Microsoft Aktie: Kurssprung trotz Kritik
Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 12:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach Handelsschluss am Mittwoch schoss die Microsoft-Aktie um acht Prozent nach oben. Das Kuriose daran: Trotz des Sprungs bleibt das Papier seit Jahresbeginn rund 19 Prozent im Minus, während der S&P 500 im gleichen Zeitraum zulegte. Die Quartalszahlen liefern nun einen Grund, warum Anleger ihre Skepsis zumindest kurzfristig beiseitelegen.
Der Umsatz kletterte im vierten Geschäftsquartal um 18 Prozent auf 90 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie stieg auf 4,81 Dollar und übertraf die Konsensschätzungen deutlich. Getragen wurde das Ergebnis von einem Gewinn aus der Anthropic-Beteiligung in Höhe von 3,2 Milliarden Dollar sowie geringeren Kosten für das erste freiwillige Abfindungsprogramm des Konzerns — Belastungen aus Abfindungen und einer Wertberichtigung im Xbox-Geschäft standen dem entgegen.
Azure zieht an, Copilot treibt Wachstum
Das eigentliche Zugpferd bleibt die Cloud-Sparte. Azure wuchs währungsbereinigt um 43 Prozent, nach 39 Prozent im Vorquartal, und übertraf damit die Erwartungen der Analysten klar. Für das laufende Quartal stellte Finanzchefin Amy Hood sogar 45 Prozent in Aussicht — deutlich mehr als die zuvor angepeilten 39 bis 40 Prozent. Im abgelaufenen Geschäftsjahr knackte Azure erstmals die Marke von 100 Milliarden Dollar Jahresumsatz.
Die Segmente im Überblick:
- Intelligent Cloud (inkl. Azure): 39,31 Milliarden Dollar, plus 31,6 Prozent
- Productivity and Business Processes (Office, Dynamics, LinkedIn): 37,85 Milliarden Dollar, plus 14,3 Prozent
- More Personal Computing (Windows, Surface, Xbox): 12,85 Milliarden Dollar, minus 4,4 Prozent
Microsoft 365 Copilot kommt inzwischen auf über 30 Millionen zahlende Nutzer, GitHub Copilot auf 50 Millionen. Der KI-Assistent entwickelt sich damit zunehmend zum Wachstumstreiber im Produktivitätsgeschäft.
Kapitalausgaben und Kritikpunkte
Die Investitionen in Rechenzentren bleiben hoch: Allein im Quartal stiegen Capex und Finanzierungsleasing um 69 Prozent. Für das Kalenderjahr 2026 hält der Konzern an seiner Guidance fest — durch eine Bilanzierungsänderung bei der Nutzungsdauer von Gebäuden sinkt der ausgewiesene Wert rechnerisch auf rund 175 Milliarden Dollar. Für das Geschäftsjahr 2027 kündigte Hood weiteres Wachstum bei den Investitionen an und verwies auf anhaltende Nachfragesignale im gesamten Portfolio. Der freie Cashflow brach im Quartal um 23 Prozent auf 19,64 Milliarden Dollar ein, soll aber im Geschäftsjahr 2027 wieder positiv werden.
Nicht alle reagieren euphorisch. Barclays senkte sein Kursziel von 545 auf 512 Dollar, behielt aber die Einstufung "Overweight" bei — Grund war die gestiegene Bewertung nach der Kursrally, nicht operative Schwäche. Deutsche Bank-Analysten empfehlen die Aktie weiterhin zum Kauf, warnen aber vor einem Konzentrationsrisiko: Rund 45 Prozent der 625 Milliarden Dollar an vertraglich gebundenen, noch nicht realisierten Erlösen hängen an der Partnerschaft mit OpenAI. Die kommerziellen Auftragsbestände insgesamt wuchsen um acht Prozent auf 678 Milliarden Dollar, wobei das Wachstum diesmal vor allem von Kunden außerhalb der KI-Modellentwickler kam.
Schwächer entwickelte sich das Xbox-Geschäft mit einem Umsatzrückgang von 10 Prozent. Erst Anfang des Monats hatte die Sparte Stellenstreichungen und die Ausgliederung von vier Studios angekündigt.
Für das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres peilt Microsoft einen Umsatz zwischen 89,85 und 90,95 Milliarden Dollar an — ein Plus von 16 Prozent zur Jahresmitte gerechnet und leicht über den Analystenschätzungen von 89,66 Milliarden Dollar.
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