Rocket Lab: Rekordumsatz 234 Millionen, Neutron verschoben
Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 16:27 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Rocket Lab USA hat für das zweite Quartal 2026 einen Rekordumsatz von 234 Millionen US-Dollar ausgewiesen, ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Auftragsbestand kletterte ebenfalls auf einen Höchststand von 2,36 Milliarden US-Dollar.
Dennoch reagierte die Börse verschnupft: Reuters berichtete, das Management habe den Zeitplan für den Erstflug der neuen Neutron-Rakete offenbar erneut nach hinten verschoben, was den Kurs nach Veröffentlichung der Zahlen belastete. Am gestrigen Montag schloss die Aktie bei 80,04 US-Dollar, ein Minus von 3,37 Prozent.
Umsatz übertrifft Erwartungen, Verlust fällt höher aus
Die für das Quartal zum 30. Juni 2026 gemeldeten 234,06 Millionen US-Dollar lagen über der Analystenerwartung von 232,06 Millionen US-Dollar. Beim bereinigten Ergebnis je Aktie verfehlte Rocket Lab dagegen die Prognosen: Der Verlust lag bei 0,08 US-Dollar je Aktie, während der Markt im Schnitt nur 0,06 US-Dollar Verlust erwartet hatte. Das bereinigte EBITDA blieb mit minus 8,8 Millionen US-Dollar defizitär, unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 49,3 Millionen US-Dollar.
Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz zwischen 250 und 265 Millionen US-Dollar in Aussicht – ein weiterer Wachstumsschritt, der aber nichts an der grundsätzlichen Wachstums-vor-Profitabilität-Logik des Unternehmens ändert.
Der Rekordumsatz zeigt, dass das Kerngeschäft mit den etablierten Electron-Starts und den ersten Space-Systems-Aufträgen trägt. Am 6. August brachte Rocket Lab mit der Mission „The Grain Goddess Provides“ von Launch Complex 1 bereits die 92. Mission der Firmengeschichte und den 13. Start im laufenden Jahr ins All – ein Betrieb, der inzwischen recht routiniert läuft.
Neutron: Starttermin verschiebt sich erneut
Der wunde Punkt bleibt die neue, größere Trägerrakete Neutron. Laut Reuters deutete das Management an, dass nicht mehr der Erstflug selbst, sondern lediglich die Bereitstellung der Startrampe für das vierte Quartal 2026 anvisiert wird – eine subtile, aber für Anleger entscheidende Verschiebung der Erwartungshaltung.
Neutron gilt als zentraler Baustein, um Rocket Lab von einem reinen Kleinsatelliten-Launcher zu einem Anbieter für größere, kommerzielle und staatliche Nutzlasten weiterzuentwickeln. Jede weitere Verzögerung verlängert die Phase, in der das Unternehmen Entwicklungskosten trägt, ohne mit der neuen Rakete Umsatz zu erzielen.
Zugleich unterstreicht Rocket Lab mit neuen Kunden, dass die Nachfrage nach Neutron-Kapazitäten trotz des Verzugs vorhanden ist. Das Unternehmen kündigte einen Vertrag mit Kepler Communications Inc. für eine dedizierte Neutron-Mission von Launch Complex 3 auf Wallops Island in Virginia an, frühestens im Jahr 2028.
Staatsaufträge stützen das Wachstum
Parallel zur Neutron-Verzögerung füllt Rocket Lab die Auftragsbücher mit Regierungsgeschäft. Anfang August erhielt das Unternehmen einen Auftrag der US-Weltraumstreitkräfte über 397 Millionen US-Dollar im Rahmen des SB-AMTI-Programms zur Entwicklung und zum Betrieb mehrerer Flatellite-Satelliten.
Bereits Ende Juli hatte die Space Force zudem einen Auftrag über 266 Millionen US-Dollar für mindestens zwölf suborbitale Starts vergeben, mit einer Option auf sechs weitere Flüge. Diese Verträge erklären maßgeblich den gestiegenen Auftragsbestand und liefern eine gewisse Visibilität für die kommenden Jahre.
Kursbild bleibt volatil
Der jüngste Rücksetzer reiht sich in ein Jahr mit starken Ausschlägen ein. Seit Jahresbeginn steht die Aktie dennoch mit 14,74 Prozent im Plus. Aktuell notiert das Papier rund 9 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 88,02 US-Dollar, was auf eine kurzfristige Abkühlung nach der jüngsten Kursrally hindeutet.
Für Anleger dürfte sich die Diskussion künftig weniger um das laufende Wachstum der Electron- und Auftragsgeschäfte drehen als um die Frage, wie belastbar der neue Neutron-Zeitplan tatsächlich ist.
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