Rheinmetall Aktie: ATACMS-Produktion mit Lockheed Martin in Unterluess
Veröffentlicht am: 16.08.2026 um 11:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Rheinmetall baut seine internationale Position im Verteidigungsgeschäft an mehreren Fronten gleichzeitig aus. Der Kurs legte nach dem Halbjahresbericht vom vergangenen Donnerstag um 2,7 Prozent zu.
Gemeinsame Raketenproduktion mit Lockheed Martin
Rheinmetall und Lockheed Martin haben eine Absichtserklärung für die gemeinsame Fertigung von ATACMS-Raketen am Standort Unterluess in Norddeutschland unterzeichnet. Der Aufbau der Produktionsanlage ist für 2027 vorgesehen, erste Umsätze sollen laut Defense News 2028 anfallen.
Konzernchef Armin Papperger stellte klar, dass der Hochlauf mehrere Jahre in Anspruch nehmen werde.
Parallel dazu bekräftigte Papperger gegenüber Defense News Interesse an einer Übernahme der Militärfahrzeug-Sparte Iveco von Leonardo aus Italien. Konkrete Gespräche stehen jedoch unter Vorbehalt: Sie hängen vom künftigen Leonardo-Chef Lorenzo Mariani ab, dessen Amtsantritt die Verhandlungen erst ermöglichen soll.
Ein weiterer Baustein für die deutsche Fertigungsbasis zeichnet sich beim Boxer-Radfahrzeug ab – laut Berichten erwartet Rheinmetall die Unterzeichnung eines Milliardenvertrags mit der Bundeswehr im Rahmen des Projekts Arminius noch bis Jahresende. Die parlamentarische Behandlung ist für den 9. Dezember 2026 terminiert.
US-Geschäft mit autonomen Fahrzeugen
Auch in den Vereinigten Staaten expandiert der Konzern. Die Tochter American Rheinmetall erhielt von der US-Armee im Rahmen des Programms „Project Sustainment" einen 18-monatigen Entwicklungs- und Bereitstellungsauftrag für autonome unbemannte Bodenfahrzeuge zur taktischen Nachschubversorgung.
Der Vertrag enthält Optionen auf Folgeaufträge – ein Muster, das sich bei Rheinmetall zuletzt häufiger zeigte, etwa auch beim zweistelligen Millionenauftrag Dänemarks für das Täuschkörpersystem MASS, dessen Lieferungen ab dem vierten Quartal 2027 erfolgen sollen.
Diese Diversifizierung über mehrere Kontinente und Produktlinien hinweg passt zum Bild, das der Halbjahresbericht bereits gezeichnet hatte: ein Auftragsbestand von 80,5 Milliarden Euro, der trotz der Streichung des F126-Fregattenprogramms und der daraus resultierenden Guidance-Kürzung um 300 Millionen Euro Umsatz für 2026 substanziell blieb.
Konzern zwischen Wachstumstempo und Kapazitätsgrenzen
Die Fülle an parallelen Projekten – von der Marinesparte über gepanzerte Fahrzeuge bis zu Raketenwerken und unbemannten Systemen – unterstreicht den Anspruch, sich als europäisches Systemhaus über nahezu alle Rüstungssegmente zu positionieren. Zugleich wirft das Tempo Fragen zur Kapazitätsauslastung auf, die bereits im Halbjahresbericht mit einer operativen Marge von 15,0 Prozent gegenüber 12,1 Prozent im Vorjahreszeitraum sichtbar wurden.
Der Kurs notiert nach der jüngsten Erholung von 25 Prozent binnen 30 Tagen bei 1.207,00 Euro und damit rund 40 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch vom 3. Oktober 2025. Die Aktie bleibt damit auch nach der Serie internationaler Vertragsmeldungen deutlich von ihrem Rekordniveau entfernt, während der operative Ausblick auf eine Marge von rund 19 Prozent für das Gesamtjahr unverändert bestätigt ist.
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