Palantir, Aktie

Palantir Aktie: Kursziele reichen bis 255 Dollar

Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 14:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Palantir verzeichnet starke Kursgewinne, während Analysten extreme Kursziele von 80 bis 255 Dollar setzen. CEO Karp kritisiert KI-Konkurrenten.

Palantir-Aktie: Uneinige Analysten, Rekordrally und scharfe KI-Kritik
Abstrakte Darstellung von modernem Architekturdesign und optimistischem Marktwachstum bei Sonnenaufgang. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Selten fällt das Urteil der Wall Street zu einer Aktie so widersprüchlich aus wie derzeit bei Palantir. Während die Deutsche Bank nach den jüngsten Quartalszahlen ihre Einschätzung von Verkaufen auf Kaufen dreht, bleibt Jefferies bei seinem skeptischen Underperform-Rating. Beide Häuser haben dieselben Zahlen vor sich liegen – und kommen zu völlig entgegengesetzten Schlüssen.

Am Aktienmarkt hat das die Rally zunächst nicht gebremst. Am Freitag schloss das Papier in Frankfurt bei 148,84 Euro, ein Tagesplus von 9,88 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 39,47 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 72,2 signalisiert allerdings eine überkaufte Marktlage – ein technisches Warnsignal, das die Debatte um die Bewertung zusätzlich befeuert.

Vier Kursziele, eine Aktie

Die Deutsche Bank stufte Palantir auf Kaufen hoch und nennt ein Kursziel von 200 Dollar, was nach Angaben des Analysten Brad Zelnick einem Aufwärtspotenzial von rund 59 Prozent entspricht. Jefferies dagegen erhöhte sein Kursziel lediglich von 70 auf 80 Dollar und beließ die Einstufung bei Underperform. Die Begründung: Das Setup werde schwieriger, da die Vergleichsbasis für künftige Quartale nun deutlich höher liege. Morningstar siedelt den fairen Wert bei 153 Dollar an und warnt, es bleibe „wenig Raum für Fehler". BofA wiederum ruft ein Kursziel von 255 Dollar aus – die gesamte Bandbreite der Einschätzungen reicht damit von deutlich unter bis weit über dem aktuellen Kursniveau.

Diese Spannbreite spiegelt eine grundsätzliche Uneinigkeit darüber wider, wie stark das operative Wachstum die hohe Bewertung noch rechtfertigen kann. Auffällig ist zudem eine Verschiebung im Investorenlager: Der als Short-Seller bekannte Investor Michael Burry hat seine Wetten gegen Palantir zuletzt reduziert, während er zugleich Microsoft-Aktien verkaufte und seine Oracle-Shortposition auflöste. Ein Grund für die Diskussion um die Bewertung dürfte im Vergleich liegen – Palantir wird demnach mit dem 86,2-Fachen des erwarteten Gewinns gehandelt, gegenüber dem 25-Fachen bei Microsoft und dem 18,1-Fachen bei Oracle.

Karp attackiert die eigene Zulieferbranche

Auch abseits der Zahlen sorgt Palantir-Chef Alex Karp für Aufsehen. Er bezeichnete das jüngste Quartal als „otherworldly" und verwies auf einen sogenannten Rule-of-40-Score von 155 – eine Kennziffer, die Wachstum und Profitabilität zusammenfasst. Zugleich griff Karp führende KI-Labore scharf an. Anbieter wie OpenAI und Anthropic würden versuchen, Unternehmen über token-basierte Preismodelle und Infrastruktur-Abhängigkeiten dauerhaft an sich zu binden – Karp formulierte es als Versuch, Kunden „süchtig zu machen" nach einer Zukunft, die diese Anbieter zu kontrollieren glaubten. OpenAI und Anthropic wiesen zurück, standardmäßig mit Kundendaten zu trainieren.

Die Aussage lässt sich auch als strategische Positionierung lesen: Palantir wirbt zunehmend mit seiner Rolle als unabhängige Software-Schicht, die Kunden nicht an einen einzelnen Modell-Anbieter kettet. Diese Erzählung von „AI-Souveränität" dürfte auch bei institutionellen und staatlichen Kunden auf Resonanz stoßen, für die Abhängigkeiten von einzelnen Technologiekonzernen ein Risiko darstellen.

Woher die Skepsis kommt

Dass Jefferies trotz starker Zahlen bei seiner negativen Einstufung bleibt, zeigt: Ein Teil der Wall Street sieht im aktuellen Kursniveau bereits sehr viel künftiges Wachstum eingepreist. Insider hatten in den vergangenen 90 Tagen Aktien im Wert von über 150 Millionen Dollar verkauft – ein Umstand, der in der aktuellen Bewertungsdiskussion mitschwingt, auch wenn er für sich genommen keine neue Entwicklung darstellt. Für Anleger bleibt damit die zentrale Frage, ob Palantir sein bisheriges Tempo bei US-Kommerzialkunden und Regierungsaufträgen auch in den kommenden Quartalen halten kann – oder ob die von Jefferies angesprochenen schwereren Vergleichswerte das Wachstumstempo bereits im laufenden Jahr bremsen.

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