Rheinmetall, Aktie

Rheinmetall Aktie: JPMorgan warnt vor Auftragsrisiken

Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 15:29 Uhr | Redaktion boerse-global.de

JPMorgan belässt Rheinmetall auf 'Neutral' und warnt vor Unsicherheiten bei Auftragsbestand und Investitionen. Die Aktie notiert bei 1.169,80 Euro.

JPMorgan bleibt bei Rheinmetall neutral: Kursziel 1.350 Euro trotz Unsicherheiten
Abstrakte Darstellung einer modernen Industrieanlage mit atmosphärischer Beleuchtung und metallischen Texturen. Illustration mit AI erstellt.

JPMorgan hat die Einstufung für Rheinmetall heute bei „Neutral" belassen, das Kursziel liegt bei 1.350 Euro. Analyst David Perry warnt in seiner aktuellen Einschätzung vor wachsenden Unsicherheiten rund um die Erwartungen an den Auftragsbestand sowie die geplanten Investitionsausgaben für 2027 und 2028. Die Aktie notiert aktuell bei 1.169,80 Euro und gibt damit heute 0,9 Prozent nach.

Die Warnung trifft einen Rüstungskonzern, dessen Kurs sich seit dem Jahrestief im Juni zwar erholt hat, gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro vom 3. Oktober aber weiterhin 42 Prozent zurückliegt. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 25 Prozent zu Buche. Der jüngste Kursverlauf zeigt damit auch ein Jahr voller Gegensätze zwischen Rekordauftragsbüchern und regulatorischen Rückschlägen.

Investitionsquote und Backlog im Fokus

Perrys Skepsis richtet sich vor allem auf die Frage, wie belastbar die ambitionierten Wachstumspläne des Konzerns tatsächlich sind. Auch das Analysehaus mwb research hatte Anfang August seine Einstufung von „Hold" auf „Sell" gesenkt und das Kursziel von 1.150 auf 1.050 Euro reduziert.

Als Begründung nannten die Analysten ein ungünstigeres Chance-Risiko-Verhältnis sowie Kritik an einer halbierten Investitionsquote von 8 bis 9 Prozent und einem gesenkten Backlog-Ziel.

Gegenläufig positioniert sich Goldman Sachs, das Anfang August ein Kursziel von 2.300 Euro und die Einstufung „Buy" bestätigt hatte – dies entsprach zum damaligen Kurs von 1.190,40 Euro einem rechnerischen Aufwärtspotenzial von rund 93 Prozent.

Diese Spanne zwischen den Häusern spiegelt die Unsicherheit wider, die auch Perry anspricht: Der Auftragsbestand von 80 bis 80,5 Milliarden Euro zum Ende des zweiten Quartals ist zwar beeindruckend, doch die Frage, wie schnell und profitabel er sich in Umsatz umsetzen lässt, bleibt offen.

Rheinmetall hatte seine Jahresprognose nach der Absage des F126-Fregattenprogramms durch das Bundesverteidigungsministerium bereits auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro Umsatz nach unten angepasst.

Insider bauen trotz Kursrückgang Positionen aus

Ein Blick auf das Verhalten von Führungskräften liefert zusätzlichen Stoff für die Debatte um die Einschätzung des Unternehmens. In den vergangenen 90 Tagen bis zum heutigen Tag registrierten Beobachter 15 Insiderverkäufe im Gesamtwert von rund 17,4 Millionen Euro.

Bemerkenswert: Trotz eines Kursrückgangs von 22,1 Prozent im selben Zeitraum bauten fünf Insider, darunter Führungskräfte, ihre Bestände aus – ein Signal, das der Skepsis der Analysten von JPMorgan und mwb research entgegensteht.

Auf der operativen Seite verfolgt Rheinmetall parallel mehrere Wachstumslinien, die für die künftige Auftragsentwicklung relevant sind. Unternehmenschef Armin Papperger bekundet weiterhin Interesse an einer Übernahme der Militärfahrzeug-Sparte Iveco von Leonardo, mögliche Gespräche hängen jedoch vom künftigen Leonardo-Chef Lorenzo Mariani ab. Ein Handshake-Abkommen mit dessen Vorgänger besteht laut Medienberichten bereits.

Beim gemeinsam mit Lockheed Martin vereinbarten Aufbau einer ATACMS-Produktion am Standort Unterluess rechnet der Konzern erst ab 2028 mit ersten Umsatzerlösen – ein Beleg dafür, dass selbst bestätigte Großprojekte erst mit erheblicher Verzögerung zur Ergebnisrechnung beitragen. Genau an diesem Zeitversatz zwischen Auftragseingang und Umsatzwirksamkeit setzt die Kritik von JPMorgan an.

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