Nel ASA Aktie: 230 Millionen NOK trotz Millionen-Vergleich
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 11:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei Nel ASA klaffen Bestellbuch und Bilanz auseinander. Der norwegische Wasserstoff-Spezialist meldet einen Auftragssprung von 224 Prozent – und gleichzeitig ein tiefrotes Quartalsergebnis. Der Grund dafür liegt nicht im Kerngeschäft, sondern vor Gericht.
PEM-Technologie treibt die Nachfrage
Nel ASA hat im jüngsten Quartal Bestellungen im Wert von 230 Millionen norwegischen Kronen eingesammelt. Das ist mehr als das Dreifache des Vorjahreswerts. Fast der komplette Zuwachs stammt aus der PEM-Sparte, die für rund 96 Prozent der neuen Order verantwortlich ist.
Der Auftragsbestand ist dadurch auf 1,213 Milliarden NOK gewachsen. Das sichert der Fertigung Auslastung bis weit ins Jahr 2027 hinein. Die Nachfrage nach Nels Kerntechnologie bleibt also stabil, obwohl große Energiekonzerne ihre grünen Wasserstoff-Pläne derzeit vielerorts zurückstufen.
Rechtsstreit belastet das Ergebnis
Das operative Ergebnis erzählt eine andere Geschichte. Das EBITDA für das zweite Quartal 2026 lag bei minus 155 Millionen NOK. Ein Einmaleffekt zieht das Ergebnis nach unten.
Nel ASA zahlt der Iwatani Corporation of America eine Vergleichssumme von 70 Millionen NOK. Der Vergleich beendet einen laufenden Rechtsstreit. Rechnet man diesen Posten heraus, bleibt das operative Geschäft weitgehend stabil gegenüber den Vorquartalen.
Umbau zum reinen Elektrolyseur-Hersteller
Nel ASA hat sich strategisch neu ausgerichtet. Im Juni 2024 spaltete das Unternehmen seine Betankungssparte Cavendish Hydrogen ab. Seitdem konzentriert sich Nel ausschließlich auf die Herstellung von Elektrolyseuren.
Zentraler Baustein dieser Strategie ist die PA-Series, eine im Mai 2026 gestartete Plattform mit druckbeaufschlagter Alkali-Technologie. Nel ASA peilt für 25-Megawatt-Anlagen einen Systempreis von unter 1.450 Dollar pro Kilowatt an. Das Unternehmen setzt damit auf kleinere, modulare Anlagen – ein Segment, in dem die Industrienachfrage zunehmend wächst.
Führungswechsel in der Schwebe
Zur operativen Unsicherheit kommt eine personelle. CEO Håkon Volldal kündigte Mitte Juni 2026 seinen Rücktritt an und befindet sich aktuell in einer sechsmonatigen Übergangsphase. Der Aufsichtsrat sucht derzeit nach einem Nachfolger, der das Unternehmen durch die nächste industrielle Ausbauphase führen soll.
An der Börse zeigt sich das gemischte Bild in der Kursentwicklung. Die Aktie schloss am Dienstag bei 0,1982 Euro, ein Plus von 1,23 Prozent zum Vortag. Seit Jahresbeginn steht ein Gewinn von 4,98 Prozent zu Buche, zum bisherigen Jahreshoch aus dem Mai fehlen der Aktie aber noch fast 46 Prozent.
Mit einem 14-Tage-RSI von 42 bewegt sich der Titel derzeit in neutralem Terrain. Ein Liquiditätspolster von 1,328 Milliarden NOK zum Quartalsende gibt Nel ASA Spielraum, den Ausbau am Produktionsstandort Herøya und die Auslieferung der Bestellungen bis 2027 zu finanzieren. Der neue CEO wird bei Amtsantritt also auf ein gefülltes Auftragsbuch treffen – und auf die Aufgabe, daraus wieder schwarze Zahlen zu machen.
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