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Kraken Robotics Aktie: RBC startet Coverage

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 12:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

RBC startet die Bewertung von Kraken Robotics mit 6,00 kanadischen Dollar. Quartalszahlen und Covelya-Integration bremsen jedoch das Vertrauen.

Kraken Robotics: RBC sieht Potenzial trotz anhaltender Börsenskepsis
Hochmoderne maritime Robotik-Technologie in einer industriellen Umgebung mit atmosphärischer Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt.

Ein neuer Analyst hat sich zu Kraken Robotics geäußert – und ausgerechnet diese Einschätzung zeigt, wie weit sich die Erwartungshaltung inzwischen von der Kursrealität entfernt hat.

Royal Bank Of Canada nahm die Coverage am Dienstag mit einem Kursziel von 6,00 kanadischen Dollar und dem Rating „Outperform" auf. Klingt nach Rückenwind. Für mich ist es vor allem eines: ein Beleg dafür, wie groß die Kluft zwischen professioneller Zuversicht und der Stimmung an der Börse geworden ist.

Ein Kursziel, das den Kurs Lügen straft

Die Aktie notiert aktuell bei 2,78 Euro, nach einem Minus von 0,9 Prozent im heutigen Handel. Das RBC-Kursziel liegt also weit über dem, was der Markt derzeit bereit ist zu zahlen. Solche Diskrepanzen sind nicht ungewöhnlich, wenn Analysten auf mittelfristiges Potenzial setzen – aber sie zeigen auch, dass die Skepsis der Anleger tief sitzt.

Der RSI von 29,5 signalisiert eine überverkaufte Aktie, und mit einem Abstand von 38 Prozent zum 200-Tage-Durchschnitt befindet sich das Papier in einem technisch angeschlagenen Zustand. Wer glaubt, dass sich das allein durch eine neue Analystenstimme dreht, unterschätzt meiner Ansicht nach, wie stark das Vertrauen gelitten hat.

Dieses Vertrauen wurde in den vergangenen Wochen mehrfach erschüttert. Ende August senkten mehrere Häuser ihre Kursziele deutlich: Desjardins reduzierte von 13,50 auf 13,00 kanadische Dollar, Raymond James Financial kappte sein Ziel sogar von 11,00 auf 8,00 kanadische Dollar – beides am 28. August.

Immerhin hob ATB Cormark Capital Markets die Aktie am selben Tag von „Strong Sell" auf „Hold" an, was zumindest eine Stabilisierung der Einschätzung andeutet. Doch die Summe dieser Bewegungen zeigt: Der Optimismus rund um die Covelya-Übernahme, der die Prognoseanhebung im Sommer begleitete, ist einer nüchterneren Betrachtung gewichen.

Zwischen Integrationsrisiko und operativer Substanz

Der Auslöser für die jüngste Serie von Kurskorrekturen war der Quartalsbericht zum zweiten Quartal 2026, veröffentlicht am 27. August. Auf eigenständiger Basis – also ohne Covelya, die erst am 2. Juli abgeschlossen wurde – erzielte Kraken einen Umsatz von 27,3 Millionen US-Dollar und ein bereinigtes EBITDA von 5,0 Millionen US-Dollar. Das ist solide, aber eben auch nicht spektakulär.

Belastend kamen eine Stornierung von 1,5 Millionen kanadischen Dollar bei zuvor verbuchten Produktumsätzen sowie eine Rückstellung von 7,5 Millionen kanadischen Dollar für ein Schiedsverfahren rund um einen Lieferantenvertrag aus dem Jahr 2017 hinzu.

Für mich ist genau das der Punkt, an dem Anleger genauer hinschauen sollten: Es sind nicht die großen strategischen Linien, die aktuell Sorgen bereiten, sondern die kleinteiligen operativen Reibungsverluste.

Medienberichten zufolge sehen Investoren vor allem Integrationsrisiken bei der Covelya-Übernahme als Belastungsfaktor, gepaart mit dem als moderat empfundenen Wachstum im zweiten Quartal. Das deckt sich mit meiner Lesart: Die Aktie leidet weniger unter einem fundamentalen Bruch als unter einer Vertrauenskrise, die sich in der allgemeinen Bewertungskompression bei Technologiewerten im Verteidigungssektor spiegelt – ein Trend, den auch The Motley Fool Anfang September beschrieben hat.

Auf der positiven Seite steht die personelle Aufstellung: Mit Joanne Roberts als neuer Executive Vice President für Systems & Services, die ab Oktober von Großbritannien aus an Präsident Bernard Mills berichtet, stärkt Kraken sein Managementteam mit Erfahrung aus der Rüstungsbranche.

Auch die 35 Millionen US-Dollar an neuen Produktaufträgen aus maritimer Verteidigung, Offshore-Energie und Ozeanwissenschaft, verkündet im Juli, zeigen, dass die operative Nachfrage nicht eingebrochen ist.

Mein Fazit

Unterm Strich sehe ich bei Kraken Robotics ein Unternehmen, das operativ nicht schlecht dasteht, dessen Bewertung aber unter die Räder eines skeptischen Marktumfelds geraten ist.

Das RBC-Kursziel spricht für erhebliches Aufholpotenzial – doch solange die Integration von Covelya nicht sauber nachgewiesen ist und das Schiedsverfahren nicht geklärt wurde, dürfte die Skepsis der Anleger die Oberhand behalten. Die Chancen für eine Erholung bestehen, aber sie hängen an der Umsetzung, nicht an Kurszielen auf dem Papier.

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