Mercedes-Benz, Aktie

Mercedes-Benz Aktie: Exane stuft auf Underperform

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 01:29 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Elektroautoabsatz und Rückkäufe stützen Mercedes-Benz, während Margendruck und Arbeitskonflikte die Aktie belasten.

Aquarellbild der Stuttgarter Skyline bei Sonnenuntergang
Aquarellmalerei zeigt die Stuttgarter Skyline, Standort der Mercedes-Benz Group AG (DE0007100000), im Abendlicht Illustration mit AI erstellt.

Nervöser Handel nahe dem Jahrestief

Die Aktie von Mercedes-Benz verharrt nach monatelangen Kursverlusten in einer prekären Lage. Mit einem aktuellen Kurs von 39,70 Euro konnte sich das Papier zwar am heutigen Freitag um 1,2 Prozent leicht stabilisieren, notiert damit jedoch weiterhin in direkter Reichweite des am Vortag markierten 52-Wochen-Tiefs von 38,90 Euro. Für Anleger spitzt sich die Lage damit dramatisch zu, denn die verbleibende Spanne bis zur nächsten harten Bewährungsprobe wird immer schmaler.

Die Nervosität im Handel spiegelt die wachsende Unsicherheit wider, die den Stuttgarter Konzern derzeit umgibt. Während das Management an Effizienzmaßnahmen arbeitet und ein laufendes Aktienrückkaufprogramm den Kurs stützen soll, belasten schwelende Konflikte mit der Arbeitnehmerseite das Sentiment.

Betriebsratschef Ergun Lümali wies die Verantwortung der Beschäftigten für die aktuellen Probleme zurück, signalisierte zugleich aber Kompromissbereitschaft im Streit um mögliche Werksschließungen. Vor diesem Hintergrund stehen Investoren vor der Gretchenfrage, ob das gedrückte Bewertungsniveau eine Einstiegschance markiert oder ob vor dem anstehenden Zwischenbericht weitere Risiken lauern.

Die operative Rendite entscheidet über den Kursverlauf

Im Zentrum der Debatte steht eine einzige fundamentale Kennzahl: die bereinigte operative Marge im Pkw-Geschäft. Bei Deutsche Bank Research rechnet Analyst Tim Rokossa damit, dass die Pkw-EBIT-Marge im anstehenden Zahlenwerk unter der konzerneigenen Zielspanne von 3 bis 5 Prozent liegen dürfte.

Als wesentliche Treiber dieses Margendrucks nannte der Experte das schwierige Marktumfeld in China, die aktuelle Modellzusammensetzung sowie spürbar höhere Rohstoffkosten.

Die Profitabilität ist der zentrale Hebel für das Vertrauen des Kapitalmarkts. Sollte sich die Marge tatsächlich nachhaltig am unteren Ende oder gar unterhalb der kommunizierten Zielspanne festsetzen, gerät das gesamte Bewertungsgefüge der Aktie ins Wanken.

Der Stuttgarter Konzern lebte in den vergangenen Jahren von der Prämie einer erfolgreichen Luxusstrategie, die hohe Verkaufspreise und zweistellige Renditen versprach. Bricht dieser Ertragspfeiler im Pkw-Kerngeschäft weg, verliert das Papier seine wichtigste fundamentale Stütze gegenüber den internationalen Wettbewerbern.

Robuster Elektroauftragseingang und stützende Rückkäufe

Auf der Habenseite existieren jedoch handfeste Argumente für ein optimistischeres Szenario. Ein wesentlicher Lichtblick bleibt die Dynamik bei den reinen Batteriefahrzeugen: Mercedes-Benz Cars erzielte im dritten Quartal mit 68.400 vollelektrischen Fahrzeugen einen Quartalsrekord, was einem Zuwachs von 61 Prozent entspricht.

Über Pkw und Vans hinweg legte der Absatz vollelektrischer Modelle um 52 Prozent auf 78.100 Einheiten zu. Zudem meldete das Unternehmen, dass die elektrischen Modelle GLC, CLA, GLB und GLA in Europa bis Jahresende ausverkauft sind, wobei die Auftragsbücher bereits in das Jahr 2027 hineinreichen.

Flankiert wird dieses operative Polster durch die fortlaufende Kapitalrückführung des Managements. Im Rahmen des bestehenden Aktienrückkaufprogramms erwarb die Mercedes-Benz Group vom 28. September bis einschließlich 2. Oktober 875.000 eigene Anteilsscheine. Seit dem Programmstart am 1. September belief sich das Gesamtvolumen bis einschließlich 2. Oktober bereits auf 3.851.805 Aktien.

Gelingt es den Stuttgartern, den hohen Auftragsbestand bei margenstärkeren Elektrofahrzeugen im vierten Quartal zügig abzuarbeiten und technologische Vorreiterrollen wie die weltweite Bestellbarkeit des Steer-by-Wire-Systems in der EQS Limousine zu monetarisieren, könnte die Talsohle bei der Profitabilität bereits durchschritten sein.

Drohende Margenerosion und interne Verteilungskämpfe

Dem gegenüber steht ein handfestes Risikoszenario, das die Bären am Markt anführen. Exane BNP Paribas stufte die Aktie auf „Underperform“ ein und verwies explizit auf den Streit um mögliche Werksschließungen als akuten Unsicherheitsfaktor.

Sollte der interne Konflikt zwischen Vorstand und Arbeitnehmervertretung eskalieren, drohen teure Kompromisse, Abfindungen oder langwierige Restrukturierungen, die das operative Ergebnis zusätzlich belasten würden.

Erhärtet sich zudem die Befürchtung, dass das China-Geschäft nicht nur temporär schwächelt, sondern strukturell an Margenkraft verliert, gerät der gesamte Ertragskern ins Rutschen.

Bleiben die Verkaufspreise unter Druck und fressen höhere Rohstoffaufwendungen die Einsparungen auf, könnte die Unterschreitung des Zielkorridors von 3 bis 5 Prozent nicht die Ausnahme, sondern der Beginn einer länger anhaltenden Durststrecke sein. In diesem Fall droht dem Konzern eine Neubewertung, die noch deutlich tiefere Notierungen nach sich ziehen würde.

Der 28. Oktober als unausweichlicher Wendepunkt

Die Richtungsentscheidung für die Mercedes-Benz-Aktie ist somit eng an konkrete Marken und Termine gekoppelt. Solange das gestrige 52-Wochen-Tief bei 38,90 Euro auf Schlusskursbasis verteidigt wird, besteht die Chance auf eine technische Bodenbildung. Ein nachhaltiger Bruch dieser Unterstützung nach unten würde den Weg frei machen für eine Fortsetzung der übergeordneten Abwärtsbewegung.

Kippt hingegen die operative Marge im anstehenden Zwischenbericht weiter ab und verfehlt die 3-Prozent-Marke deutlich, dürften auch die laufenden Aktienrückkäufe den Abgabedruck kaum mehr auffangen können.

Der entscheidende Katalysator für die Auflösung dieser Pattsituation steht bereits im Kalender fest: Am 28. Oktober 2026 veröffentlicht die Mercedes-Benz Group ihren vollständigen Konzern-Zwischenbericht für das dritte Quartal und erläutert die Ergebnisse im Rahmen einer Analystenkonferenz. Erst mit diesen geprüften Finanzdaten wird sich zeigen, ob der Margendruck beherrschbar bleibt oder die Abwärtsspirale eine neue Runde einläutet.

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