Novo Nordisk Aktie: 450 Erwachsene testen Wegovy-Pille
Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 00:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Novo Nordisk hat am 12. August eine neue Studie zur Wegovy-Pille gestartet, die bis 2028 laufen soll. Ziel ist es, herauszufinden, wie niedrig die Dosis des oralen Semaglutid-Präparats sein kann, ohne die gewichtsreduzierende Wirkung zu verlieren.
Die Phase-3-Studie umfasst 450 Erwachsene mit einem Body-Mass-Index von mindestens 30, oder mindestens 27 bei zusätzlichen Begleiterkrankungen. Über 60 Wochen vergleicht das Unternehmen zwei niedrigere, bislang nicht näher benannte Dosen mit Placebo.
Der Hintergrund der Studie ist wirtschaftlich brisant. Bislang zugelassen sind die Dosierungen 1,5, 4, 9 und 25 Milligramm, wobei frühere Studien vor allem auf die höheren Dosen fokussierten.
BMO Capital Markets weist jedoch darauf hin, dass mehr als zwei Drittel der Patienten in den USA bereits eine der beiden niedrigsten Dosen einnehmen. Für Selbstzahler sind diese Dosen rund halb so teuer wie die höheren Stufen. Novo Nordisk reagiert damit auf ein Marktverhalten, das die Preisarchitektur des Produkts infrage stellt.
Umsatz der Pille wächst, Nebenwirkungsprofil im Blick
Die primäre Zielgröße der Studie ist die prozentuale Gewichtsveränderung nach 60 Wochen. Sekundäre Endpunkte umfassen den Anteil der Patienten mit mindestens fünf, zehn oder fünfzehn Prozent Gewichtsverlust sowie Veränderungen des Taillenumfangs und der Nebenwirkungen.
Zur Einordnung: Unter der aktuellen Erhaltungsdosis von 25 Milligramm erreichten Patienten in früheren Studien einen Gewichtsverlust von 16,6 Prozent nach 64 Wochen, verglichen mit 2,7 Prozent unter Placebo.
Kommerziell ist die Pille für Novo Nordisk bereits ein relevanter Wachstumstreiber. Der Umsatz der Wegovy-Tablette lag im zweiten Quartal 2026 bei 3,22 Milliarden dänischen Kronen, nach 350 Millionen US-Dollar im ersten Quartal ein deutlicher Sprung.
Verfügbar ist das Präparat unter anderem in Großbritannien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Seit Januar 2023 wurde Wegovy in den USA laut Marktbeobachtungen über fünf Millionen Mal verschrieben – ein Beleg für die Breite der Nachfrage, die eine differenziertere Dosierungsstrategie erst wirtschaftlich sinnvoll macht.
Analysten blicken auf die Pipeline
Novo Nordisk hatte die Jahresprognose bereits Anfang August angehoben, nach der Vorlage der Halbjahreszahlen – seither hat die Aktie rund 3,7 Prozent zugelegt. Dennoch bleibt der Blick vieler Analysten kritisch auf die Pipeline gerichtet, insbesondere nach dem Rückschlag bei der Herzmedikation Ziltivekimab. Das Patent auf Semaglutid, den Wirkstoff von Wegovy, läuft Anfang der 2030er Jahre aus, was den Innovationsdruck erhöht.
Konzernchef Mike Doustdar äußerte sich gegenüber der Financial Times offen für größere Übernahmen und signalisierte, dass das Unternehmen bei seinen Bemühungen, die Abhängigkeit von Abnehmmedikamenten zu verringern, auch Rückschläge in Kauf nehmen werde. Er setze auf starke Verkäufe der Wegovy-Pille, neue Präparate und Zukäufe, um wieder auf Wachstumskurs zu kommen.
Kursreaktion bleibt verhalten
Die Aktie notiert aktuell bei 39,80 Euro und liegt damit rund 27 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 54,86 Euro, das im Januar erreicht wurde. Seit Jahresbeginn steht ein Kursrückgang von 9,6 Prozent zu Buche. Die Nachricht zur Dosisstudie hat bislang keine größere Kursbewegung ausgelöst – Anleger dürften die Ergebnisse frühestens 2028 in ihre Bewertung einpreisen können.
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