Lufthansa, Aktie

Lufthansa Aktie: Altersgrenze fĂŒr VorstĂ€nde fĂ€llt

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 21:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Aufsichtsrat erlaubt Vorstandsmitgliedern ĂŒber 60 hinaus im Amt zu bleiben; Kerosinkosten und Sanierungsbedarf belasten den Konzern.

Weißes Passagierflugzeug beim Start in goldenes Abendlicht auf einer Landebahn
Fotorealistisches Stockbild fĂŒr Deutsche Lufthansa AG (ISIN DE0008232125): Ein generisches, ungebrandetes Verkehrsflugzeug beim Start in warmem goldenem Abendlicht auf einer langen Landebahn, dramatischer Sonnenuntergang im Hintergrund Illustration mit AI erstellt.

Der Aufsichtsrat der Deutschen Lufthansa hat eine langjĂ€hrige Konzernregel abgeschafft: Die bisher weitgehend starre Altersgrenze fĂŒr FĂŒhrungskrĂ€fte fĂ€llt mit sofortiger Wirkung weg. Vorstandsmitglieder dĂŒrfen kĂŒnftig auch ĂŒber ihr 60. Lebensjahr hinaus im Amt bleiben.

Aufsichtsratschef Johannes Teyssen begrĂŒndete den Beschluss damit, dass solche festen Marken aus der Zeit gefallen seien und aus einer von Piloten geprĂ€gten Unternehmenskultur stammten. WĂ€hrend bei Piloten harte Altersgrenzen aus SicherheitsgrĂŒnden bestehen bleiben, soll bei VorstandsvertrĂ€gen nach deren Ablauf nun individuell verhandelt werden.

Die Entscheidung hat unmittelbare personelle Relevanz an der Konzernspitze. Vorstandschef Carsten Spohr, dessen Vertrag bis 2028 lĂ€uft, vollendet im Dezember sein 60. Lebensjahr und könnte nun theoretisch ĂŒber die aktuelle Laufzeit hinaus verlĂ€ngern.

Eine Tragweite ergibt sich auch fĂŒr Technik-VorstĂ€ndin Grazia Vittadini, deren Mandat jĂŒngst nur um drei Jahre verlĂ€ngert worden war, da sie wĂ€hrend der Amtszeit das 60. Lebensjahr erreicht. KĂŒnftig ermöglicht die geĂ€nderte Regelung auch in solchen Konstellationen flexiblere Vertragslaufzeiten.

Druck auf operative Margen und Turnaround-PlÀne

Der personelle Umbau fĂ€llt in eine Phase spĂŒrbaren Restrukturierungsbedarfs. Teyssen hatte zuletzt in internen Äußerungen gemahnt, der Konzern sei zu deutsch geprĂ€gt und verliere im Vergleich zur internationalen Konkurrenz an Boden.

Wettbewerber schnitten deutlich profitabler ab: Air France-KLM verbuchte eine operative Marge von ĂŒber fĂŒnf Prozent, die Holding IAG mehr als zehn Prozent. Vor allem die Kernmarke Lufthansa gilt im Konzernverbund als ertragsschwach.

Um die ProfitabilitĂ€t wiederherzustellen, lĂ€uft das Sanierungsprogramm Turnaround, das bis 2028 Einsparungen in Höhe von 2,5 Milliarden Euro vorsieht. Vorstandschef Spohr sah das Programm zuletzt im Plan, doch der Aufsichtsratsvorsitzende schloss darĂŒber hinausgehende Anstrengungen nicht aus.

Zugleich fordert der Konzern ĂŒber ein Lobbyrundschreiben staatliche Subventionen fĂŒr ZubringerflĂŒge im Inland ĂŒber europĂ€ische PSO-Verordnungen (Public Service Obligations), da hohe Standortkosten Verbindungen wirtschaftlich fragil machten.

Treibstoffpreise belasten den Ausblick

Zu den internen Baustellen kommt der Gegenwind von den RohstoffmĂ€rkten. Analyst Alex Irving vom Analysehaus Bernstein Research bestĂ€tigte die Einstufung fĂŒr die Aktie mit „Market-Perform“ und einem Kursziel von 9,00 Euro.

Aus Sicht des Analysten stellen die Kerosinpreise derzeit das bestimmende Risiko fĂŒr die gesamte Luftfahrtbranche dar.

Geplante KapazitĂ€tseinschrĂ€nkungen wĂ€hrend der anstehenden Wintermonate dĂŒrften Irving zufolge kaum ausreichen, um saisonale Verluste gĂ€nzlich abzuwenden.

WÀhrend schwÀcher finanzierte Fluggesellschaften dadurch unter existenziellen Druck geraten könnten, stehe den krisenfesten Marktteilnehmern nach einer Bereinigung zwar eine verbesserte Marktstruktur in Aussicht, zunÀchst bleibe das Branchenumfeld jedoch strapaziös.

Am Aktienmarkt spiegeln sich diese Belastungsfaktoren wider: Das Lufthansa-Papier verliert heute 1,1 Prozent auf 7,62 Euro und notiert damit unter seinem 200-Tage-Durchschnitt von 8,39 Euro.

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