Novo Nordisk Aktie: 8,48-Prozent-Sturz nach ZEUS
Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 00:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Novo Nordisk hat einen der schwÀrzsten Handelstage seines Börsenjahres hinter sich. Am Freitag schloss die Aktie in Frankfurt bei 40,90 Euro, ein Tagesverlust von 8,48 Prozent. Auslöser war das Scheitern einer wichtigen Herz-Kreislauf-Studie, doch der Kurssturz reiht sich in eine Woche ein, in der gleich drei Baustellen gleichzeitig sichtbar wurden: eine gescheiterte Studie, eine zugelassene AktionÀrsklage in den USA und anhaltend flaue Verkaufszahlen der Wegovy-Pille.
ZEUS-Studie verfehlt ihr Ziel deutlich
Im Zentrum steht die Phase-3-Studie ZEUS mit dem Wirkstoff Ziltivekimab, der ĂŒber eine Hemmung des IL-6-Signalwegs EntzĂŒndungen und damit verbundene Herzrisiken senken sollte. Mehr als 6.300 Teilnehmer mit arteriosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankung, chronischer Nierenerkrankung und erhöhten EntzĂŒndungswerten erhielten monatlich 15 Milligramm des PrĂ€parats. Zwar sanken die Marker IL-6 und hsCRP spĂŒrbar, doch beim entscheidenden kombinierten Endpunkt aus kardiovaskulĂ€rem Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall zeigte sich keine Wirkung: Die Hazard Ratio lag bei 0,99, wĂ€hrend Analysten mit einem Wert um 0,85 gerechnet hatten. Zudem traten unter Ziltivekimab mehr schwerwiegende Infektionen auf, wenn auch ohne Unterschiede bei der GesamtmortalitĂ€t.
Novo Nordisk lĂ€sst die beiden noch laufenden Studien HERMES zu Herzinsuffizienz und ARTEMIS zur SekundĂ€rprĂ€vention nach Herzinfarkt unverĂ€ndert weiterlaufen; Ergebnisse werden fĂŒr die erste HĂ€lfte 2027 erwartet. FĂŒr 2026 kĂŒndigte das Unternehmen eine nicht zahlungswirksame Wertminderung im dritten Quartal an, die Jahresprognose bleibe davon unberĂŒhrt. Analysten von JPMorgan ordneten den RĂŒckschlag deutlicher ein: Mit ZEUS falle ein potenzieller Milliarden-Blockbuster weg, hieĂ es dort. Der Ausfall trifft Novo Nordisk auch strategisch, da das Unternehmen mit dem EntzĂŒndungsprogramm gerade seine starke AbhĂ€ngigkeit von Diabetes- und Adipositas-PrĂ€paraten verringern wollte â diese beiden Bereiche stellten zuletzt rund 94 Prozent des Konzernumsatzes.
AktionÀrsklage zu CagriSema erreicht nÀchste Instanz
Parallel zum ZEUS-RĂŒckschlag bekam Novo Nordisk juristischen Gegenwind aus den USA. Ein Richter namens Kirsch am US-Bundesgericht in Trenton, New Jersey, lieĂ am Dienstag Teile einer AktionĂ€rsklage zu, die dem Unternehmen TĂ€uschung ĂŒber die VertrĂ€glichkeit des Adipositas-Kandidaten CagriSema vorwirft. Grundlage ist die REDEFINE-1-Studie aus dem Dezember 2024: Nach 68 Wochen erreichten die Teilnehmer einen Gewichtsverlust von 22,7 Prozent, deutlich unter dem angepeilten Ziel von 25 Prozent. Nur 57 Prozent der Probanden erhielten ĂŒberhaupt die höchste Dosis, was die KlĂ€ger als verschwiegenes Risiko werten. Andere Klagepunkte wies das Gericht ab, Novo Nordisk weist die verbliebenen VorwĂŒrfe weiterhin zurĂŒck.
Wegovy-Pille kommt nicht vom Fleck
Auch im laufenden KerngeschĂ€ft fehlt derzeit Schwung. Citi-Analyst Graham Parry beschrieb das Wegovy-Franchise als gegenĂŒber der Vorwoche praktisch unverĂ€ndert, wĂ€hrend der Pillen-Konkurrent von Eli Lilly im gleichen Zeitraum um 16 Prozent zulegte. Zahlen zu wöchentlichen Verordnungen in den USA stĂŒtzen dieses Bild: Sie lagen zuletzt bei rund 110.600 und damit nur minimal unter der Vorwoche. Seit Jahresbeginn hat die Wegovy-Pille in den USA zwar die Marke von drei Millionen Rezepten ĂŒberschritten, das Wachstumstempo hat sich jedoch spĂŒrbar verlangsamt.
FĂŒr Anleger bĂŒndeln sich damit mehrere Unsicherheiten kurz vor einem wichtigen Termin: Novo Nordisk legt am 5. August seine Halbjahreszahlen vor. Bis dahin bleibt die Aktie angeschlagen. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von Ende Januar betrĂ€gt inzwischen mehr als ein Viertel, und die VolatilitĂ€t der vergangenen Wochen dĂŒrfte sich bis zur Berichtsvorlage kaum legen. Ob das Zahlenwerk am Mittwoch die NervositĂ€t dĂ€mpft oder verstĂ€rkt, dĂŒrfte maĂgeblich davon abhĂ€ngen, wie ĂŒberzeugend das Management die Diversifizierung jenseits von Diabetes und Adipositas nun ohne den einstigen HoffnungstrĂ€ger Ziltivekimab erklĂ€rt.
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