Rocket Lab Aktie: Zahlen top, Neutron bremst
Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 09:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Rekordumsatz, Rekord-Auftragsbestand, sinkende Verluste — und trotzdem ging es mit der Aktie erst einmal nach unten. Rocket Lab liefert Zahlen, die auf den ersten Blick nach Feuerwerk aussehen. Der Haken liegt woanders: bei der eigenen Rakete Neutron.
Im zweiten Quartal kletterte der Umsatz auf 234 Millionen US-Dollar, ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nettoverlust schrumpfte auf 49,3 Millionen US-Dollar, nach 66,4 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Die Kasse füllte sich durch frisches Kapital deutlich, die liquiden Mittel stiegen zum Ende des Quartals auf 2,13 Milliarden US-Dollar.
Noch beeindruckender fällt der Blick auf den Auftragsbestand aus: 2,36 Milliarden US-Dollar, mehr als doppelt so viel wie vor einem Jahr. Seit Anfang Juli kamen zusätzliche Verträge über mehr als eine Milliarde US-Dollar hinzu, darunter ein Auftrag der US Space Force über bis zu 397 Millionen US-Dollar. Insgesamt stehen inzwischen über 90 Missionen im Buch.
Neutron verliert ihren Termin
Der Grund für die nachbörsliche Kursreaktion von rund 7 Prozent lag nicht in den operativen Zahlen, sondern in der Kommunikation zur Mittelklasse-Rakete Neutron. Bislang hatte Rocket Lab den Jungfernflug für das vierte Quartal 2026 in Aussicht gestellt. Jetzt spricht das Management nur noch davon, die Rakete bis Jahresende zur Startrampe zu bringen — ein festes Startdatum nannte CEO Peter Beck nicht mehr.
Finanzchef Adam Spice hält einen Start im gleichen Zeitraum zwar weiterhin für möglich, Beck machte aber deutlich, dass der zeitliche Spielraum enger wird. Es ist bereits die zweite Verschiebung innerhalb eines Jahres, nachdem ein Fehler bei einem Stage-1-Tanktest im Januar den vorherigen Zeitplan durchkreuzt hatte. Für ein Unternehmen, dessen nächste Wachstumsphase maßgeblich an Neutron hängt, ist diese Unsicherheit kein Randthema.
Zusätzlichen Gegenwind lieferte die Margenprognose. Für das dritte Quartal rechnet Rocket Lab mit einer GAAP-Bruttomarge von nur 29 bis 31 Prozent, deutlich unter der Analystenerwartung von 37,6 Prozent. Verantwortlich dafür sind ein wachsender Anteil margenschwächerer Satellitensysteme, hohe Entwicklungskosten für Neutron sowie Ausgaben im Zusammenhang mit jüngsten Zukäufen.
Iridium-Übernahme als nächste Dimension
Parallel zum operativen Geschäft treibt Rocket Lab seine Expansion voran. Die Ende Juni besiegelte Übernahme von Iridium Communications hat einen Unternehmenswert von rund 8 Milliarden US-Dollar; Iridium-Aktionäre erhalten 27 US-Dollar in bar plus Rocket-Lab-Aktien nach einem Umtauschverhältnis mit Kurs-Collar. Zur Finanzierung des Barteils sicherte sich das Unternehmen eine besicherte Brückenfinanzierung von Deutsche Bank und Wells Fargo. Der Abschluss der Transaktion wird für Mitte 2027 erwartet.
Im abgelaufenen Quartal wurden zudem die Übernahmen von Mynaric und Motiv abgeschlossen, gleichzeitig baut Rocket Lab mit einer neuen Tochtergesellschaft seine Präsenz in Europa aus.
Am Markt bleibt das Bild trotz der Neutron-Unsicherheit überwiegend positiv: Von 18 Analysten votieren 14 für Kauf, vier für Halten. Die Kursziele reichen von 60 bis 135 US-Dollar, wobei jüngste Einschätzungen von TD Cowen und Clear Street mit 120 beziehungsweise 129 US-Dollar am oberen Ende liegen.
Für die kommenden Monate zählen zwei Fragen: Erreicht Neutron tatsächlich noch 2026 die Startrampe, und wie entwickeln sich die Bruttomargen nach dem laufenden dritten Quartal. Bis zu einer Klärung dürfte die Aktie zwischen Rekordzahlen und Neutron-Zweifeln hin- und hergerissen bleiben.
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