Nel ASA Aktie: Umsatz sinkt 12 Prozent trotz Auftragsplus
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 16:49 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der norwegische Wasserstoff-Spezialist Nel ASA gerät von mehreren Seiten unter Druck. Während das Unternehmen im zweiten Quartal einen deutlichen Anstieg der Auftragseingänge meldete, kühlen sich zugleich Umsatz und Profitabilität ab. Hinzu kommen ein zurückhaltendes Votum von JPMorgan und ein möglicher Rückzug großer Ölkonzerne aus dem grünen Wasserstoffgeschäft.
Die Nel-Aktie notiert aktuell bei 0,1950 Euro und gibt am heutigen Donnerstag um 1,42 Prozent nach. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Rückgang von 6,25 Prozent zu Buche. Das Papier bewegt sich damit weiter in der unteren Hälfte seiner Jahresspanne, während Anleger die jüngsten Unternehmensnachrichten verarbeiten.
Auftragseingang wächst, Umsatz schrumpft
Im zweiten Quartal 2026 verzeichnete Nel ASA einen Auftragseingang von 230 Millionen Kronen – ein Plus von 224 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Treiber waren fast ausschließlich PEM-Elektrolyseur-Bestellungen, die 96 Prozent des Zuwachses ausmachten. Der Auftragsbestand kletterte zum Quartalsende auf 1.213 Millionen Kronen, ein Anstieg von 9 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Die Barreserven lagen bei 1.328 Millionen Kronen.
Dem stand jedoch ein rückläufiges operatives Geschäft gegenüber. Die Umsätze aus Kundenverträgen sanken im zweiten Quartal auf 153 Millionen Kronen, ein Minus von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Gesamtumsatz einschließlich sonstiger Erträge belief sich auf 182 Millionen Kronen. Das EBITDA rutschte auf minus 155 Millionen Kronen ab. Darin enthalten war eine einmalige Belastung von 70 Millionen Kronen aus einem Vergleich mit Iwatani Corporation of America, den Nel Anfang Juni geschlossen hatte, um länger schwelende Streitigkeiten beizulegen.
JPMorgan senkt Kursziel deutlich
Am Mittwoch reduzierte JPMorgan sein Kursziel für Nel ASA von 2,90 auf 1,80 norwegische Kronen und beließ die Einstufung bei "Neutral". Die Bank begründete den Schritt mit der Auswertung der Quartalszahlen und mit Gegenwind für die gesamte Branche. Der reduzierte Zielwert unterstreicht, dass institutionelle Beobachter die Ertragslage trotz des kräftigen Auftragswachstums vorerst zurückhaltend einschätzen. Automatisierte Bewertungsdienste zeichnen zwar zuletzt ein etwas freundlicheres Bild und stuften die Aktie von "Verkaufen" auf "Halten" hoch, dies beruht jedoch primär auf kurzfristiger Kursstabilität und ersetzt keine fundamentale Neubewertung.
Branchenumfeld und Führungswechsel belasten zusätzlich
Zur Verunsicherung trägt bei, dass Ölmultis wie BP Berichten zufolge mehrere großvolumige Wasserstoffprojekte zurückgestellt oder gestrichen haben, um sich stärker auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Für Anbieter von Elektrolyseur-Technologie im Gigawatt-Maßstab wie Nel könnte dies die kurzfristige Nachfrage dämpfen. Parallel wartet die Branche auf eine Entscheidung der EU-geführten Clean Hydrogen Partnership zum Förderprogramm "HORIZON-JU-CLEANH2-2026", deren Ergebnisse Anfang August erwartet werden und Einfluss auf künftige Auftragseingänge von Nel haben könnten.
Auf der Führungsebene bleibt zudem eine Schlüsselposition unbesetzt. CEO Håkon Volldal kündigte im Juni seinen Rücktritt an, um sich anderen Aufgaben zu widmen, und befindet sich in einer sechsmonatigen Übergangsphase, während der Verwaltungsrat einen Nachfolger sucht. Größter institutioneller Anteilseigner neben dem Streubesitz bleibt Samsung E&A mit einem Anteil von 9,09 Prozent.
Die kommenden Wochen dürften für Nel ASA richtungsweisend sein: Die EU-Förderentscheidung, der Fortgang der CEO-Suche und die weitere Entwicklung der Großkundennachfrage werden zeigen, ob sich das starke Auftragswachstum in stabilere Umsätze übersetzen lässt. Der nächste konkrete Prüfstein ist der Zwischenbericht zum dritten Quartal 2026, den das Unternehmen für den 21. Oktober angekündigt hat.
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