NASDAQ 100: 1,09 Billionen Dollar Leasinglasten belasten Tech
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 02:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der technologielastige NASDAQ 100 sah sich am Donnerstag mit einer spürbaren Eintrübung der Stimmung im Halbleiter-Sektor und wachsenden Sorgen über die massiven Investitionskosten für Künstliche Intelligenz konfrontiert. Während die US-Notenbankvertreter Zinserhöhungen zur Inflationsbekämpfung nicht ausschließen, belasten vor allem enttäuschende Ausblicke führender Speicherchip-Hersteller und die Verschuldungsrisiken großer Cloud-Anbieter das Marktumfeld.
Enttäuschende Prognosen belasten den Speichersektor
Ein massiver Ausverkauf bei Speicheraktien prägte das gestrige Handelsgeschehen. Auslöser waren die Prognosen von SanDisk und Western Digital, die trotz starker Quartalszahlen die hohen Erwartungen des Marktes für das kommende erste Quartal verfehlten. Laut Reuters fiel die Aktie von SanDisk im gestrigen Handel deutlich, nachdem das Unternehmen für das erste Quartal einen Umsatz zwischen 10,3 und 10,8 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt hatte – ein Mittelwert, der unter dem Analystenkonsens lag. Parallel dazu kündigte das Unternehmen ein zusätzliches Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 14 Milliarden US-Dollar an.
Noch härter traf es Western Digital, deren Papiere zeitweise um über 16 Prozent einbrachen. Analysten der UBS senkten das Kursziel für das Unternehmen, da Margendruck im Flash-Geschäft und moderierende Preissteigerungen befürchtet werden. Dieser Abwärtstrend zog den gesamten Sektor mit sich: Auch Branchengrößen wie Micron und Seagate mussten Verluste hinnehmen, während der Philadelphia Semiconductor Index im vergangenen Monat bereits den stärksten Rückgang seit dem Jahr 2008 verzeichnete.
Die Billionen-Last der Rechenzentren
Neben der Chip-Schwäche rückt die finanzielle Belastung durch den Ausbau der KI-Infrastruktur stärker in den Fokus der Anleger. Führende Technologiekonzerne wie Microsoft, Meta, Oracle, Amazon und Alphabet haben laut Medienberichten zukünftige Leasingverpflichtungen für Rechenzentren in Höhe von insgesamt rund 1,09 Billionen US-Dollar angehäuft. Allein Microsoft verfügt über eine Pipeline von 329,1 Milliarden US-Dollar an noch nicht begonnenen Leasingverträgen.
Besonders kritisch wird die Lage bei Oracle bewertet. S&P senkte das Kreditrating des Unternehmens bereits im Juli auf BBB-, da die Leasingverpflichtungen für Rechenzentren auf etwa 260 Milliarden US-Dollar angewachsen sind. Die Analysten von Moody's warnen zudem davor, dass die Verschuldung das Fünffache des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) erreichen könnte. Trotz einer vertieften Partnerschaft mit Google im Bereich der Gemini-Modelle hat sich der Aktienkurs von Oracle seit Juni nahezu halbiert.
JPMorgan warnt vor struktureller Volatilität
Die jüngsten Turbulenzen im Technologiesektor führen laut JPMorgan zu einer strukturellen Veränderung der Marktteilnehmer. Die Analysten um Nikolaos Panigirtzoglou berichten, dass Tech-Hedgefonds im Juli Verluste von über 10 Prozent erlitten haben, was zu einer Reduzierung der Handelskapazitäten dieser Akteure geführt hat. In der Folge könnte der Handel mit Technologieaktien stärker von privaten Anlegern und gehebelten Produkten abhängig werden, was die Volatilität künftig erhöhen dürfte.
Der NASDAQ 100 beendete den gestrigen Donnerstag mit einem Schlusskurs von 29.470,28 Punkten nur geringfügig schwächer. Trotz der aktuellen Konsolidierung liegt der Index seit Jahresanfang noch mit 16,71 Prozent im Plus. Dennoch zeigt der Abstand zum 52-Wochen-Hoch, der aktuell -4,20 Prozent beträgt, dass die Euphorie der vergangenen Monate einer kritischen Prüfung der KI-Investitionszyklen gewichen ist.
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