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Oracle Aktie: TD Cowen senkt Ziel auf 240 Dollar

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 01:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Oracle baut in Indien rund 3.000 Stellen ab, erhÀlt ein niedrigeres Kursziel und gerÀt wegen seiner Lizenzpraxis ins Blickfeld der EU.

Moderner Rechenzentrums-Serverraum mit langen Reihen beleuchteter ServerschrÀnke
Oracle Corporation US68389X1054 zeigt einen modernen, realistisch fotografierten Rechenzentrums-Serverraum mit beleuchteten ServerschrÀnken und Kabeln Illustration mit AI erstellt.

Zwei Wochen, zwei Gesichter. WĂ€hrend Oracle im Rampenlicht der großen KI-Wette steht, kĂŒrzt der Konzern im Stillen Stellen und gerĂ€t ins Visier der EU-WettbewerbshĂŒter. Diese Gleichzeitigkeit erzĂ€hlt mehr ĂŒber den Zustand der Tech-Branche als jede einzelne Meldung fĂŒr sich.

Am 1. September wurde bekannt, dass Oracle Medienberichten zufolge rund 3.000 ArbeitsplĂ€tze in Indien streicht. Das setzt einen bereits im laufenden GeschĂ€ftsjahr begonnenen Personalabbau fort. Kein Konzern, der auf Wachstumskurs euphorisch expandiert, spart in dieser GrĂ¶ĂŸenordnung an der Belegschaft.

Der Schritt passt eher zu einem Unternehmen, das intern kalkuliert, wie teuer der KI-Umbau wirklich wird – und wo das Geld eingespart werden muss, damit es an anderer Stelle in Rechenzentren und Chips fließen kann.

BrĂŒssel schaut genauer hin

Am selben Tag berichtete Reuters, dass die EuropĂ€ische Kommission informell Informationen zu Oracles Software-Lizenzierungspraxis einholt. Eine formelle Untersuchung ist das noch nicht, aber solche VorprĂŒfungen sind selten Zufall.

FĂŒr ein Unternehmen, dessen GeschĂ€ftsmodell traditionell auf komplexen Lizenzstrukturen fußt, ist das ein Warnsignal, das man nicht ignorieren sollte – auch wenn es die Aktie an diesem Tag nicht offensichtlich bewegt hat.

Die KapitalmĂ€rkte reagierten dagegen unmissverstĂ€ndlich auf ein drittes Ereignis desselben Tages: TD Cowen senkte sein Kursziel fĂŒr Oracle von 300 auf 240 US-Dollar. Die Aktie gab daraufhin um etwa 4,1 Prozent nach, wie ein Marktbericht unter Verweis auf die Analystennotiz festhielt.

Interessant dabei: Die BegrĂŒndung stĂŒtzte sich nicht auf Zweifel am Wachstum selbst, sondern verwies auch auf die im GeschĂ€ftsjahr 2026 erzielte Umsatz- und Cloud-Infrastruktur-Wachstumsdynamik. Es ist also weniger ein Vertrauensverlust in Oracles KI-Geschichte als eine Neubewertung dessen, was fĂŒr dieses Wachstum bezahlt werden muss.

Der Markt tickt trotzdem im Rausch

Und dann, keine zwei Tage spĂ€ter, das Gegenteil: Am 3. September legte die Aktie um rund sechs Prozent zu, nachdem US-Notenbankgouverneur Christopher Waller Offenheit fĂŒr stabile Zinsen signalisiert hatte.

Reuters ordnete diese Bewegung als Teil einer breiten Marktrally ein, nicht als Reaktion auf unternehmensspezifische Nachrichten. Das zeigt, wie stark Oracle inzwischen zum Stellvertreter fĂŒr die gesamte KI-Story am Markt geworden ist – die Aktie schwankt oft mehr mit der Zinserwartung und der Stimmung rund um Hyperscaler als mit eigenen operativen Meldungen.

Genau das war laut Reuters auch der Grund, warum die fĂŒr Donnerstag angekĂŒndigten Quartalszahlen zum ersten Fiskalquartal 2027 zu einem Fixpunkt fĂŒr die gesamte KI-Handelsstimmung wurden – die Ergebnisse galten als Signalgeber dafĂŒr, ob der KI-Ausgabenzyklus der Hyperscaler intakt bleibt.

Was bleibt, wenn der Rausch verfliegt

Die Kursspanne der vergangenen Monate erzĂ€hlt die Geschichte dieser Ambivalenz sehr deutlich: Das 52-Wochen-Hoch von 294,85 Euro liegt inzwischen mehr als die HĂ€lfte ĂŒber dem aktuellen Niveau von 140,06 Euro, wĂ€hrend der Titel gegenĂŒber dem 52-Wochen-Tief von 100,76 Euro immerhin rund 39 Prozent Erholung zeigt.

Auf Jahressicht steht dennoch ein Minus von 16 Prozent zu Buche, ĂŒber zwölf Monate sogar von 32 Prozent. Die Aktie bewegt sich derzeit knapp unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 144,63 Euro, ein Zeichen dafĂŒr, dass die mittelfristige Tendenz noch nicht eindeutig gedreht hat.

Diese Zahlen fassen zusammen, was Personalabbau, EU-PrĂŒfung und Kurszielsenkung im Kern bedeuten: Oracle ist zum PrĂŒfstein dafĂŒr geworden, ob sich Milliardeninvestitionen in Rechenleistung tatsĂ€chlich in nachhaltige ErtrĂ€ge ĂŒbersetzen lassen – oder ob am Ende nur die Kosten bleiben, wĂ€hrend der Rausch abklingt. Diese Frage wird die Aktie noch lĂ€nger begleiten, unabhĂ€ngig davon, wie einzelne Quartale ausfallen.

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