundengruppe historisch überdurchschnittlich ausgibt.

Die Bilanz wirkt zudem robuster: Die Barmittel stiegen auf 821 Millionen Dollar, die langfristigen Schulden erreichten ihren niedrigsten Stand seit 2007. Erstmals seit 2022 kündigte das Unternehmen zudem ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 100 Millionen Dollar für 2026 an.

Schwächer zeigt sich dagegen die Partnerschaft mit Sephora, deren Umsatz um 4 Prozent sank, während Schlüsselmarken ihre Präsenz zunehmend auf Ulta und Target ausweiten. Auch Damenbekleidung, weiterhin die größte Kategorie im Sortiment, verlor 1,5 Prozent.

Skeptische Analysten bleiben skeptisch

JPMorgan bestätigte sein "Underweight"-Rating mit einem Kursziel von 17 Dollar, Morgan Stanley und Bank of America äußerten sich ebenfalls negativ. Der Umsatz ist in den vergangenen drei Jahren von 17,5 auf 15,5 Milliarden Dollar gesunken, der Konsens erwartet bis 2029 kaum Wachstum.

Für das dritte Quartal, das im Oktober berichtet wird, liegt die Erwartung bei 0,05 Dollar Gewinn pro Aktie und 3,39 Milliarden Dollar Umsatz — ein erster Test, ob sich die Rückenwind-Effekte aus den Zollrückerstattungen auch im Weihnachtsquartal fortsetzen. Erst wenn die vergleichbaren Verkäufe ohne diese Sonderfaktoren dauerhaft ins Plus drehen, dürfte der Markt seine Skepsis gegenüber der Aktie überdenken.

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