Novartis Aktie: Abogen-Lizenz für bis zu 7,8 Milliarden
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 03:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Novartis verstärkt seine Entwicklungspipeline mit einem milliardenschweren Lizenzgeschäft im Bereich der RNA-Medizin. Der Schweizer Pharmakonzern vereinbarte gestern mit dem chinesischen Biotech-Unternehmen Abogen weltweite Exklusivrechte an dem Wirkstoffkandidaten ABO2203 sowie Optionen auf weitere Entwicklungsprogramme. Für die Kooperation zahlt Novartis eine feste Vorabsumme von 575 Millionen US-Dollar.
Bei voller Ausübung sämtlicher Optionen und dem Erreichen sämtlicher Entwicklungs-, Zulassungs- und Vermarktungsmeilensteine können bis zu 7,2 Milliarden US-Dollar an weiteren Zahlungen fällig werden. Damit erreicht die Transaktion ein Gesamtvolumen von bis zu 7,8 Milliarden US-Dollar, ergänzt um potenzielle Lizenzgebühren auf spätere Produkterlöse.
Die vertragliche Vereinbarung steht noch unter dem Vorbehalt der üblichen Vollzugsbedingungen sowie behördlicher Genehmigungen. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund eines herausfordernden Spätsommers für den Konzern: Im September waren zwei klinische Studien von Novartis in späten Entwicklungsphasen gescheitert, was den Börsenwert des Unternehmens zeitweise um fast 30 Milliarden US-Dollar reduzierte.
An den Finanzmärkten reagierte das Papier verhalten auf die Bekanntgabe der neuen Vereinbarung. Zum Handelsschluss am Freitag notierte die Novartis-Aktie bei 125,16 Euro, womit der Titel auf Sicht von 30 Tagen ein Minus von 10 Prozent aufweist.
Gezielter Abbau von B-Zellen im Fokus
Im Zentrum der Partnerschaft steht der Wirkstoffkandidat ABO2203. Dabei handelt es sich um einen Boten-RNA-kodierten T-Zell-Engager, der sich gegen die Oberflächenproteine CD19 und CD3 richtet. Das therapeutische Prinzip zielt darauf ab, über körpereigene T-Zellen fehlgeleitete B-Zellen abzubauen, die bei der Entstehung schwerer Autoimmunerkrankungen eine zentrale Rolle spielen. Neben Autoimmunindikationen wird die Substanzklasse auch im onkologischen Bereich erprobt.
Frühe klinische Daten stützen das Wirkprinzip des Moleküls. Auf dem Krebsforschungskongress AACR wurden Ergebnisse einer Phase-1-Untersuchung an neun Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom vorgestellt.
In der höchsten Dosierungsgruppe erzielte der Kandidat eine objektive Ansprechrate von bis zu 100 Prozent, ohne dass Zytokinfreisetzungssyndrome oder neurologische Komplikationen auftraten.
Bei drei Studienteilnehmern dokumentierte Nebenwirkungen bildeten sich im Verlauf der Behandlung wieder zurück. Eine weitere klinische Erprobung läuft in einer Phase-1-Studie mit 66 geplanten erwachsenen Patienten mit Autoimmunerkrankungen.
Wachsende Bedeutung chinesischer Wirkstoffforschung
Für Novartis sichert die Transaktion den Zugriff auf eine Plattform, die das Potenzial hat, herkömmliche zelltherapeutische Verfahren durch Boten-RNA-basierte Mechanismen zu ergänzen. Zugleich spiegelt der Schritt die veränderte Dynamik in der pharmazeutischen Entwicklung wider.
Das Analysehaus ING prognostiziert, dass China im Jahr 2026 rund ein Drittel aller weltweiten neuen Moleküle in den Pharma-Pipelines stellen dürfte, verglichen mit lediglich 4 Prozent im Jahr 2014.
Ob sich die hohen Meilensteinzusagen für Novartis auszahlen werden, hängt nun vom Verlauf der weiteren Studienphasen ab. Gemessen am 52-Wochen-Tief von 104,56 Euro behauptet die Aktie trotz des jüngsten Rücksetzers ein Kursplus von 20 Prozent. Die kommenden klinischen Auswertungen zu ABO2203 dürften darüber entscheiden, wie tragfähig der Ansatz im Vergleich zu konkurrierenden Strategien zur Immunmodulation ist.
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