Palantir Aktie: Alex Karp wird Ukraine-Großinvestor
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 01:20 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Palantir hat mit seinen Quartalszahlen einen kräftigen Wachstumsschub bestätigt – und steht gleichzeitig im Zentrum geopolitischer und regulatorischer Debatten. Der Softwarekonzern meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatzsprung von 93 Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar, angetrieben von der Verteidigungssparte Maven AI, die sich einem Jahresumsatz von einer Milliarde Dollar nähert.
Das US-Commercial-Segment legte um 149 Prozent auf 764 Millionen Dollar zu. Das Management hob die Prognose an, der Non-GAAP-Gewinn je Aktie stieg um 215 Prozent.
Die Aktie notiert aktuell bei 156,06 Euro und büßt am heutigen Dienstag 2,9 Prozent ein, nachdem sie am Vortag noch bei 160,66 Euro geschlossen hatte. Über sieben Handelstage steht dennoch ein Plus von 5,5 Prozent zu Buche, über 30 Tage sogar von 43 Prozent – ein Ausdruck der starken Kursreaktion auf die Zahlen und die angehobene Guidance.
Karp mischt sich in ukrainische Verteidigungsindustrie ein
Für Schlagzeilen abseits der Bilanz sorgt Palantir-Chef Alex Karp: Der ehemalige ukrainische Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov kündigte an, Karp werde erster Großinvestor eines neuen ukrainischen Verteidigungsunternehmens, das an Robotik, KI-gestützten Raketen und Drohnen arbeiten soll.
Ein entsprechendes Treffen fand am heutigen Dienstag in Washington statt. Damit vertieft Karp sein persönliches Engagement in der ukrainischen Rüstungsindustrie, während Palantir selbst bereits als Technologiepartner der Ukraine gilt – ukrainische Streitkräfte setzen unter anderem auf US-Technologie wie Starlink und Palantir-Systeme für ihre Drohnenoperationen, was Offiziere angesichts möglicher Abschaltungsrisiken durch die USA beunruhigt.
Diese enge Verzahnung mit westlicher Verteidigungspolitik ist zugleich Wachstumstreiber und Reputationsrisiko. Während Maven AI in den USA prächtig läuft, gerät Palantir in Europa zunehmend in die Kritik: Ein Bericht wirft der EU-Beschaffungspraxis vor, öffentliche Gelder an Palantir zu vergeben, während der Konzern nach eigenen Zahlen für 2025 nur einen effektiven Steuersatz von 1,4 Prozent auf einen Vorsteuergewinn von 1,66 Milliarden Dollar zahlte.
In Großbritannien erhielt Palantir Verträge im Wert von mindestens 670 Millionen Pfund, fast die Hälfte davon mit dem staatlichen Gesundheitsdienst NHS.
Die EU-Kommission plant für den 9. September eine Reform ihrer Vergaberichtlinien – ein Thema, das Palantirs öffentliche Auftragspipeline in Europa künftig beeinflussen dürfte.
Bewertung bleibt hoch, Analysten uneins über weiteres Potenzial
Trotz der operativen Stärke bleibt die Bewertung ambitioniert: Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei 73, das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 264. Der Analysten-Median für das Kursziel liegt bei 205 Dollar bei 36 beobachtenden Häusern, ein Autor bei Fool.com sieht sogar 222 Dollar als Ziel und damit rund 20 Prozent Potenzial gegenüber dem damaligen Kursniveau.
Die Aktie bleibt mit einem Abstand von 13 Prozent zum 52-Wochen-Hoch von 179,98 Euro, das erst Anfang November erreicht wurde, weiterhin volatil unterwegs.
Palantirs sogenannte "Rule of 40" – die Summe aus Umsatzwachstum und Marge – erreichte laut den Quartalszahlen einen Wert von 155, ein außergewöhnlich hoher Wert, der die operative Dynamik unterstreicht.
Für Anleger bleibt die zentrale Frage, ob dieses Tempo angesichts der geopolitischen Verflechtungen und der wachsenden regulatorischen Aufmerksamkeit in Europa nachhaltig zu halten ist. Karps persönliches Engagement in der Ukraine dürfte diese Debatte in den kommenden Wochen zusätzlich befeuern.
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