Nokia Aktie: 64 Prozent Nettogewinn-Sprung im Q2
Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 20:47 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nokia hat am Montag Zahlen zum zweiten Quartal vorgelegt, die deutlich über den Erwartungen der Analysten liegen. Der Umsatz kletterte um 8 Prozent auf 4,815 Milliarden Euro, der vergleichbare Betriebsgewinn stieg um 18 Prozent auf 434 Millionen Euro und übertraf damit den Konsens von 382 Millionen Euro klar. Die vergleichbare operative Marge erreichte 9,0 Prozent. Der vergleichbare Nettogewinn legte sogar um 64 Prozent auf 414 Millionen Euro zu. Auf ausgewiesener Basis rutschte das operative Ergebnis dagegen ins Minus – die Marge fiel um 430 Basispunkte auf minus 1,0 Prozent, weil Sonderbelastungen aus dem laufenden Umbauprogramm zu Buche schlugen. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet Nokia mit Restrukturierungskosten zwischen 700 und 800 Millionen Euro.
Trotz der soliden Kennziffern reagierte die Aktie mit Verlusten. Aktuell notiert das Papier bei 7,97 Euro und legt am heutigen Handelstag um 0,45 Prozent zu, nach einem miserablen Vormonat: Auf 30-Tage-Sicht steht ein Minus von 28,62 Prozent zu Buche – der schlechteste Monat der Aktie seit 14 Jahren, nachdem sie sich in den vorangegangenen zwölf Monaten mehr als verdoppelt hatte. Bemerkenswert ist, dass der aktuelle Kurs nur noch 0,29 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt liegt – ein Hinweis darauf, dass sich der Ausverkauf zumindest kurzfristig stabilisiert.
Auftragsboom im KI-Cloud-Geschäft treibt die Fantasie
Kern der Nachricht ist das Auftragsvolumen im KI- und Cloud-Geschäft: Im zweiten Quartal sammelte Nokia dort Bestellungen im Wert von 2,8 Milliarden Euro ein – das Sechsfache des Quartalsumsatzes dieses Segments. Der Netto-Umsatz im Bereich AI/Cloud selbst wuchs um 105 Prozent auf 446 Millionen Euro. Auch die klassische Netzwerksparte zog kräftig an: Network Infrastructure legte um 12 Prozent zu, angetrieben von Optical (+20 Prozent) und IP (+16 Prozent), während Mobile Infrastructure um 7 Prozent wuchs. Die Bruttomarge verbesserte sich um 70 Basispunkte auf 46 Prozent.
CEO Justin Hotard brachte die Lage auf den Punkt: Die Nachfrage bleibe stark, das Angebot sei mittlerweile der entscheidende Engpass der Branche. Genau darin liegt aber auch die Sorge der Investoren: Von den 2,8 Milliarden Euro an Neuaufträgen dürfte sich nach Markteinschätzung nur rund 1,4 Milliarden Euro binnen zwölf Monaten in tatsächlichen Umsatz umwandeln lassen. Die Free-Cashflow-Rendite wird auf Basis der Jahresprognose von rund 2,35 Milliarden Euro und einer Konversionsrate von 55 bis 75 Prozent lediglich auf 2,9 bis 3,9 Prozent geschätzt – für ein Unternehmen mit rasant wachsendem Auftragsbuch ein eher schmaler Puffer, wenn Vorleistungen für Lieferketten und Kapazitätsaufbau finanziert werden müssen.
Nvidia-Kooperation und neues Innovationslabor
Strategisch treibt Nokia die Zusammenarbeit mit Nvidia bei einer AI-RAN-Plattform voran. Erste Tests zeigen eine Verbesserung der Spektraleffizienz von mehr als 20 Prozent, bis 2027 soll das Ziel bei 50 Prozent liegen, bis 2028 bei 100 Prozent. Parallel eröffnete Nokia ein AI Networking Innovation Lab in Sunnyvale, Kalifornien, in dem gemeinsam mit Partnern wie AMD, Keysight, Lenovo, Nscale, Supermicro, VIAVI und Weka sogenannte Nokia Validated Designs unter realen KI-Workloads geprüft werden – ein Schritt, der die Positionierung als Infrastrukturlieferant für KI-Rechenzentren untermauern soll.
Investoren bauen Positionen aus, Analysten uneins über den fairen Wert
Am Kapitalmarkt zeigt sich ein gemischtes Bild. Mehrere institutionelle Adressen wie Pzena, Arrowstreet, ARGA und Alyeska haben ihre Nokia-Bestände zuletzt spürbar aufgestockt, während mit Militia Capital ein weiterer Investor frisch einstieg. Der Analystenkonsens stuft die Aktie im Schnitt auf Outperform mit einem Kursziel von 10,32 Euro, die Bandbreite der Einschätzungen reicht von 4,65 bis 18,00 Euro und spiegelt damit die Unsicherheit über Tempo und Rentabilität des KI-Wachstums wider. An der Wall Street, wo Nokia zusätzlich als ADR gehandelt wird, hob die Bank of America ihr Kursziel jüngst auf 12,40 US-Dollar an und votiert für Kaufen, während Northland mit einem Ziel von 20 US-Dollar zu den optimistischsten Häusern zählt. Für die Aktie bleibt damit die zentrale Frage bestehen, ob sich das kräftige Auftragswachstum im KI-Geschäft rechtzeitig in belastbaren Cashflow verwandelt, um die laufenden Restrukturierungskosten zu decken.
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