Morgan Stanley Aktie: Tokenisierung braucht Zeit
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 14:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Morgan Stanley verschiebt seine Pläne für tokenisierte Aktien. Der Handel auf dem hauseigenen Alternative Trading System (ATS) soll nun im ersten Quartal 2027 möglich sein, nicht wie zuvor angedeutet im zweiten Halbjahr 2026. Parallel dazu melden die Analysten der Bank eine These zur Europäischen Zentralbank.
Tokenisierte Aktien: Angebot fehlt noch
Amy Oldenburg, Chefin der Digital-Asset-Strategie, nennt das erste Quartal 2027 den realistischeren Zeitpunkt. Die Infrastruktur sei im Aufbau. Das Problem liege anderswo: Es gebe noch kaum Produkte, und ohne Produkte fehle die Kundennachfrage. "Wir brauchen einfach etwas mehr Zeit", so ihr Fazit.
Als Meilenstein nennt sie den Start des Tokenisierungsdienstes der DTCC Ende Oktober. Zudem beobachtet die Bank das Inkrafttreten des GENIUS Act im Januar. Für institutionelle Kunden sei der Einstieg weiterhin schwierig, solange einzelne Punkte des Clarity-Gesetzes unklar blieben.
Die Strategie folgt einem bekannten Muster. Aktien, Derivate und Swaps bietet die Bank über das ATS bereits an, Tokenisierung gilt als Erweiterung davon. Dazu entwickelt sie eine eigene Wallet-Infrastruktur, die für Nutzer im Hintergrund bleiben soll.
Ein neu eingerichtetes Digital Asset Lab testet Technologien, bevor sie in den Produktivbetrieb gehen. Zudem liegt eine bedingte Genehmigung der US-Bankenaufsicht OCC für einen digitalen Treuhanddienst zur Verwahrung und zum Staking von Kunden-Assets vor.
Kurzfristige Chancen sieht Oldenburg bei aufwendigen Anlageklassen wie privaten Beteiligungen, strukturierten Anleihen und Fondszugängen. Dort könnte die Blockchain Papierkram und Verwaltung verringern.
EZB-Pause bei der Bilanzverkleinerung?
Die Analysten der Bank halten es für denkbar, dass die EZB den Abbau ihrer Anleihebestände aussetzt. Der Zinsanstieg im Euroraum seit Beginn des Nahostkonflikts entspreche rechnerisch etwa sechs Leitzinserhöhungen. Seit der September-Sitzung kämen zwei weitere hinzu.
Zinssenkungen schließen sie wegen der Inflationsrisiken aus. Als "elegantere" Lösung sehen sie eine vorübergehende Pause bei der quantitativen Straffung. Fällige Staatsanleihen würden dann wieder reinvestiert, was den Renditedruck dämpfen sollte. Außerdem nähere sich die Überschussliquidität der von ihnen als kritisch eingestuften Marke von 2 Billionen Euro.
Größere Position bei Central Asia Metals
Am Rande meldet Morgan Stanley eine höhere Beteiligung am britischen Rohstoffunternehmen Central Asia Metals. Der Anteil an den Stimmrechten liegt nun bei 7,26 Prozent, zuvor waren es 6,20 Prozent. Knapp 3 Prozentpunkte entfallen auf Finanzinstrumente wie Wertpapierleihe und Equity Swaps. Die Schwelle wurde am 7. Oktober überschritten.
Die Aktie schloss am Freitag bei 190,02 Dollar, vorbörslich lag sie leicht darüber. Der nächste greifbare Termin ist der DTCC-Start Ende Oktober, der zeigen dürfte, wie schnell der Markt für tokenisierte Wertpapiere Fahrt aufnimmt.
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