Microvast: 34-Prozent-Crash nach Quartalszahlen
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 18:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Microvast Holdings steht vor einer entscheidenden Frist in einem laufenden Wertpapier-Sammelklageverfahren. Während sich der 21. September als Stichtag für die Benennung eines Hauptklägers nähert, gerät die Aktie des Batterieherstellers erneut unter Druck. Am heutigen Dienstag notiert das Papier bei 0,6720 Euro, was einem Rückgang von 4,7 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs entspricht.
Anlegerklagen wegen mutmaßlichem Wertpapierbetrug
Hintergrund der juristischen Auseinandersetzung sind Vorwürfe des Wertpapierbetrugs, die den Zeitraum zwischen dem 1. April 2025 und dem 16. März 2026 betreffen. Mehrere Anwaltskanzleien, darunter Levi & Korsinsky sowie Wolf Haldenstein, informieren derzeit betroffene Aktionäre über ihre Rechte. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, die Marktteilnehmer über die Fortschritte wichtiger Expansionsprojekte getäuscht zu haben.
Im Zentrum der Anschuldigungen steht die Erweiterung des Werks Huzhou Phase 3.2. Microvast hatte ursprünglich in Aussicht gestellt, dieses Projekt bis Ende 2025 abzuschließen. Die Klageschriften werfen dem Management vor, die Machbarkeit dieses Zeitplans sowie die angestrebten Margenziele übertrieben dargestellt zu haben. Zudem habe das Unternehmen Investoren nicht ausreichend über bestehende Probleme beim Bestandsmanagement informiert.
Massive Margeneinbrüche und verfehlte Umsatzziele
Die rechtliche Lawine wurde durch die Veröffentlichung der Geschäftszahlen für das vierte Quartal am 16. März ausgelöst. Die gemeldeten Daten blieben massiv hinter den Markterwartungen zurück. Während Analysten im Konsens einen Umsatz von 136,4 Millionen US-Dollar erwartet hatten, wies Microvast lediglich 96,5 Millionen US-Dollar aus — ein Rückgang von rund 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Besonders besorgniserregend für Anleger war die Entwicklung der Profitabilität. Die Bruttomarge brach im Berichtsquartal auf lediglich ein Prozent ein, nachdem sie im Vorjahreszeitraum noch bei rund 36 Prozent gelegen hatte.
Ein wesentlicher Grund für diesen Einbruch war eine Wertberichtigung auf Vorräte im Bereich der Energiespeichersysteme (ESS) in Höhe von 32,5 Millionen US-Dollar. In der Folge stürzte der Aktienkurs unmittelbar nach Bekanntgabe der Zahlen am 17. März um mehr als 34 Prozent ab.
Fortlaufender Abwärtstrend an den Märkten
Die jüngsten Kursverluste sind Teil einer länger anhaltenden Schwächephase. Seit Jahresbeginn hat die Aktie bereits 72 Prozent an Wert verloren. Obwohl das Unternehmen im zweiten Quartal die Gewinnerwartungen pro Aktie leicht übertreffen konnte, belasteten erneut verfehlte Umsatzziele die Stimmung.
Medienberichten zufolge wies Microvast in diesem Zusammenhang auch auf ein potenzielles Bestandsrisiko für die Fortführung der Geschäftstätigkeit ("Going-Concern-Risiko") hin.
An der Börse wird die Lage zunehmend prekär. Das Vertrauen der Investoren scheint nach den Revisionen der ursprünglichen Prognosen für 2025, die noch einen Umsatz von bis zu 475 Millionen US-Dollar bei einer Bruttomarge von über 30 Prozent vorgesehen hatten, nachhaltig gestört.
Mit dem aktuellen Kursrückgang rückt der Wert wieder gefährlich nah an seine Tiefststände heran: Das Papier notiert derzeit nur noch 6,0 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief. Die kommenden Wochen bis zum Ablauf der Klagefrist am 21. September dürften für die weitere Entwicklung der Microvast-Aktie von zentraler Bedeutung sein.
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