Mercer International Aktie: Covenant-Bruch im vierten Quartal droht
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 18:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Holz- und Zellstoffkonzern Mercer International steht vor einer ungewissen Zukunft. Nach einem enttäuschenden zweiten Quartal 2026 hat das Unternehmen offiziell Zweifel an der Fortführung der Geschäftstätigkeit geäußert.
Massive Verluste, steigende Rohstoffkosten in Deutschland und ein drohender Bruch von Kreditbedingungen setzen den Konzern unter erheblichen Druck. Die Aktie spiegelt diese existenzielle Krise wider und notiert am heutigen Montag bei 0,4564 Euro.
Dramatischer Ergebnisrückgang im zweiten Quartal
Die jüngsten Geschäftszahlen verdeutlichen die schwierige Lage des Unternehmens. Mercer International meldete für das zweite Quartal einen Nettoverlust von 76 Millionen US-Dollar, was einem Minus von 1,13 US-Dollar je Aktie entspricht.
Im Vergleich zum ersten Quartal, in dem noch ein positives EBITDA von 8 Millionen US-Dollar erzielt wurde, rutschte das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) nun mit minus 21 Millionen US-Dollar tief in die roten Zahlen. Belastet wurde das Resultat unter anderem durch eine Wertberichtigung auf Vorräte in Höhe von 29 Millionen US-Dollar.
Besonders das Zellstoffsegment (Pulp) kämpft mit Gegenwind. Trotz leichter Preissteigerungen für Langfaser-Zellstoff (NBSK) in Europa auf 1.655 US-Dollar pro Tonne und in Nordamerika auf 1.577 US-Dollar pro Tonne verzeichnete die Sparte ein negatives EBITDA von 13 Millionen US-Dollar.
Ein wesentlicher Grund hierfür sind die Kosten für deutsche Faserrohstoffe, die im Vergleich zum Vorquartal um 7 Prozent gestiegen sind. Zudem musste die Produktion aufgrund von Marktanpassungen um 26.000 Tonnen gedrosselt werden. Mit einem Kursverlust von 11,29 Prozent am heutigen Handelstag reagierten die Anleger prompt auf die negativen Nachrichten.
Restrukturierung in Torgau und Liquiditätsengpässe
Um den operativen Abwärtstrend zu stoppen, hat das Management umfangreiche Restrukturierungsmaßnahmen eingeleitet. Im Fokus steht dabei das Werk im sächsischen Torgau. Dort sollen 350 Stellen gestrichen werden.
Mercer kalkuliert für diesen Prozess mit Abfindungskosten von jeweils 3 Millionen US-Dollar in den Jahren 2026 und 2027. Ziel der Maßnahme ist eine jährliche Ergebnisverbesserung von mehr als 20 Millionen US-Dollar. Parallel dazu setzt der Konzern sein Sparprogramm „One Goal 100“ fort, durch das bisher kumulierte Einsparungen von 54 Millionen US-Dollar erzielt werden konnten.
Trotz dieser Bemühungen bleibt die finanzielle Lage angespannt. Die Liquidität beläuft sich derzeit auf 192 Millionen US-Dollar, wovon 79 Millionen US-Dollar auf Barbestände entfallen. Das Unternehmen warnte jedoch davor, dass im vierten Quartal ein Bruch der vereinbarten Kreditklauseln (Covenants) drohen könnte.
Vor diesem Hintergrund prüft Mercer International derzeit strategische Alternativen, um die Kapitalstruktur zu stärken. Seit Jahresbeginn hat das Papier bereits 73,15 Prozent an Wert verloren, was das schwindende Vertrauen der Marktteilnehmer unterstreicht.
Lichtblick im Bereich Mass Timber
Einzig das Segment für Massivholzprodukte (Mass Timber) lieferte positive Signale. Der Umsatz in diesem Bereich stieg im Vergleich zum Vorquartal um 25 Prozent, während die Produktion um 40 Prozent hochgefahren wurde.
Der Auftragsbestand liegt aktuell bei 151 Millionen US-Dollar. Besonders hervorzuheben ist, dass rund 70 Prozent dieser Aufträge aus dem Bereich der Hyperscaler und Rechenzentren stammen, was eine gewisse Unabhängigkeit vom schwächelnden klassischen Baumarkt bietet.
Ob diese Wachstumsnische ausreicht, um den Gesamtkonzern zu stabilisieren, bleibt jedoch fraglich. Für das dritte Quartal sind bereits umfangreiche Wartungsarbeiten angekündigt, die die Zellstoffproduktion voraussichtlich um weitere 66.000 Tonnen reduzieren werden. Angesichts der hohen Volatilität und der unsicheren Finanzierungslage müssen Investoren bei Mercer International weiterhin mit extremen Risiken rechnen.
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