Oracle, Aktie

Oracle Aktie: 55,7 Milliarden Dollar Investitionen belasten Cashflow

Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 13:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Oracles Milliarden-Investitionen in KI-Infrastruktur führen zu negativem Cashflow und steigender Verschuldung, was die Aktie belastet.

Oracle-Aktie: Hohe Schulden belasten den KI-Wachstumskurs
Abstrakte Darstellung eines modernen Rechenzentrums mit leuchtenden Server-Racks als Symbol für IT-Infrastrukturinvestitionen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Oracle steckt in einer Zwickmühle. Auf der einen Seite steht das große Versprechen der KI-Infrastruktur. Auf der anderen Seite eine Bilanz, die zunehmend unter der Last dieser Wette ächzt. Für mich ist das derzeit der zentrale Widerspruch bei diesem Titel: Wachstum auf dem Papier, Substanzverlust in der Kasse.

Die Aktie notiert bei 103,16 Euro und damit nur noch 2,38 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn hat der Titel fast 38 Prozent verloren. Das ist kein normaler Rücksetzer, sondern ein tiefer Vertrauensverlust in die Finanzierbarkeit der Wachstumsstrategie.

Die Rechnung für den Infrastruktur-Ausbau

Der Kern des Problems liegt in den Investitionskosten. Im Geschäftsjahr 2026 sind die Investitionsausgaben auf 55,7 Milliarden Dollar geschossen, nach 21,2 Milliarden im Jahr davor. Das Ergebnis: ein negativer freier Cashflow von 23,7 Milliarden Dollar.

Um diese Lücke zu stopfen, hat sich Oracle massiv verschuldet. 43 Milliarden Dollar an neuen Anleihen gab das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr aus, für 2027 sind weitere 40 Milliarden geplant. Das wird zunehmend teuer. Der Stress-Index der New York Fed für Investment-Grade-Anleihen erreichte im Juli 2026 seinen höchsten Stand seit elf Monaten. Oracles eigene Credit-Default-Swaps kletterten auf 215 Basispunkte, Anleihen mit Fälligkeit 2054 rentieren mittlerweile bei 7,8 Prozent.

Kurz gesagt: Fremdkapital wird für Oracle von Monat zu Monat teurer. Genau das dürfte die Gewinne auf Jahre belasten.

Ein Auftragsbestand auf dünnem Eis

Optimisten verweisen gern auf den gigantischen Auftragsbestand von 638 Milliarden Dollar, ein Plus von 363 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Qualität dieser Zahl steht für mich allerdings zunehmend in Frage. Berichten zufolge entfällt rund die Hälfte dieser Verpflichtungen allein auf OpenAI.

Analysten von DA Davidson haben festgestellt, dass Teile des Marktes diesen KI-Auftragsbestand faktisch mit null bewerten. Die Sorge dahinter: zirkuläre Nachfrage. Große KI-Anbieter finanzieren sich gegenseitig über Hardware-Käufe und Cloud-Verträge, ohne dass am Ende echte Endkundennachfrage steht. Sollte sich die tatsächliche Nutzung der KI-Dienste nicht so schnell monetarisieren lassen wie die Infrastruktur wächst, könnten die 638 Milliarden Dollar deutlich fragiler sein, als die Schlagzeile suggeriert.

Charttechnik und Rating-Herabstufung

Die technischen Signale bleiben schwach. Die Aktie liegt gut 63 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 280,70 Euro und rund 28 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Ein RSI von 31,8 signalisiert zwar eine überverkaufte Lage. Das fundamentale Problem lösen technische Erholungssignale allein aber nicht.

S&P hat Oracle jüngst auf die niedrigste Investment-Grade-Stufe herabgestuft. Begründet wurde das mit der steigenden Verschuldung und dem verstärkten Rückgriff auf sogenannte ATM-Programme zur Aktienausgabe. In Kombination mit einer annualisierten Volatilität von 47 Prozent sprechen die Vorzeichen für mich eher für anhaltende Unruhe als für eine schnelle Stabilisierung.

Mein Fazit: Ein Kurs zwischen zwei Welten

Das Analystenkursziel liegt im Schnitt bei 217,90 Euro, ein rechnerisches Aufwärtspotenzial von gut 111 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Diese Kluft zeigt, wie weit optimistische Langfrist-Modelle und die akute Marktangst mittlerweile auseinanderliegen.

Neue technische Funktionen wie EBCDIC-Kompatibilität für IBM-Mainframe-Migrationen oder eine erweiterte AWS-Anbindung stärken zwar Oracles Wettbewerbsposition. Das ungelöste Cashflow-Problem beseitigen sie damit aber nicht.

Solange Oracle keinen glaubwürdigen Weg zurück zu einem positiven freien Cashflow zeigt, ohne dabei immer neue Milliarden-Anleihen aufzunehmen, bleibt für mich Vorsicht das Gebot der Stunde. Die hohen Kosten der KI-Dominanz zahlen aktuell vor allem die Aktionäre und die Bonität des Unternehmens.

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