Pilgrim's Pride Aktie: JBS will den Rest
Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 01:59 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der brasilianische Fleischkonzern JBS macht ernst: Er will Pilgrim's Pride vollständig übernehmen und den US-Geflügelproduzenten von der Nasdaq nehmen. Ein Angebot, das die verbleibenden Minderheitsaktionäre nun genau prüfen dürfen.
JBS besitzt bereits rund 82 Prozent der Anteile an Pilgrim's Pride. Für die restlichen Aktien bietet der Konzern einen Umtausch: 2,086 JBS-Aktien der Klasse A pro Pilgrim's-Pride-Aktie. Auf Basis der Schlusskurse vom Dienstag entspricht das einem Wert von 28,49 Dollar je Pilgrim's-Pride-Anteil – exakt dem Kurs, zu dem die Aktie zuletzt gehandelt wurde.
Ein nicht-bindendes Angebot mit Hürden
Wichtig: Es handelt sich um einen unverbindlichen Vorschlag, kein festes Übernahmeangebot. Bevor irgendetwas passiert, muss ein noch zu benennender Sonderausschuss aus unabhängigen Pilgrim's-Pride-Direktoren die Offerte bewerten, unterstützt von eigenen Rechts- und Finanzberatern.
Zusätzlich braucht JBS die Zustimmung der Mehrheit jener Stimmen, die von nicht mit JBS verbundenen Pilgrim's-Pride-Aktionären abgegeben werden. Die JBS-Aktionäre selbst müssen dem Deal nicht zustimmen.
Sollte die Transaktion durchgehen, verschwindet Pilgrim's Pride von der Nasdaq und wird aus dem Handelsregister gestrichen. JBS begründet den Schritt mit Kosteneinsparungen durch den Wegfall der Börsennotierung sowie mit dem Zugang zu einer liquideren, breiter aufgestellten Aktie. Auf Finanzierungsseite berät die Citigroup den Konzern, während White & Case als Rechtsberater fungiert.
Der Vorstoß kommt in einer bewegten Phase für beide Unternehmen. JBS hatte erst kurz zuvor eine Kartellrechtseinigung verdaut und musste einen unerwarteten Quartalsverlust melden, belastet auch durch enge Rindfleisch-Lieferketten in den USA.
Pilgrim's Pride wiederum berichtete zuletzt über schwächere Quartalsumsätze wegen nachlassender Hühnchen-Nachfrage – und hatte parallel den Zukauf von Walker's Deli & Sausage Company für rund 142 Millionen Dollar eingefädelt. JBS-Chairman Jeremiah O'Callaghan verwies auf die seit über 16 Jahren bestehende Partnerschaft beider Firmen als Basis für die geplante Integration.
Die Aktien beider Unternehmen legten im nachbörslichen Handel um jeweils etwa ein Prozent zu, nachdem die Nachricht bekannt wurde.
Der Sonderausschuss von Pilgrim's Pride muss nun das Angebot bewerten. Ob die Minderheitsaktionäre den Umtauschkurs von 2,086 JBS-Aktien als fair erachten, dürfte die entscheidende Frage der kommenden Wochen sein – zumal JBS selbst einräumt, dass Zeitpunkt und Abschluss der Transaktion ungewiss bleiben.
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