Oracle, Aktie

Oracle Aktie: Rating auf BBB- herabgestuft

Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 14:56 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Oracle plant weitere Entlassungen, während die Verschuldung durch milliardenschwere KI-Investitionen steigt. S&P senkt das Rating, der Free-Cashflow bleibt negativ.

Oracle-Aktie: KI-Expansion trifft auf Personalabbau und Rating-Druck
Abstrakte Darstellung einer Finanzanalyse mit gedimmtem Licht und reflektierender Glaskugel auf einem Bürotisch. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Oracle steckt in einem Balanceakt, der für mich immer schwerer aufzugehen scheint. Auf der einen Seite pumpt der Konzern Milliarden in KI-Infrastruktur, auf der anderen Seite muss offenbar beim Personal gespart werden, um genau diese Ausgaben zu stemmen. Diese Gegenläufigkeit ist für mich die eigentliche Geschichte hinter der Aktie an diesem Mittwoch.

Business Insider berichtete laut India Today, dass Oracle eine neue Entlassungswelle plant. Manager sollen demnach angewiesen worden sein, vor Beginn des zweiten Geschäftsquartals am 1. September Mitarbeiter für Kürzungen im zweistelligen Prozentbereich in einzelnen Teams zu identifizieren. Das ist kein Einzelfall, sondern Fortsetzung eines Musters: In den Geschäftsberichten bestätigte Oracle bereits, im Geschäftsjahr 2026 rund 21.000 Vollzeitstellen abgebaut zu haben, 13 Prozent der Belegschaft, durch Kündigungen und natürliche Fluktuation. Am Ende des Jahres blieben 141.000 Beschäftigte.

Woher der Spardruck kommt

Der Grund für die Kürzungen liegt für mich auf der Hand, wenn man sich die Finanzierungsseite ansieht. Laut TipRanks nahm Oracle im Geschäftsjahr 2026 insgesamt 43 Milliarden Dollar an Fremdkapital und weitere 5 Milliarden Dollar über Aktienverkäufe auf, um Investitionen von 55,7 Milliarden Dollar zu finanzieren.

Am Ende stand ein Free-Cashflow-Defizit von 23,7 Milliarden Dollar. Das ist eine Lücke, die man nicht endlos offenlassen kann, ohne die Bilanzqualität zu belasten.

Genau hier setzt auch S&P Global Ratings an: Die Agentur stufte Oracles Kreditrating laut Reuters kürzlich auf BBB- herab, nur eine Stufe über Ramsch-Niveau. Begründet wurde dies mit der steigenden Verschuldung aus 260 Milliarden Dollar an Rechenzentrums-Leasingverpflichtungen und der schuldenfinanzierten KI-Expansion.

Für mich ist das ein deutliches Warnsignal, dass die aggressive Wachstumsstrategie ihren Preis hat – und dieser Preis wird nun offenbar teilweise über den Personalabbau kompensiert.

Wachstumsgeschichten bleiben, aber die Substanz zählt

Man muss fair bleiben: Oracle sammelt weiterhin beeindruckende Partnerschaften und Aufträge ein. Quantinuum kündigte eine mehrjährige strategische Partnerschaft an, um seinen Quantencomputer Helios in einem US-Rechenzentrum der Oracle Cloud Infrastructure zu integrieren – ein Signal für hybride Quanten-KI-Workloads.

Das US-Kriegsministerium vergab zudem einen Zehnjahresvertrag mit einem potenziellen Gesamtwert von bis zu 6,99 Milliarden Dollar. Auch die Kooperation mit Google Cloud, die Gemini-Modelle in die Oracle AI Agent Studio integriert, zeigt, dass Oracle im KI-Ökosystem nicht abgehängt ist.

Doch diese Erfolge lösen für mich das Grundproblem nicht: Die Kapitalintensität wächst schneller als der freie Cashflow. UBS bekräftigte am 6. August zwar ihre Kaufempfehlung, senkte aber das Kursziel von 260 auf 245 Dollar – mit Verweis auf genau diese Sorgen um Kapitalintensität und Verschuldungsgrad.

Auch institutionelle Investoren bewegen sich uneinheitlich: Manche Fonds wie Avity Investment Management stockten ihre Positionen deutlich auf, während frühere Insider-Verkäufe, etwa durch Vize-Chairman Jeffrey Henley im Juni, zeigen, dass nicht jeder im Unternehmen von weiter steigenden Kursen ausgeht.

Was der Kurs gerade widerspiegelt

Der Aktienkurs notiert aktuell bei 128,58 Euro und damit 1,92 Prozent im Plus gegenüber dem Vortag – ein kleiner Erholungsimpuls nach den schweren Wochen. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Plus von 11,00 Prozent, was zeigt, dass sich die Aktie von ihren Tiefs zumindest kurzfristig etwas lösen konnte. Der Blick aufs Jahr bleibt allerdings ernüchternd: Seit Jahresbeginn liegt Oracle satte 22,64 Prozent im Minus.

Mein Fazit

Für mich überwiegen aktuell die Risiken. Die Kombination aus Rating-Herabstufung, Cashflow-Defizit und nun offenbar erneuten Personalkürzungen spricht dafür, dass Oracle seine ambitionierte KI-Strategie noch nicht auf soliden finanziellen Beinen abgesichert hat.

Die Aufträge und Partnerschaften sind real und beeindruckend, aber sie ändern nichts an der Tatsache, dass der Konzern derzeit mehr Geld verbrennt, als er einnimmt. Bis sich das Verhältnis zwischen Investitionen und operativem Cashflow deutlich verbessert, bleibt die Aktie für mich ein Wert mit Fragezeichen – trotz aller Wachstumsstorys im Hintergrund.

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