Oracle Aktie: 40 Milliarden Dollar neue Finanzierung
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 14:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Oracle baut Quantencomputer-Partnerschaften auf, erweitert die Cloud-Präsenz auf 22 AWS-Regionen – und plant gleichzeitig einen neuen Stellenabbau. Für mich ist genau dieser Widerspruch derzeit die eigentliche Geschichte hinter der Aktie, nicht die einzelnen Nachrichtenmeldungen der vergangenen Tage.
Der Kurs notiert heute bei 122,72 Euro, ein Minus von 3,1 Prozent allein am heutigen Handelstag. Seit Jahresbeginn steht ein Verlust von 26 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar 43 Prozent. Wer das mit dem 52-Wochen-Hoch von 294,85 Euro im September vergleicht, sieht einen Kursverfall, der kaum als Korrektur, sondern als Vertrauenskrise zu lesen ist.
Die Wachstumsgeschichte ist intakt – zumindest auf dem Papier
Fangen wir mit dem an, was für Oracle spricht. Im vergangenen Geschäftsjahr wuchs der Konzern um 17 Prozent auf einen Rekordumsatz von 67,4 Milliarden Dollar, das Cloud-Geschäft legte sogar um 39 Prozent auf 34,0 Milliarden Dollar zu.
Für das laufende Geschäftsjahr hält Oracle an der Umsatzprognose von 90 Milliarden Dollar fest und hob die Gewinnprognose je Aktie sogar auf 8,05 Dollar an. Das ist beeindruckend – und es erklärt, warum Oracle munter neue Partnerschaften schmiedet: Die erweiterte Kollaboration mit Amazon Web Services rund um die Oracle AI Database, jetzt verfügbar in 22 AWS-Regionen, sowie die frisch verkündete Allianz mit Quantinuum, die Kunden Zugang zum Quantencomputer Helios verschaffen soll, unterstreichen den Anspruch, technologisch vorne mitzuspielen.
Nur: Wachstum dieser Größenordnung kostet Geld, sehr viel Geld. Oracle nahm im vergangenen Geschäftsjahr 43 Milliarden Dollar an Fremdkapital und 5 Milliarden Dollar an Eigenkapital auf. Für das laufende Jahr plant der Konzern weitere rund 40 Milliarden Dollar an Finanzierung, unter anderem über ein bereits angekündigtes Aktienprogramm von 20 Milliarden Dollar.
Für mich ist das der Punkt, an dem die Begeisterung über neue Technologiepartnerschaften an ihre Grenzen stößt: Ein Unternehmen, das seinen Ausbau derart fremdfinanziert stemmt, steht unter einem Druck, der sich irgendwann in den Zahlen niederschlagen muss.
Sparkurs mitten im Investitionsrausch
Genau hier setzt die zweite große Nachricht der vergangenen Tage an. Medienberichten zufolge plant Oracle für diesen Monat einen neuen Stellenabbaurunde, um die Personalkosten vor dem Start des zweiten Fiskalquartals am 1. September zu senken – einzelne Teams sollen zweistellige Kürzungen erfahren.
Dass ein Unternehmen mitten im größten Investitionszyklus seiner Geschichte gleichzeitig Personal abbaut, um Kapital für den Aufbau von Rechenzentren freizuschaufeln, spricht für mich weniger für unternehmerische Konsequenz als für einen spürbaren finanziellen Balanceakt.
Am 12. August senkte JPMorgan-Analyst Samik Chatterjee sein Kursziel für Oracle von 210 auf 200 Dollar, beließ die Einstufung aber bei Overweight. Das liest sich zunächst wie ein kleiner Dämpfer, doch die Beibehaltung der optimistischen Einstufung zeigt, dass die grundsätzliche Wachstumsstory an der Wall Street noch nicht infrage gestellt wird – nur die Bewertung der kurzfristigen Risiken hat sich verschoben.
Auch am Kapitalmarkt selbst gibt es Anzeichen für nachlassendes Vertrauen einzelner Investoren: Wealthcare Advisory Partners reduzierte seine Oracle-Position laut einer Pflichtmitteilung um 28,4 Prozent. Ein einzelner Verkauf ist kein Signal, aber im Kontext der übrigen Entwicklungen fügt er sich in ein Bild zunehmender Vorsicht ein.
Unterm Strich
Die technologische Substanz von Oracle wirkt für mich unverändert stark – Cloud-Wachstum, prominente Partnerschaften und eine selbstbewusste Umsatzprognose sprechen dafür, dass der Konzern strategisch nicht die Orientierung verloren hat.
Doch die Kombination aus massiver Schuldenaufnahme, angekündigtem Stellenabbau und einem Kurs, der rund 58 Prozent unter seinem Jahreshoch notiert, deutet darauf hin, dass der Markt die Finanzierungsrisiken derzeit stärker gewichtet als die Wachstumschancen.
Ob sich dieses Verhältnis wieder zugunsten der Wachstumsstory verschiebt, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie glaubwürdig Oracle in den kommenden Quartalen belegen kann, dass die milliardenschweren Investitionen tatsächlich in profitables Cloud-Geschäft münden – und nicht nur in weiter wachsende Schulden.
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