Mercedes-Benz Aktie: Källenius droht mit Werksschließungen
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 06:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Beim Stuttgarter Autobauer verschärft sich die Auseinandersetzung um die künftige Kostenstruktur dramatisch. Um die Rendite im Kerngeschäft zu stabilisieren, peilt das Management eine Kürzung der Arbeitskosten in Deutschland um mindestens 800 Millionen Euro an. Weil die Belegschaftsvertreter weitreichende Zugeständnisse verweigern, bringt die Führungsetage nun konkrete Werksschließungen ins Spiel.
An der Börse spiegeln sich die anhaltenden Spannungen wider. Die Aktie von Mercedes-Benz gab gestern um 1,6 Prozent auf 41,49 Euro nach. Damit liegt das Papier nur noch 0,9 Prozent über dem 52-Wochen-Tief.
Drohung mit Werksschließungen in der Fertigung
Sollte keine Einigung auf spürbare Einsparungen zustande kommen, droht in Deutschland die Stilllegung eines Fahrzeugaufbauwerks sowie eines Komponentenwerks.
Betroffen von solchen Überlegungen wären im Fahrzeugbau neben Sindelfingen auch Bremen oder Rastatt, während im Antriebsbereich Standorte wie Untertürkheim, Berlin und Hamburg zur Disposition stünden.
Konzernchef Ola Källenius und Aufsichtsratschef Martin Brudermüller dringen auf eine Anhebung der Wochenarbeitszeit auf bis zu 40 Stunden ohne vollen Lohnausgleich. Neben der Abkehr von der seit Jahrzehnten etablierten 35-Stunden-Woche umfasst das Sparpaket Anpassungen bei Weihnachts- und Urlaubsgeldern. Zudem steht der Wegfall einzelner Sonderzahlungen im Raum.
Massive Ertragsschwäche im zweiten Quartal
Der harte Sanierungskurs folgt auf ernüchternde Zahlen im operativen Geschäft. Im zweiten Quartal 2026 brach das operative Betriebsergebnis der Pkw-Sparte Mercedes-Benz Cars auf 49 Millionen Euro ein. Die bereinigte Umsatzrendite lag bei lediglich 4,0 Prozent, nach 5,1 Prozent im Vorjahreszeitraum.
Verantwortlich für den Gewinneinbruch ist vor allem die Entwicklung im wichtigsten Einzelmarkt: Die Auslieferungen in China sackten im zweiten Quartal 2026 um 30 Prozent auf 98.624 Fahrzeuge ab. Gleichzeitig belasteten Wertminderungen von 752 Millionen Euro auf Anteile an chinesischen Gemeinschaftsunternehmen das Quartalsergebnis erheblich. Hinzu kamen Restrukturierungskosten von rund 1,1 Milliarden Euro in der ersten Jahreshälfte.
Widerstand von Betriebsrat und Gewerkschaft
Die Arbeitnehmerseite stemmt sich bislang entschieden gegen die Pläne des Vorstands. Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali signalisierte zwar Gesprächsbereitschaft für einen befristeten Kompromiss von maximal zwei Stunden Mehrarbeit pro Woche über einen Zeitraum von zwei Jahren. Ein solches Zugeständnis knüpft er jedoch strikt an feste Zusagen für neue Fahrzeugmodelle, Investitionen und Garantien für Standorte und Beschäftigung.
Beschlüsse über die Arbeitszeit lassen sich allerdings nicht am Verhandlungstisch des Konzerns allein fassen. Die Wochenarbeitszeit ist fest im Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie verankert. Ohne die Zustimmung der IG Metall, die parallel in der anstehenden Tarifrunde ein Lohnplus fordert, kann das Management eine generelle Verlängerung der Arbeitszeit juristisch nicht durchsetzen.
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