Novo Nordisk Aktie: 8,48-Prozent-Crash nach ZEUS
Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 17:46 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein enttĂ€uschendes Studienergebnis hat die Novo-Nordisk-Aktie am Freitag abstĂŒrzen lassen. Das Papier verlor an diesem Handelstag 8,48 Prozent und schloss bei 40,90 Euro. Auf Jahressicht steht damit ein Minus von 7,10 Prozent zu Buche. Auslöser war das Scheitern der Phase-3-Studie ZEUS zum EntzĂŒndungshemmer Ziltivekimab, der als HoffnungstrĂ€ger im Herz-Kreislauf-GeschĂ€ft galt.
Ziltivekimab verfehlt sein Ziel
In der ZEUS-Studie erhielten mehr als 6.300 Patienten mit atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankung, chronischer Nierenerkrankung und erhöhten EntzĂŒndungswerten monatlich 15 Milligramm Ziltivekimab. Das Mittel senkte zwar die EntzĂŒndungsmarker im Blut, verfehlte aber den primĂ€ren Endpunkt: Es reduzierte schwere kardiovaskulĂ€re Ereignisse wie Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall nicht signifikant gegenĂŒber Placebo. Unter dem Wirkstoff traten zudem schwerwiegende Infektionen hĂ€ufiger auf. Novo Nordisk hatte die Rechte an Ziltivekimab 2020 ĂŒber die Ăbernahme von Corvidia fĂŒr 725 Millionen Dollar erworben und in dem Antikörper groĂes kommerzielles Potenzial gesehen.
Das Unternehmen kĂŒndigte fĂŒr das dritte Quartal eine nicht zahlungswirksame Wertberichtigung an, hĂ€lt aber am Ausblick fĂŒr das laufende GeschĂ€ftsjahr fest. Zwei weitere Studien zu Ziltivekimab, Hermes bei Herzinsuffizienz und Artemis nach akutem Herzinfarkt, laufen noch â Ergebnisse werden erst in der ersten JahreshĂ€lfte 2027 erwartet. Der Analyst BMO bezeichnete positive Daten aus diesen Folgestudien nach dem ZEUS-RĂŒckschlag als âhöchst unwahrscheinlichâ. JPMorgan-Analysten sprachen von einem verlorenen Umsatzpotenzial in Milliardenhöhe fĂŒr das kardiometabolische Segment.
Anleger diskutieren Einstiegschance versus Substanzverlust
Der Kursrutsch reiht sich in eine ohnehin nervöse Handelswoche ein, in der die Aktie zeitweise zwischen 42,80 und 45,485 Euro schwankte. Unter Anlegern ist eine Diskussion entbrannt: Sehen die einen in dem gedrĂŒckten Bewertungsniveau eine Einstiegschance, warnen andere vor einer strukturellen SchwĂ€chung der Pipeline. Auch bei institutionellen Investoren zeigt sich ein gemischtes Bild. WĂ€hrend mehrere Adressen ihre BestĂ€nde im ersten Quartal deutlich aufstockten, reduzierte Lazard Asset Management seine Position um rund 89 Prozent. Insgesamt halten institutionelle Anleger nach verfĂŒgbaren Daten gut ein Zehntel der Aktien.
Auf dem aktuellen Kursniveau bewegt sich das Papier nur noch minimal ĂŒber seinem 50-Tage-Durchschnitt und knapp ĂŒber der 200-Tage-Linie, wĂ€hrend der RSI mit 41,8 auf eine eher neutrale bis leicht ĂŒberverkaufte Stimmung hindeutet. Zum Jahreshoch von 54,86 Euro, notiert im Januar, klafft mittlerweile eine LĂŒcke von mehr als einem Viertel.
Blick auf Halbjahreszahlen und Konkurrenzdruck
Bereits am 5. August will Novo Nordisk seine Zahlen zum ersten Halbjahr vorlegen. Der Marktkonsens fĂŒr das Ergebnis je Aktie liegt bei 0,81 Dollar, ein RĂŒckgang von 16,5 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahreswert. Erste Group Bank senkte ihre GewinnschĂ€tzung fĂŒr das Gesamtjahr auf 3,20 Dollar je Aktie und liegt damit unter dem breiteren Analystenkonsens von 3,38 Dollar. Im ersten Quartal hatte Novo Nordisk einen Gewinn je Aktie von 1,03 Dollar bei einem Umsatz von 10,85 Milliarden Dollar ausgewiesen.
Der RĂŒckschlag bei Ziltivekimab trifft das Unternehmen in einer Phase, in der es im KerngeschĂ€ft mit GLP-1-PrĂ€paraten wie Wegovy und Ozempic ohnehin scharfer Konkurrenz durch Eli Lilly ausgesetzt ist, dessen Aktie zuletzt deutlich stĂ€rker lief. Analysten sehen nun steigenden Druck auf das Management, ĂŒber ZukĂ€ufe oder Partnerschaften neue Wachstumsfelder auĂerhalb des etablierten Diabetes- und Adipositas-GeschĂ€fts zu erschlieĂen. Ein möglicher HoffnungstrĂ€ger bleibt das orale Semaglutid: In einer Phase-IIIa-Studie senkte es bei Jugendlichen mit Typ-2-Diabetes den Langzeitblutzuckerwert HbA1c um 0,83 Prozentpunkte gegenĂŒber Placebo. Novo Nordisk plant, auf dieser Basis noch in der zweiten JahreshĂ€lfte ZulassungsantrĂ€ge in den USA und der EU einzureichen. Bis dahin dĂŒrfte der Blick der Anleger vor allem auf den Halbjahreszahlen und möglichen strategischen Weichenstellungen liegen.
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