Natural Gas: Ausbruch an der Marke 2,80 Dollar
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 21:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach dem Absturz der vergangenen Wochen meldet sich Erdgas mit Wucht zurück. Der Preis springt auf 2,79 Dollar je Million BTU und testet damit den Widerstand bei 2,80 Dollar bereits zum fünften Mal in dieser Aufwärtsbewegung. Ein Tagesplus von über vier Prozent zeigt: Die Käufer haben wieder Oberwasser, auch wenn der übergeordnete Trend seit Jahresbeginn mit einem Minus von rund 24 Prozent klar negativ bleibt.
Was den Kurs treibt
Der Auslöser sitzt weit weg vom heimischen Gasmarkt. Seit Ende Februar 2026 haben US-amerikanische und israelische Militäroperationen gegen Iran die Durchfahrt der Straße von Hormuz massiv erschwert. LNG-Exporte durch die Meerenge sind seither um rund 95 Prozent eingebrochen — fast ein Fünftel der weltweiten LNG-Versorgung fällt damit faktisch aus.
Das Perverse an der Lage: US-Erdgas selbst ist von der Blockade kaum betroffen, die heimische Förderung bleibt intakt. Vergangene Woche stiegen die amerikanischen Lagerbestände sogar stärker als erwartet — 33 Milliarden Kubikfuß Zuwachs gegen einen Fünfjahresdurchschnitt von 23 Milliarden. Trotzdem zieht der Preis mit, weil Anleger die globale Energiekrise in nahezu allen Brennstoffen einpreisen. Rohöl WTI und Brent legen ähnlich zu, Benzin RBOB hat seit Jahresbeginn bereits 82 Prozent zugelegt.
Charttechnik: Zone zwischen Chance und Falle
Auf dem 5-Stunden-Chart notiert der Kurs knapp unter der Marke von 2,80 Dollar, gestützt vom 50-Perioden-Durchschnitt bei 2,715 Dollar. Der MACD zeigt bullisches Momentum, doch der langfristige 200-Perioden-Durchschnitt bei 3,001 Dollar sowie ein Angebotsüberhang bei 3,200 Dollar erinnern daran, dass die großen Bären das Feld noch nicht geräumt haben.
Ein überzeugter Schlusskurs über 2,80 Dollar mit steigendem Volumen würde den Weg zum nächsten Fibonacci-Ziel bei 2,914 Dollar öffnen. Scheitert der Ausbruch und der Kurs fällt unter die 2,715-Dollar-Marke zurück, drohen schnelle Verluste in Richtung der Unterstützungszone zwischen 2,689 und 2,715 Dollar. Die Zone zwischen 2,715 und 2,80 Dollar gilt charttechnisch als unruhig — hier häufen sich Fehlsignale.
Entscheidend für die kommenden Tage bleibt, ob sich an der Straße von Hormuz etwas bewegt. Iran verlangt für eine Öffnung unter anderem ein permanentes Ende der US-Militäroperationen und die Aufhebung sämtlicher Sanktionen — Bedingungen, die derzeit nicht in Sicht sind. Bis dahin dürfte die Marke von 2,80 Dollar der Prüfstein bleiben, an dem sich Rally oder Rückschlag entscheiden.
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