Oracle: 215 Basispunkte CDS schlagen Aktienanalysten
Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 07:16 Uhr | Redaktion boerse-global.deZwei Zahlen, ein Widerspruch: Oracle sitzt auf einem Auftragsbestand von 638 Milliarden Dollar. Gleichzeitig kostet die Versicherung gegen einen Zahlungsausfall des Konzerns mittlerweile viermal so viel wie im Rest des Investment-Grade-Markts. Wer nur auf die Aktie schaut, sieht eine KI-Erfolgsgeschichte. Wer auf den Anleihenmarkt schaut, sieht ein Unternehmen, das die BondhÀndler zunehmend nervös macht.
Am Mittwoch schloss die Oracle-Aktie bei 103,00 Euro, ein Minus von 2,26 Prozent. Damit liegt der Kurs nur noch 2,22 Prozent ĂŒber dem 52-Wochen-Tief, das erst vor zwei Tagen markiert wurde. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 38 Prozent verloren.
Das ist die eine Seite der Geschichte. Die andere spielt sich in einem Markt ab, den die meisten Privatanleger gar nicht beobachten.
Die Kreditversicherung schlÀgt Alarm
Credit Default Swaps sind im Grunde eine Versicherungspolice gegen die Pleite eines Unternehmens. FĂŒr Oracle sind diese PrĂ€mien zuletzt auf ĂŒber 215 Basispunkte gestiegen. Der Durchschnitt fĂŒr Investment-Grade-Anleihen liegt bei rund 53 Basispunkten. Microsoft und Alphabet bewegen sich in derselben GröĂenordnung wie der Durchschnitt.
Oracle sticht heraus. Und das aus gutem Grund.
Im GeschĂ€ftsjahr 2026 investierte der Konzern 55,7 Milliarden Dollar in Rechenzentren und Infrastruktur. Das Ergebnis: ein negativer freier Cashflow von 23,7 Milliarden Dollar. Bei einer Gesamtverschuldung von etwa 130 Milliarden Dollar hat das auch die Ratingagentur S&P registriert â sie stufte Oracle jĂŒngst auf BBB- herab, die niedrigste noch investmentwĂŒrdige Stufe.
Die Folge: Wer Oracle heute Geld leihen will, verlangt mehr dafĂŒr. Die Rendite der bis 2054 laufenden Anleihen ist binnen eines Jahres um einen vollen Prozentpunkt auf 7,8 Prozent geklettert.
Das Paradox der KI-Wette
Hier liegt der eigentliche Konflikt. Oracle muss aggressiv investieren, um seinen gewaltigen Auftragsbestand abzuarbeiten â die HĂ€lfte davon entfĂ€llt allein auf die Partnerschaft mit OpenAI. Doch genau diese Investitionen sind es, die das Fundament des Unternehmens schwĂ€chen. Je mehr Oracle baut, desto teurer wird das Bauen.
Das zeigt sich inzwischen auch operativ, nicht nur auf dem Papier. In Wisconsin hat die zustĂ€ndige Aufsichtsbehörde fĂŒr neue Rechenzentrumsprojekte eine Kaution von 100 Millionen Dollar verlangt â weil Oracles Rating unter die Schwelle "A-" gefallen ist. Ein Warnsignal, das ĂŒber die Bilanz hinausreicht und in die reale GeschĂ€ftstĂ€tigkeit hineinwirkt.
FĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2027 plant Oracle rund 40 Milliarden Dollar an neuen Schulden oder Kapitalerhöhungen, um eine erwartete Free-Cashflow-LĂŒcke von 42 Milliarden Dollar zu schlieĂen. Genau hier entscheidet sich, wie teuer die KI-Wette am Ende wirklich wird: ĂŒber VerwĂ€sserung der AktionĂ€re oder ĂŒber noch höhere Zinslasten.
Zwei MĂ€rkte, zwei Wahrheiten
Bemerkenswert ist, wie wenig sich Aktienanalysten von den Warnsignalen der AnleihenmĂ€rkte beeindrucken lassen. Das durchschnittliche Kursziel fĂŒr Oracle liegt bei 217,90 Euro â mehr als das Doppelte des aktuellen Kurses. WĂ€hrend AnleihehĂ€ndler das höchste Ausfallrisiko seit Jahren einpreisen, sehen Aktienanalysten eine um rund 40 Prozent unterbewertete Wachstumsstory.
Diese Kluft ist selten so groĂ wie derzeit bei Oracle. Mit einem 14-Tage-RSI von 31,5 gilt die Aktie technisch als ĂŒberverkauft, wĂ€hrend der Kurs fast 29 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt notiert. Kurzfristig also durchaus Erholungspotenzial â aber ĂŒberverkauft heiĂt nicht ungefĂ€hrlich.
Eine Quartalsdividende von 0,50 US-Dollar, zuletzt am 10. Juli 2026 ex-Dividende gegangen, liefert zumindest ein Element an KontinuitĂ€t. Doch das kann nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass sich Oracles GeschĂ€ftsmodell fundamental verschoben hat. Der Konzern ist lĂ€ngst kein reiner Softwareanbieter mehr, sondern ein kapitalhungriger Infrastrukturbetreiber. Ob dieses Modell aufgeht, hĂ€ngt letztlich davon ab, ob die KI-Nachfrage schneller wĂ€chst als die Zinskosten, mit denen Oracle sie finanziert.
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