Mercer International Aktie: S&P stuft auf CCC- herab
Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 03:57 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer kanadische Staat greift Mercer International mit einem Millionenbetrag unter die Arme. Ăber die Behörde Prairies Economic Development Canada wurden am Mittwoch finanzielle Zusagen in Höhe von rund 20 Millionen Kanadischen Dollar (CAD) fĂŒr die Modernisierung des Zellstoffwerks Peace River bekannt gegeben. Diese Nachricht löste Medienberichten zufolge im nachbörslichen Handel kurzzeitig deutliche KurssprĂŒnge aus.
Doch die Erleichterung wog nur kurz gegen die massiven finanziellen Probleme auf, die die Ratingagentur S&P Global Ratings am Dienstag deutlich adressierte. Die Experten stuften die KreditwĂŒrdigkeit des Unternehmens von âCCC+â auf âCCC-â herab. Als BegrĂŒndung nannten sie eine erhöhte Wahrscheinlichkeit fĂŒr eine Umschuldung oder einen Zahlungsausfall innerhalb der nĂ€chsten Monate.
Modernisierungshilfe aus Kanada
Das Förderpaket gliedert sich in zwei Teile. Eine Million CAD werden als nicht rĂŒckzahlbarer Zuschuss gewĂ€hrt. Die restlichen 19 Millionen CAD flieĂen als rĂŒckzahlbarer Beitrag, dessen Tilgung erst im Jahr 2031 beginnen soll. Mercer International plant mit diesen Mitteln eine Modernisierung des Standorts im Rahmen einer regionalen Initiative zur Reaktion auf TarifĂ€nderungen.
Trotz dieser UnterstĂŒtzung bleibt die LiquiditĂ€tslage des Konzerns prekĂ€r. S&P Global Ratings weist darauf hin, dass das Unternehmen derzeit nicht ĂŒber ausreichende Mittel verfĂŒgt, um kurzfristig fĂ€llig werdende Schulden in Höhe von rund 310 Millionen USD zu bedienen. FĂŒr das laufende Jahr 2026 erwarten die Analysten der Agentur zudem lediglich ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) nahe der Gewinnschwelle.
52-Wochen-Tief unterstreicht AbwÀrtstrend
An der Börse spiegelt sich die angespannte Situation im Kursverlauf wider. Vorgestern markierte das Papier mit 0,3002 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Zwar konnte sich der Wert zum Wochenabschluss leicht erholen, doch der Schlusskurs am Freitag von 0,3248 Euro verdeutlicht den massiven Druck auf den Titel. Damit notiert die Aktie aktuell rund 89 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch vom September des vergangenen Jahres.
Der Blick der Anleger richtet sich nun auf zwei kritische Termine. Am 30. September lĂ€uft die aktuelle FristverlĂ€ngerung fĂŒr die Kreditbedingungen einer deutschen revolvierenden Kreditlinie aus. Sollte bis dahin keine neue Einigung ĂŒber die Einhaltung der Finanzkennzahlen erzielt werden, droht ein Bruch der Covenants. Zudem steht im Januar 2027 die FĂ€lligkeit einer kanadischen KreditfazilitĂ€t an, was den finanziellen Spielraum weiter einengt.
Erhebliche Zweifel an der FortfĂŒhrung
Bereits vor gut drei Wochen hatte Mercer International bei der Vorlage der Quartalsergebnisse âerhebliche Zweifelâ an der FĂ€higkeit zur FortfĂŒhrung der GeschĂ€ftstĂ€tigkeit geĂ€uĂert. Der Nettoverlust im zweiten Quartal belief sich auf 76 Millionen USD, was unter anderem durch eine unbare Abschreibung auf VorrĂ€te in Höhe von 29 Millionen USD belastet wurde.
Analysten bewerteten die Lage am 24. August in einer Zusammenfassung verschiedener BrokerhĂ€user weiterhin vorsichtig. Die durchschnittliche Empfehlung lautet derzeit auf âHaltenâ bis âVerkaufenâ. Das Konsens-Kursziel fĂŒr den Wert wurde in diesem Zusammenhang mit 0,60 USD angegeben, was zwar ĂŒber dem aktuellen Niveau liegt, aber die tiefgreifenden operativen und bilanziellen Risiken widerspiegelt.
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