Nvidia Aktie: Speicher wird zum Nadelöhr
Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 01:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Kurssprung von fast neun Prozent, ein Rekordumsatz von 96,2 Milliarden Dollar im abgelaufenen Quartal und ein Ausblick, der die Konsensschätzungen pulverisiert — Nvidias Zahlen haben am Donnerstag nicht nur die eigene Aktie beflügelt, sondern gleich den gesamten Tech-Sektor mitgezogen.
Der Nasdaq Composite legte um 1,6 Prozent zu, angetrieben von Chip- und Softwarewerten. Doch unter der Oberfläche der Rally verbirgt sich eine Verschiebung, die für Nvidia selbst zum Problem werden könnte: Speicherchips sind knapp, und die Preise dafür ziehen kräftig an.
Wachstumsprognose übertrifft Erwartungen deutlich
Für das Geschäftsjahr 2028 stellte Nvidia ein Umsatzwachstum von 70 Prozent in Aussicht — Analysten hatten im Schnitt nur mit rund 45 Prozent gerechnet.
Bernstein-Analyst Stacy Rasgon reagierte prompt und hob sein Kursziel von 315 auf 400 Dollar an. Der Aktienkurs, der 2022 noch bei rund elf Dollar lag, notierte nach den Zahlen bei knapp 230 Dollar.
Der Wermutstropfen: Nvidia rechnet vorerst mit sinkenden Bruttomargen von 71 bis 72 Prozent, bevor sich diese Richtung 2028 wieder auf etwa 72 bis 73 Prozent erholen sollen. Der Grund sind explodierende Preise für High-Bandwidth-Memory (HBM) und DRAM.
Der Konzern hat inzwischen Kaufverpflichtungen über 279 Milliarden Dollar bei Speicherherstellern abgeschlossen — ein Anstieg von 135 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Berichten zufolge prüft Nvidia sogar, bei seiner kommenden Rubin-Ultra-Architektur von 12-Hi- auf 8-Hi-HBM4-Stacks umzusteigen, um mit begrenztem Chip-Material mehr Beschleuniger fertigen zu können.
Von dieser Entwicklung profitieren vor allem die Speicherhersteller. SK Hynix kündigte am Donnerstag den Bau einer über vier Milliarden Dollar teuren HBM-Fabrik in Indiana an, die ab 2029 in Produktion gehen soll.
Samsung und Micron ziehen ähnliche Kapazitätserweiterungen nach. Konkurrenten wie AMD hingegen geraten unter Druck: Die Aktie gab am Donnerstag leicht nach, da Nvidia mit seinen langfristigen Vorabverträgen einen Großteil der verfügbaren Speicherkapazität für sich sichert.
Hugging-Face-Deal als zweite Front
Parallel zu den Quartalszahlen kursierten Berichte über eine mögliche Übernahme der KI-Plattform Hugging Face für 12,9 Milliarden Dollar. Bestätigt ist der Deal bislang nicht — Hugging Face selbst hat keine Details zu Konditionen genannt. Sollte er zustande kommen, würde Nvidia neben der Recheninfrastruktur auch die zentrale Verteilstelle für Open-Source-Modelle kontrollieren, über die Entwickler weltweit KI-Modelle beziehen.
Die Marktreaktion auf die Nvidia-Zahlen blieb nicht auf die USA beschränkt. Der europäische Technologiesektor zog um 1,8 Prozent an, angeführt von Infineon mit einem Plus von 3,6 Prozent. Der breite europäische Markt tendierte dagegen schwächer — Anleger hielten sich vor der Rede von Fed-Chef Kevin Warsh beim Notenbanksymposium in Jackson Hole zurück, die am Freitag für Klarheit über den geldpolitischen Kurs sorgen soll.
Für Nvidia bleibt die Kernfrage, ob sich die Margenkompression durch steigende Speicherkosten in den kommenden Quartalen tatsächlich nur als Übergangsphase erweist. Die eigene Prognose einer Erholung auf 72 bis 73 Prozent Bruttomarge bis zum Geschäftsjahr 2028 setzt voraus, dass die milliardenschweren Kapazitätserweiterungen bei SK Hynix, Samsung und Micron rechtzeitig greifen.
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