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Nel ASA Aktie: 189-Millionen-Verlust trotz Auftragsschub

Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 15:37 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nel ASA verzeichnet trotz wachsendem Verlust einen Auftragsanstieg von 224 Prozent. Der Konzern reagiert mit einem Personalabbau und setzt auf neue Technologien.

Nel ASA: Sparprogramm und Rekordaufträge sorgen für Kontraste
Abstrakte Darstellung einer modernen Wasserstoffanlage in der Dämmerung mit bläulich leuchtenden Industrieanlagen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Nel ASA steckt in einem Balanceakt zwischen Kostenkontrolle und Wachstumshoffnung. Der norwegische Wasserstoff-Spezialist meldet für das zweite Quartal einen deutlich höheren Nettoverlust. Gleichzeitig explodiert der Auftragseingang um 224 Prozent. Diese Gegensätze prägen aktuell das Bild der Aktie.

Am Freitag schloss das Papier bei 0,1944 Euro, ein Minus von 1,12 Prozent auf Tagesbasis. Über die vergangenen 30 Tage summiert sich der Rückgang auf 7,87 Prozent. Der Kurs liegt damit 17,59 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 0,2359 Euro — ein Zeichen für den anhaltenden Abwärtsdruck der vergangenen Wochen.

Verlust wächst, Iwatani-Vergleich belastet

Die Erlöse aus Kundenverträgen sanken im zweiten Quartal auf 153 Millionen Norwegische Kronen. Das entspricht einem Rückgang von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Gesamterlöse inklusive sonstiger Erträge lagen bei 182 Millionen Kronen.

Ein Sondereffekt drückte zusätzlich auf die Bilanz: eine Vergleichsvereinbarung mit Iwatani Corporation of America kostete Nel 70 Millionen Kronen. Das EBITDA rutschte dadurch auf minus 155 Millionen Kronen. Auch ohne diesen Einmaleffekt bleibt das operative Geschäft unter Druck — ein Symptom der schleppenden Infrastruktur-Entwicklung in der gesamten Wasserstoffbranche.

Unter dem Strich weitete sich der Nettoverlust auf 189 Millionen Kronen aus. Im Vorjahresquartal hatte das Minus noch bei 131 Millionen Kronen gelegen.

Personalabbau soll Fixkosten senken

Nel reagiert auf die anhaltenden Verluste mit einem harten Sparkurs. Die Belegschaft schrumpft von 430 auf 313 Mitarbeiter. Das Unternehmen will damit seine Fixkosten senken und den Fokus stärker auf industrielle Großprojekte sowie die Vermarktung der nächsten Technologie-Generation legen.

Parallel zum Stellenabbau zeigt sich beim Auftragseingang eine überraschend positive Dynamik. Im zweiten Quartal stiegen die Neubestellungen auf 230 Millionen Kronen — ein Plus von 224 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rund 96 Prozent davon entfielen auf das PEM-Elektrolyseur-Segment (Proton Exchange Membrane). Der gesamte Auftragsbestand erreichte zum Quartalsende 1,2 Milliarden Kronen.

Der Auftragsboom liefert Sichtbarkeit für die kommenden Monate. Ob sich dieser Rückenwind aber tatsächlich in Umsatz übersetzen lässt, bleibt die entscheidende Frage für die Marke.

Analysten bleiben skeptisch

Die Analystengemeinde traut der schnellen Trendwende bislang wenig zu. Das Konsens-Rating tendiert zu "Verkaufen", das durchschnittliche Zwölf-Monats-Kursziel liegt bei umgerechnet rund 0,183 Euro — nahe am aktuellen Kursniveau. Beobachter verweisen darauf, dass die eigentliche Herausforderung nicht im Auftragseingang liegt, sondern in der Umwandlung dieser Bestellungen in tatsächlichen Umsatz bei hoher Fertigungsauslastung.

Mit einer Liquiditätsreserve von 1,3 Milliarden Kronen verfügt Nel über einen finanziellen Puffer für die laufende Transformation. Im Fokus der Investoren steht nun die neue druckbeaufschlagte Alkali-Serie PA. Nach Unternehmensangaben soll diese Technologie die Investitionskosten großer Anlagen um 40 bis 60 Prozent senken. Gelingt dieser Sprung, könnte er die Wirtschaftlichkeit der gesamten Wasserstoffproduktion im industriellen Maßstab neu definieren.

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