Nel ASA Aktie: 70-Millionen-Vergleich mit Iwatani
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 10:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nel ASA steckt in einem Spannungsfeld zwischen wachsendem Bestellvolumen und roten Zahlen. Der norwegische Wasserstoff-Ausrüster meldete am 15. Juli für das zweite Quartal 2026 einen Gesamtumsatz von 182 Millionen norwegischen Kronen, nach 215 Millionen Kronen im Vorjahresquartal. Das EBITDA fiel auf minus 155 Millionen Kronen. Belastet wurde das Ergebnis maßgeblich durch eine Vergleichszahlung von 70 Millionen Kronen an Iwatani Corporation of America, die aus einer zuvor offengelegten Rechtsstreitigkeit resultierte. Die endgültige Einigung mit dem japanischen Partner hatte das Unternehmen bereits Anfang Juni bekanntgegeben.
Auftragseingang zieht deutlich an
Während die Ertragslage schwächelt, zeigt der Auftragseingang eine gegenläufige Entwicklung. Finanzanalysten hoben am Montag hervor, dass die Bestellungen im zweiten Quartal um 224 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 230 Millionen Kronen gestiegen sind. Treiber dieses Zuwachses ist nahezu ausschließlich die PEM-Elektrolyseur-Sparte, die inzwischen für 96 Prozent der Neuaufträge steht. Der Gesamtauftragsbestand summierte sich zum Quartalsende auf 1.213 Millionen Kronen. Medienberichten zufolge wägen Investoren derzeit ab, wie viel Gewicht diese kommerzielle Dynamik gegenüber dem Nettoverlust von 189 Millionen Kronen im zweiten Quartal haben soll – eine Debatte, die den Kurs seit Wochen unter Druck hält.
Die Kassenlage des Unternehmens hat sich parallel verschlechtert. Der Barmittelbestand sank von 1.928 Millionen Kronen im Vorjahresquartal auf 1.328 Millionen Kronen zum Ende des zweiten Quartals 2026. Das schrumpfende Liquiditätskissen dürfte die Diskussion über die Finanzierung künftiger Wachstumsprojekte weiter befeuern, zumal das Unternehmen operativ noch nicht profitabel arbeitet.
Analysten uneinig, Führungswechsel offen
Zum Zeitpunkt der Quartalsvorlage im Juli lag die Einschätzung von 21 Analysten bei einer Kaufempfehlung von "Hold": Elf Häuser stuften die Aktie als Hold ein, sechs als Strong Sell und fünf als Sell. Eine klare Kaufempfehlung fehlte demnach vollständig – ein Bild, das die Skepsis gegenüber der Profitabilität des Geschäfts widerspiegelt.
Zusätzliche Unsicherheit bringt der Führungswechsel an der Spitze. Håkon Volldal war Mitte Juni als Präsident und CEO von Nel ASA zurückgetreten, um sich anderen Aufgaben zu widmen. Der Verwaltungsrat sucht seither einen Nachfolger, während Volldal seine sechsmonatige Kündigungsfrist absolviert. Ein Vertrauenssignal setzte im April Verwaltungsratsvorsitzender Arvid Moss, der 100.000 Aktien zu einem Durchschnittskurs von 2,2547 Kronen erwarb – sein erster gemeldeter Insiderkauf.
Strategisch treibt Nel ASA die Industrialisierung seiner neuen Druckalkali-Plattform voran, die im Dezember 2025 vom Verwaltungsrat final freigegeben wurde und am Standort Herøya mit bis zu 135 Millionen Euro aus dem EU Innovation Fund unterstützt wird. Im Mai folgte der offizielle Marktstart dieser Elektrolyseur-Generation, die laut Unternehmensangaben die Systemkosten um 40 bis 60 Prozent senken soll.
Kurs bleibt unter Druck
Die Skepsis der Investoren zeigt sich auch im Aktienkurs. Am Mittwoch schloss das Papier bei 0,1978 Euro, nach einem Rückgang von 4,90 Prozent auf Monatssicht. Vom 52-Wochen-Hoch trennen die Aktie noch immer rund 45,88 Prozent – ein Abstand, der die anhaltende Baisse seit dem Frühjahr unterstreicht. Für das dritte Quartal 2026 hat Nel ASA die Veröffentlichung seiner Finanzergebnisse für Oktober angekündigt. Bis dahin dürfte der Markt genau beobachten, ob sich der Auftragsschub im PEM-Geschäft in einer nachhaltigen Verbesserung der Ertragslage niederschlägt.
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